Waldbaumläufer

Waldbaumläufer (Certhia familiaris)

Familie: Baumläufer (Certhiidae )
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Autor: Niels Schulz
Mail: niels.schulz@gmx.de

Dokument: SN 00007

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Foto: Olaf Wolfram

Beschreibung
Der Waldbaumbaumläufer gehört zu den kleinsten Vögeln in unserer Gegend. Er trägt ein dichtes, wolliges Federkleid, das an der Unterseite sehr hell und an der Oberseite dunkel braun gefärbt ist, das Bürzel ist rostfarben. Der ungewöhnliche Schnabel ist nach unten gebogen und beim Weibchen mit 12 mm etwa einen Millimeter kürzer als beim Männchen. Ein heller Überaugenstreif reicht bis zum Schnabel vor. Der Schwanz besitzt eine Länge von 55 mm und dient zur Steuerung des Fluges und als Stütze, um sich hinten am Stamm abdrücken.

Typisch für den Waldbaumläufer ist die Art und Weise der Fortbewegung: Er hüpft spiralförmig den Stamm hinauf und läßt sich dann seitlich fallen. Mit angelegten Flügeln landet er am nächsten Baum, wo er mit ausgebreiteten Flügeln seinen Flug abbremst. Mit dieser Methode ist er beim Baumwechsel kaum zu sehen. Die Stimme ist feines, hohes, "Siiiiihh", "siiiihh".

Mit seinen langen, gebogenen Schnabel kann der Waldbaumläufer Spinnen und Insekten auch aus tiefen Rissen und Spalten hervorzusuchen.

Waldbaumläufer am Kasten

Vermehrung
Die Balzzeit des Baumläufers liegt im April. Aus langen Fichtenreiser, trockenem Holzmull, Tierhaaren und Federn baut er ein Nest hinter abstehenden Rindenstücken oder in Baumspalten. Pro Tag legt er ein Ei, bis es mit fünf bis sieben Eier vollständig ist, in Ausnahmefällen wurden auch schon acht bis neun gezählt. Allein das Weibchen brütet und nach 15 Tagen schlüpfen die Jungen. Die Nestlingszeit dauert etwa zwei Wochen, anschließend werden sie jedoch noch längere Zeit von den Eltern gefüttert. Nach einem Jahr sind die Jungtiere geschlechtsreif. Die hohen Verlusten an Neststandplätzen durch Räuber - Marder, Wiesel, Eichelhäher, Krähen u.a. - werden durch Schachtelbruten ausgeglichen. Ein Weibchen legt ein neues Gelege, bevor die Jungtiere des ersten Geleges selbständig sind.


Verbreitung
Der Baumläufer gehört zu den heimischen Singvögeln und verbringt das ganze Jahre bei uns.
Er ist in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas verbreitet und wurde auch in Ostasien bis nach Japan gesehen. Er fehlt in Teilen Europas - in Westfrankreich, in Spanien außerhalb der Pyrenäen, in Südgriechenland und im Norden Skandinaviens. In den Hochgebirgen ist er Brutvogel bis zur Baumgrenze. Er bevorzugt Nadelwälder.

Wissenswertes
Nur in Ausnahmefällen nimmt er künstliche Nisthilfen an. Die Rinde der Bäume bietet dem Baumläufer nicht nur Nahrung. Nach neueren Untersuchungen benötigt ein Baumläuferpärchen eine Rindenfläche von ca. 18000 m², um eine Brut erfolgreich aufziehen zu können. Sind die Bäume im Winter von einer Eisschicht bedeckt, ist diese Art im Bestand bedroht, weil keine Nahrungsaufnahme möglich ist. Dann kann es Jahre dauern, bis sich die regionalen Population von einem Tiefstand wieder erholt haben.

Mittels der Beringung konnte ein Alter von sieben Jahren nachgewiesen werden.



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