Zecke / Holzbock

Zecke (Ixodes ricinus)
syn. Holzbock, Schild-Zecke

Reich Tierreich (Animalis)
Unterreich Vielzeller (Metazoa)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm Chelicerata
Klasse Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung Milben (Acari)
Familie Zecken (Ixodidae)

Autor: Michael Leps
Mail:
michael.leps@natur-lexikon.com

Dokument: ML 00004

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Vorkommen:
Die Schildzecke bevorzugt für ihre Entwicklung aufgrund ihres eingeschränkten Wasserhaushaltes Orte mit einer hohen relativen Luftfeuchtigkeit. Diese Bedingungen findet sie kosmopolitisch auf Halmen und Sträuchern in Gärten, Parks und an Waldrändern und -lichtungen von Laub- und Mischwäldern. Hohe Bäume werden aufgrund der ungeeigneten klimatischen Bedingungen eher gemieden. In Deutschland kommen Zecken von der Küste bis in Gebirgsregionen bis ca. 1000m Höhe über NN von März bis Oktober vor.

Merkmale:
Der parasitisch (blutsaugend) lebende Holzbock hat eine Größe von etwa 2,5mm (Männchen) bzw. 4mm (Weibchen). Nach dem Blutsaugen können adulte Exemplare eine Größe von bis zu 11mm erreichen. Der Körper ist oval bis sackförmig geformt. Schildzecken haben 8 Gliedmaßen und einen Stech-Saugrüssel, der mit Widerhaken ausgestattet ist, namensgebend ist der schildförmige Chitinrückenpanzer (Scutum).

Die Zecken klettern auf Sträucher oder Grashalme von bis zu 1,5m Höhe, verankern sich dort und und lockern diese Verankerung bei Kontakt mit ihren Wirten. Auf dem Wirt sucht die Zecke anschließend einen geeigneten Ort zum Blutsaugen (feucht, warm, gut durchblutet) und sticht mit ihren Mundwerkzeugen eine Öffnung in die Haut. Da hierbei mit dem Speichel der Zecke Betäubungsstoffe in die Wunde gelangen, bleibt der Einstich vom Wirt oft unbemerkt.

Für die Wirtserkennung sind verschiedene Faktoren, wie Temperatur, Berührungsreiz und v.a. Duftstoffe im Schweiß verantwortlich. Die Zecke ist blind, besitzt aber ein spezielles Organ zur Geruchserkennung, das „Haller´sche Organ“. Dies ist ein grubenförmiger, mit Sinnesborsten ausgestatteter Chemorezeptor, der sich an den Tarsen des ersten Beinpaares befindet. Das „Haller´sche Organ“ ist in der Lage, Stoffe wie Ammoniak, Kohlendioxid oder Milchsäure zu erkennen, die von den Wirtstieren abgegeben werden.

Die 1-2 jährige Entwicklung des Holzbockes verläuft in vier Stufen. Von adulten Weibchen werden bis zu mehrere Tausend Eier abgelegt, die sich zu Larven entwickeln (0,5mm, sechsbeinig, Lebensraum: Erdboden, Wirte: Kleinsäuger und Vögel). Nach der Nahrungsaufnahme und Häutung entstehen aus den Larven die sogenannten Nymphen (1mm groß, achtbeinig. Wirte: Säugetiere). Aus diesen Nymphen entwickeln sich nach der nächsten Blutmahlzeit und anschließender Häutung die geschlechtsreifen, rotbraun erscheinenden adulten Zecken. Diese adulten Zecken befallen v.a. größere Wirbeltiere, wie Haus- und Wildtiere und den Menschen,

Sonstiges:
Erwähnt werden sollte hier das Risiko einer Infektion infolge eines Zeckenbisses.
Der Holzbock selbst produziert keine toxischen Substanzen, kann jedoch Überträger aufgrund des diverser Krankheitserreger sein. Die beiden am häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten sind die virusverursachte FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sowie die, durch Bakterien (Borrelia burgdorferi) verursachte, Lyme-Borreliose. Die Infektion mit diesen Krankheitserregern geschieht meist erst einige Stunden nach dem Stich, wenn die Zecke ihren Mageninhalt in die Blutbahn des Wirtes entleert, frühe Entfernung der Zecke nach einem Biß sollte also angestrebt werden. Gegen die FSME kann man sich wirksam immunisieren lassen, gegen die Borreliose existiert zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels (Anfang 2004) jedoch noch kein wirksamer humaner Impfstoff für Europa. Sollte man sich jedoch durch Zeckenbiß mit den Borrelien infiziert haben, ist eine wirksame Behandlung mit Antibiotika möglich. Wichtig hierbei ist eine Früherkennung der Infektion, die durch regelmäßige Kontrolle der Einstichstelle gewährleistet wird. Wird im Bereich der Einstichstelle eine sogenannte Wanderröte (Erythema migrans), ein sich stark ausbreitender rötlicher Fleck, bemerkt oder treten andere Symptome einer Infektion auf, sollte zur Einleitung einer sofortigen Therapie auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Da etwa 5% bis 50% aller Zecken Träger der Borrelioseerreger sind, wobei das Infektionsrisiko für den Wirt mit zunehmendem Entwicklungsstadium der Zecke ansteigt, sollte man nach einem Zeckenbiß auf entsprechende Symptome achten.


Ergänzung durch:

Autor: Jörg Kammel
Mail: jkammel@t-online.de

Allgemeines:
Zecken sind weltweit verbreitete, Blut saugende Parasiten. Für Ihre Entwicklung benötigen sie Blutmahlzeiten von warmblütigen Wirtstieren (Säugetiere, Vögel) oder Reptilien. Sie leben jedoch nicht permanent auf ihren Wirten wie die Läuse, sondern suchen sie bei Bedarf auf.

