Blindschleiche

Blindschleiche (Anguis fragilis)

Klasse Reptilien (Reptilia)
Familie: Schleichen (Anguidae)

Autor: Marc Zschaler
Mail: Marc Zschaler@natur-lexikon.com
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Ein halbwüchsiges Blindschleichen Männchen.

Dokument: ZS 00002

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Allgemeines:
Die Blindschleiche ist das wohl am weitest verbreitetste einheimische Reptil. Sie kommt sowohl in relativ kühlen Lebensräumen, als auch in sehr trockenwarmen Regionen vor.

Die Blindschleiche ist KEINE Schlange! Die Schleichen haben im Laufe ihrer Entwicklung ihre Beine stark bis ganz reduziert. Obwohl die Gestalt so sehr an eine Schlange erinnert, so sind doch die Unterschiede gravierende als man glaubt.

Der nach Außen am wenigsten auffällige Unterschied ist zu gleich der Größte. Die Schlangen besitzen große durchgehende Bauchschuppen und einen dazugehörenden Muskelapparat, der es der Schlange erlaubt, sich mit diesen Bauchschuppen in feinste Bodenunebenheiten zu verhaken und sich davon abzustoßen.

All das hat die Blindschleiche nicht. Sie muss sich bei ihren Schlängeln mit dem ganzen Körper abstützen, so kann sie sich in dichten Pflanzengewirr fast ebenso schnell und geschmeidig fortbewegen wie eine Schlange. Fehlt dieses Wiederlage, etwa auf Sand, so sind ihre Bewegungen eher unbeholfen.

Ein weiteres Echsenmerkmal sind die Augenlider, die sie normal schließen kann. Schlangen besitzen ein durchgehendes, durchsichtiges, starres Augenlid, das auch bei den Häutungen mit gehäutet wird.

Auch der Schwanz ist bei den Blindschleichen mit etwas mehr als der Hälfte der Gesamtlänge wesentlich länger als bei den Schlangen und er kann auch wie bei den Eidechsen bei Fremdeinwirkung abgeworfen werden und bewegt sich dann meist viel heftiger als das eigentliche Tier und lenkt so oft den Feind entscheidend ab. Wogegen der Schwanz bei den Eidechsen meist bis zu fast zu vollen Länge wieder regeneriert wird, wächst bei der Blindschleiche nur ein kleiner Stummel nach.

Die Färbung umfasst alle Brauntöne, von sandgrau über kupferbraun bis braunschwarz. Die Jungen sind zunächst an der Seite und am Bauch Schwarzbraun. Am Rücken sehr viel heller, sandgrau bis kupferbraun metallisch glänzend, mit einen dünnen dunklen Strich in der Rückenmitte. Die Färbung behalten die Weibchen im Alter bei. Bei den Männchen hebt sich der Helligkeitsunterschied zwischen Rücken und Flanken immer mehr auf. Die Männchen bekommen zudem im Alter einen kantigeren Kopf und zunehmend einzelne blaue Schuppen.

Blindschleichen erreichen eine Gesamtlänge bis 50 cm, oft bleiben sie aber kleiner, da bei fast allen Tieren Teile des Schwanzes im Laufe ihres Lebens verloren gehen. Ein Alter von 54 Jahren ist in Gefangenschaft dokumentiert.

Blindschleiche Männchen
Ein altes Männchen mit vielen blauen Schuppen

Verbreitung:
Die Blindschleiche kommt von Mittelportugal und Mittelspanien, über gesamt Süd-, Mittel- und Osteuropa, sowie England, Südskandinavien, Südfinnland. Sie fehlt in Südportugal und Südspanien, Irland, Korsika und Sardinien. Ostwärts kommt sie bis zum Ural, Kaukasus und Teilen Südwestasiens, sowie in Nordwestafrika vor.


Lebensraum:
Das Lebensraumspektrum der Blindschleiche reicht von kühlen Bachniederungen über Waldlichtungen, Wiesen, Hecken, Böschungen, Bahndämmen, bis zu Randberreichen der Weinbergen. Allen Biotopen gleich ist meist ihr dichter Bodenbewuchs.

Lebensweise:
Die Blindschleiche lebt sehr unauffällig und versteckt und sonnt sich offen meist nur in den Morgen- und Abendstunden. Sonst erwärmen sich die Tiere meist indirekt unter Steinplatten, Holzbrettern, Blech oder Folien. Sie ernähren sich von Nacktschnecken, Regenwürmern, aber auch von Insekten, Spinnen und anderen Gliedertieren. So ist sie auch nach Gewitteregen aktiv, wenn ihre Beutetiere ebenfalls zum Vorschein kommen.

Blindschleiche mit Ameisen
Blindschleiche vom Ameisen überwältigt; Foto: Matthias Zimmermann

Nach der Paarung trägt das Weibchen die befruchteten Eier bis zur Schlupfreife aus. Hierbei werden aber die Embryonen aber nicht vom Mutterorganismus versorgt, sondern ernähren sich vom eigenen Dotter innerhalb ihrer Eihülle. Wenn die Jungtiere voll entwickelt sind, kommt es zur Geburt bei der die Eihülle aufplatzt und die Jungen sofort selbstständig ihr Leben beginnen.

Diese Art der Jungenentwicklung nennt man Ovovivipari und kommt bei einheimischen Reptilien auch bei der Waldeidechse, der Schlingnatter und der Kreuzotter vor.

Die Anzahl der Jungen ist vom Alter und der Größe des Weibchens anhängig und betragt 6-12, manchmal auch mehr. Die trächtigen Weibchen können dabei beträchtlich an Leibesumfang zunehmen.

Literatur:

Arnold, Edwin N.: Pareys Reptilien- und Amphibienführer Europas, Verlag Paul Parey, Hamburg, Berlin



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