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Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum L.)
Stamm: Gliedertiere (Arthropoda) Autor: Hans-Wilhelm Grömping Dokument: WAS 00002 ► mehr Schmetterlinge |
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Im extrem warmen Jahrhundertsommer 2003 gab es so viele Sommertage, so viele Sonnenstunden, so viele laue Nächte wie nie zuvor.
Von Klimaerwärmung war allerorts die Rede und neu einwandernde Tierarten schienen denen Recht zu geben, die sich bereits sicher waren: Bienenfresser wurden in Deutschland wieder heimisch, die Flamingokolonie in Zwillbrock etablierte sich immer mehr, Mittelmeermöwen wurden in Münsters Rieselfeldern gesichtet, Feuerlibellen tauchten an vorher nie besuchten Teichen auf und bis dahin nur wenigen bekannte Schmetterlinge statteten den Gärten auch in nördlicheren Bundesländern ihren unerwarteten Besuch ab: die Taubenschwänzchen!

Foto: Thomas Kirchen
Diese Schmetterlinge wurden von vielen erst für Kolibris gehalten. Sie standen im Schwirrflug vor den Blumen und naschten den Nektar. Wie Kolibris konnten sie auch vorwärts und rückwärts fliegen und bei der Nahrungsaufnahme sogar in der Luft stillstehen.
Der kleine Schmetterling, der sich diesen enorm energieaufwändigen Schwirrflug leistet, wird Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) genannt, gehört zur Familie der Schwärmer (Sphingidae) und zählt zu den Nachtfaltern, fliegt aber bei Tage.

Foto: Hans-Wilhelm Grömping
Den Blütennektar nehmen die Taubenschwänzchen im Fluge auf und im Eiltempo wechseln sie von Blüte zu Blüte. Bei jedem Trunk am Nektar tanken sie wieder reichlich auf und gleichen den Energieverlust des Fluges wieder mehr als aus. Schwärmer sind mit besonders langen Saugrüsseln ausgestattet, die bei einigen Arten sogar die Körperlänge übertreffen. Mit diesem überlangen Rüssel kommen Taubenschwänzchen an Blüten, die für fast alle anderen Insekten unerreichbar sind. Winden, Natternkopf und Seifenkraut sind solche Pflanzen, die den Schwärmern vorbehalten bleiben.

Foto: Hans-Wilhelm Grömping
Taubenschwänzchen sind eigentlich in Südeuropa, vor allem im Mittelmeergebiet, heimisch. Von dort aus fliegen die Falter alljährlich über die Alpen und erscheinen (außer im Ausnahmesommer 2003) sehr selten in Norddeutschland und gar nicht so selten in Süddeutschland.
Neben den genannten Wildpflanzen sind es gerade die typischen Garten- und Balkonkastenpflanzen Petunien, Phlox und Geranien die diesen kleinen Schwärmer magisch anziehen. An den Balkonkästen wird ihm dann besondere Aufmerksamkeit zuteil und die Verwechslung mit den Kolibris wird nicht nur durch das Flugverhalten ausgelöst, sondern auch durch sein weiteres Aussehen: der graue Körper mit dem schwarzem Schwanz weist zudem noch weiße Spitzen auf und durch die schnellen Bewegungen fallen auch die beiden Fühler und der fehlende Schnabel nicht auf. Vielleicht hält ja auch manch einer den langen Saugrüssel des Taubenschwänzchens für einen Schnabel.

Foto: Thomas Kirchen
2 bis 2,5 cm lang sind die Vorderflügel und 40 bis 50 mm beträgt die Flügelspannweite des Taubenschwänzchens, das ein hervorragender Wanderfalter ist, der weit nach Norden, bis in das Polargebiet, und hoch in die Berge bis zur oberen Vegetationsgrenze fliegt. Die tagaktiven Falter fliegen am Sommeranfang in Mitteleuropa ein.

Foto: Hans-Wilhelm Grömping
Von Mai bis Juli fliegt diese erste Generation, die ihre Eier ablegt, aus denen die zweite Generation entsteht, die von September bis Oktober fliegt. Es ist nicht ganz geklärt, ob die Falter in dieser Zeit auch wieder nach Südeuropa zurückfliegen. Auch wenn sich die Falter in Mitteleuropa fortpflanzen können, hält sich doch keine bodenständige Population und in jedem Jahr müssen Taubenschwänzchen erneut aus dem Süden einfliegen

Foto: Hans-Wilhelm Grömping
Die Raupe des Taubenschwänzchens (Foto unten) kann man von Juni bis Oktober (erste und zweite Generation) auf Labkrautarten entdecken. In milden Klimagebieten überwintert die Puppe. Dort, wo Fröste auftreten, übersteht sie nur zufällig die kalte Jahreszeit, wenn sie z.B. in ein geschütztes Gartenhäuschen gelangt.
Abzuwarten bleibt, ob sich der massive Einflug des Taubenschwanzes in den nächsten Jahren wiederholen wird.

Fotos: Walter Schön
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