Der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die bekannteste Art der Schildzecken. Er bevorzugt als Wirt nicht nur Wild- und Haustiere, sondern auch den Menschen. Dies kann vor allem dann gefährlich werden, falls die Zecke mit Krankheitserregern infiziert ist, denn der Holzbock ist u. a. Überträger der für den Menschen gefährlichen Lyme-Borreliose und der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Entwicklungsstadien der Zecke:
Der Holzbock (Ixodes ricinus) erreicht durchschnittlich Größen zwischen 2,5 und 4,5 Millimeter. Die Größe unterscheidet sich allerdings im Geschlecht; Weibchen sind meist größer als die Männchen. Auch sonst unterscheiden sich die Geschlechter in vielerlei Hinsicht.

Der Entwicklungszyklus dieser dreiwirtigen Zecke dauert 1 bis 3 Jahre. Nach dem Schlüpfen aus dem Ei ist die Larve nur knapp einen halben Millimeter groß. Die Larve ist das einzige Stadium, das nur sechs statt der für Spinnentiere typischen acht Beine besitzt. Nach der ersten Blutmahlzeit häutet sie sich zur etwa 1 mm großen Nymphe. Aus dieser geht nach einer weiteren Blutmahlzeit die erwachsene Zecke hervor. In der Regel befallen die aufeinander folgenden Entwicklungsstadien Wirte zunehmender Größe: Larven finden sich v.a. auf Kleinsäugern wie Mäusen, Nymphen saugen an Igeln und Eichhörnchen und die Adulten meist an Rehen und Hirschen.

Zecke

Aufenthaltsorte der Zecke:
Vornehmlich halten sich Zecken im Gestrüpp, in hohen Gräsern und Farnen oder im Unterholz auf (bis ca. 1,5 m Höhe). Sie lassen sich meist von ihren potenziellen Wirten, die sie an Erschütterungen, Körperwärme und Duftstoffen erkennen, im Vorübergehen von der Pflanze abstreifen und krabbeln dann mehrere Stunden lang am Körper umher, bis sie eine passende Einstichstelle gefunden haben. Die weit verbreitete Ansicht, dass sich Zecken von Bäumen herabfallen lassen, trifft in der Regel nicht zu.

Der Zeckenbiss:
Zecken sind dabei sehr wählerisch und bevorzugen etwas feuchte, warme und gut durchblutete, dünne Haut. Dabei sind besonders die Kniekehlen, der Haaransatz, die Leistenbeuge und die feine Haut hinter den Ohren ein beliebtes Ziel.

Bei einem Zeckenstich (auch Zeckenbiss) wird die menschliche Haut von einer Zecke mit den Kieferklauen angeritzt und anschließend der „Stachel“ (das Hypostom) in der Wunde verankert. Vor Beginn der Nahrungsaufnahme gibt die Zecke ein Sekret (Speichel) ab, das mehrere wichtige Komponenten enthält:

Einen Gerinnungshemmer, eine Art Klebstoff, ein Betäubungsmittel sowie einen entzündungshemmenden Wirkstoff. Anschließend wird dann das Blut durch die Zecke aufgeleckt. Dabei würgt bzw. spuckt (regurgiert) die Zecke in regelmäßigen Abständen während der Blutmahlzeit unverdauliche Nahrungsreste in ihren Wirt zurück. Speziell bei diesem Vorgang können Krankheitserreger, die zuvor bei einem anderen Wirt aufgenommen wurden und sich im Zeckenkörper erhalten oder sogar vermehrt haben, auf den Wirt übertragen werden.

Was tun, wenn ich gebissen wurde ?:
In jedem Falle gilt, dass es in erster Linie zu empfehlen ist einen Arzt aufzusuchen. Sollte man die verankerte Zecke doch selbst entfernen wollen, so benuze man nicht alte Hausmittel, da diese veraltet und teilweise extrem gefährlich sind. Es gilt zu beachten, dass man den "Inhalt" der Zecke nicht ausquetscht, den Zeckenkörper jedoch restlos aus der Haut entfernt. Eine vorsichtige Behandlung mit einer Zeckenzange, einer Pinzette, oder einer Zeckenkarte sind am ehesten wirkungsvoll.

Man sollte sich zudem in jedem Falle gegen die FSME impfen lassen.

Zecken an Eidechse

Die übertragenen Krankheiten:
Zecken können auf den Menschen die Krankheiten Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung. Sie wird durch Zeckenstiche besonders während der warmen Jahreszeit übertragen.

Die FSME - Erreger befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecken und können beim Stich umgehend auf den Menschen übertragen werden. Nach einer Infektion mit FSME – Viren können entzündliche Erkrankungen der Hirnhäute, des Gehirns und des Rückenmarkes auftreten, die vor allem wegen der schweren, bleibenden Lähmungen gefürchtet sind. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer schweren Erkrankung. Der sicherste Schutz vor einer Infektion ist eine Impfung.

Die Lyme-Borreliose (Wanderröte) ist eine besonders tückische Erkrankung, weil sie wegen der vielen unterschiedlichen Symptome oft erst sehr spät erkannt wird. Schon Zeckenlarven können Borrelien übertragen. Die Erkrankung verläuft schleichend in mehreren Phasen und kann bis zum Tod führen. Genaue Zahlen über Erkrankungen durch Borrelieninfektion sind nicht bekannt. Gefährdet sind vor allem Menschen (und Säugetiere), die sich viel im Freien und in der Nähe eines Waldgebiets aufhalten.

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