Kreuzotter

Kreuzotter (Vipera berus)

Klasse Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Echte Vipern (Viperidae)

Autor: Marc Zschaler
Mail: Marc Zschaler@natur-lexikon.com
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Dokument: ZS 00006

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Ein Kopfportrait eines Kreuzottermännchens im Frühjahr.


Allgemeines:
Die Kreuzotter ist (praktisch*) die einzige Giftschlange Deutschlands. Die deutlichen Kennzeichen sind die meist lebhafte Zickzackzeichnung auf dem Rücken, der deutlich von Körper abgesetzte Kopf und die spaltförmigen Pupillen. Ein auf den ersten Blick schwieriger zu erkennendes Merkmal sind die vielen kleinen Kopfschuppen, Nattern haben hier wenige große Schuppen.

Die Kreuzotter ist eine kleine bis mittelgroße Schlange. Männchen sind selten länger als 65 cm, Weibchen kaum größer als 75 cm. Man kann die Geschlechter meist gut an der Farbe unterscheiden. Männchen zeigen verschiedene Grautöne von weißgrau bis fast schwarz, zudem ist der Kontrast zwischen Grundfarbe und Zickzackband meist stärker. Die Weibchen zeigen dagegen verschiedene Brauntöne und der Kontrast zwischen heller Grundfarbe und dunklem Zickzackband ist meist etwas geringer.

Es gibt aber auch ganz schwarze Exemplare (Höllenotter), ebenso einfarbig rotbraune Tiere (Kupferotter).

Die Chance von einer Kreuzotter gebissen zu werden ist sehr gering. Es sollte aber in jedem(!) Fall ein Arzt aufgesucht werden, wenn es doch passiert. Die Giftwirkung bei einem Kreuzotterbiss ist als mäßig bis schwach zu bezeichnen, wird aber oft durch die (verständliche) Aufregung des Gebissenen verstärkt.

In den letzten Jahrzehnten ist im deutschsprachigen Raum KEIN(!) Todesfall bekannt geworden. Der betroffene Körperteil sollte ruhig gestellt werden, um eine Verteilung des Giftes zu verzögern. Ein Aussaugen der Bissstelle ist zu unterlassen!

Weitere deutschsprachige Informationen bei den Vergiftungsberatungsstellen: www.giz-nord.de

Das "sicherstellen" der Schlange ist nicht nötig! Das in Europa verwendete Serum hat eine Breitbandwirkung und wirkt für alle europäischen Arten. Die Kreuzotter ist eine stark gefährdete Tierart und steht wie alle einheimischen Amphibien- und Reptilien Arten unter Naturschutz!

Kreuzotter WeibchenEin Kreuzotterweibchen mit der typischen Braunfärbung.

Verbreitung:
Die Kreuzotter lebt in weiten Gebieten von Eurasien. Sie kommt von Mittelengland und Westfrankreich über Mittel- und Nordeuropa bis zum Nordbalken vor. Weiter in einem etwa 1000 km breiten Streifen von Osteuropa bis nach Kamtschatka an der Pazifikküste. Sie kommt ebenso auf den Pazifikinseln Sachalin und Schantar vor. In Skandinavien kommt sie nördlich des Polarkreises vor.

In Deutschland ist sie weit verbreitet, wird aber immer seltener. Sie hat aber eine große Verbreitungslücke in den westlichen Mittelgebirgen und im Mittel und Hochrheintal.

Die Kreuzotter kommt in folgen Gebieten NICHT(!) vor: In ganz Rheinland-Pfalz und Saarland. Sie fehlt in fast ganz Nordrhein-Westfalen bis auf den äußersten Norden. In Hessen kommt die Kreuzotter nur vereinzelt im Spessart, im Hohen Meißner und in der Rhön vor.

Lebensraum:
Die Kreuzotter besiedelt relativ kühle und feuchte Lebensräume wie Wälder, Moore und Gebirge. In den Alpen kommt sie bis 3000 m Höhe vor. Innerhalb dieser Landschaften siedelt sie wiederum an den wärmsten und hellsten Kleinklimaten, wie Lichtungen, Heiden und Wegrändern.

Kreuzotter Männchen
Ein Männchen vor und nach der ersten Häutung im Frühjahr.

Lebensweise:
Die Kreuzotter hat einen klar gegliederten Jahreszyklus. Die Männchen erwachen je nach Witterung bereits etwa Mitte bis Ende Februar aus ihren immer wieder benutzten Winterschlupfwinkeln und sonnen sich in der Nähe das ganze Frühjahr ohne größere Ortwechsel und Nahrungsaufnahme. Dies dient zur Reifung der Spermien.

Die Weibchen erwachen etwa drei Wochen später aus der Winterruhe und die Paarungsbereiten Weibchen wandern allmählich zu immer wieder benutzten Paarungsplätzen. Die Weibchen haben meist einen zweijährigen Fortpflanzungszyklus. Dann etwa Ende April, Anfang Mai häuten sich die Männchen das erste mal im Jahr und deren bis dahin ruhiges Verhalten ändert sich innerhalb von Stunden. Die Farben der Männchen erstrahlen jetzt in kontrastreicher Frische.

In ruckartigen und unruhigen Bewegungen machen sich die nun paarungsbereiten Männchen mit Hilfe des Geruchsinns (Züngeln) auf die Suche nach den Weibchen. Wenn nun zwei Männchen aufeinander treffen beginnen sie oft einen seltsamen Kommentkampf, bei dem sie sich spiralig umeinander schlingen und versuchen mit dem Vorderkörper den anderen nieder zu drücken. Dies passiert meist auf den Paarungsplätzen an denen dann auch die Paarungen stattfinden. Ende Mai ist die Paarungszeit vorbei und die Männchen zerstreuen sich und beginnen erst jetzt mit der Nahrungsaufnahme.

In den Sommergebieten jagen die Tiere vorzugsweise Wühlmäuse, kleine Frösche und Eidechsen.

Kreuzotter Jungtiere
Zwei Jungtiere wenige Tage nach der Geburt Ende August.

Die trächtigen Weibchen sonnen sich nun auch wieder sehr intensiv den Sommer über, um die Embryonenentwicklung zu fördern. Die Kreuzottern legen nämlich keine Eier, sondern sind ovovivipar, das heißt, die Eier besitzen ein normal großes Dotter, aber nur eine dünne Eihaut und werden im Körper des Muttertieres zur Reife gebracht. Der Mutterorganismus sorgt somit nur für den Gasaustausch. Ende August bis Anfang Oktober, wieder abhängig von der Jahreswitterung, erfolgt dann die Geburt, bei der dann die Eihaut aufreißt und das voll entwickelte Junge das Leben beginnt. Die Anzahl der Jungen beträgt in der Regel 5-15, selten bis 20. Die Jungtiere häuten sich unmittelbar nach der Geburt und beginnen bald darauf mit der Nahrungsjagd. Die Beute besteht ausschließlich aus jungen Eidechsen und jungen Fröschen, deren Vorkommen somit ein limitierender Faktor für das Vorkommen der Kreuzotter ist.

In ungünstigen Jahren kann es passieren, das die Witterung für eine komplette Jungenentwicklung nicht ausreicht und das Weibchen trächtig in die Winterruhe gehen muss. Die im nächsten Frühjahr geborenen Jungen, werden dann aber oft tot geboren.

*Die zweite deutsche Giftschlange ist die Aspisviper (Vipera aspis), die es nur im Südschwarzwald an wenigen Stellen vorkommt, in wahrscheinlich nur wenigen hundert(?) Exemplaren.

Literatur:
Arnold, Edwin N.: Pareys Reptilien- und Amphibienführer Europas, Verlag Paul Parey, Hamburg, Berlin
Brodmann, P.: Die Giftschlangen Europas und die Gattung Vipera in Afrika und Asien, Verlag Kümmerly & Frey, Bern
Gruber, U.: Die Schlangen Europas und rund ums Mittelmeer, Verlag Franckh, Stuttgart (Kosmos-Naturführer)



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