Barsch mit Stiernacken

Barsch (Perca fluviatilis)

Klasse: Fische (Pisces)
Familie:
Echte Barsche (Percidae)

Autor: Thomas Pruß
Dokument: TP 00002

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Ein wunderbar gezeichneter Barsch aus dem schleswig-holsteinischen Fluss Eider. Typisch: Die beiden Rückenflossen, von denen die erste Stachelstrahlen hat, die Querbänderung und der „Stiernacken“.


Der Barsch: Kleiner Räuber mit „großer Klappe“
„Der Tag ist im A…, hängt an der Angel ein Barsch“ – nur, wer es als Angler auf kapitale Fische abgesehen hat, wird dieses Sprichwort bestätigen. Aber eigentlich ist es zu kurzsichtig, denn der Barsch gehört zu den delikatesten Fischen, die man in unseren Gewässern fangen kann. Nur sein „großer Bruder“, der Zander, übertrifft ihn noch.

Doch der Reihe nach: Der Barsch (Perca fluviatilis) gehört in die Familie der Echten Barsche (Percidae). Hier, in Mitteleuropa, gehören der Kaulbarsch (Gymnocephalus cernuus), Schrätzer (G. schraetzer), Zingel (Zingel zingel) und Zander (Sander lucioperca, syn: Stizostedion zander) zu seiner engsten Verwandtschaft.

Prächtige Burschen
Der Barsch besitzt einen seitlich leicht abgeflachten Körper. Oft ist er hochrückig, und besonders ältere Fische bekommen einen recht beeindruckenden „Stiernacken“. Der Körper selbst ist dunkel(oliv-)grün gefärbt, und bis zu 7 Querbänder lösen die Gestalt des Fisches unter Wasser optisch auf (Schutz vor Fressfeinden).

Der Bauch ist rein weiß, die Flossen oft mit einem rötlichen Hauch überzogen, manchmal sogar intensiv blutrot gefärbt.

Das Maul ist stumpf, endständig und ziemlich groß. Die Kiemendeckel laufen in einen spitzen Dorn aus.

Am auffälligsten aber: Der Barsch hat 2 Rückenflossen, von denen die erste von 12 bis 17 harten, spitzen Flossenstrahlen und die 2. von 1 bis 2 Hartstrahlen und bis zu 16 Weichstrahlen gestützt wird. Diese zwei Rückenflossen sind allen Barschartigen gemeinsam, egal, ob sie im Süßwasser oder im Meer leben!

Insgesamt ist der Flussbarsch – so sein „offizieller“ Name, obwohl er genau so oft in stehenden Gewässern vorkommt – ein recht hübscher Fisch – und ein beeindruckender dazu:

In der Regel werden Barsche selten länger als 20-35 cm. Aber kapitale Exemplare von über 40 cm versetzen nicht nur Angler in Erstaunen und Bewunderung. Die Fische machen dann oft einen ungemein starken und kompakten Eindruck, wozu nicht zuletzt der „Stiernacken“ beiträgt. Vor allem Fische aus klarem oder aus dunklem Wasser zeigen außerdem eine wahre Farbenpracht, mit der sie sich nicht vor tropischen Aquarienfischen verstecken zu brauchen.

Fisch mit „Panzer“
Wie oben schon angedeutet, sind Barsche wirklich leckere Fische, die man viel zu selten an Fischständen kaufen kann. Wer aber mal Barsche geschuppt hat, um sie zu braten, der musste erstaunt feststellen, dass das Schuppen kaum möglich ist. Die Schuppen sitzen extrem fest und umhüllen den Fisch wie einen Panzer. Das hat auch mit einer Besonderheit der Schuppen zu tun: Barsche gehören zu den „Kammschuppern“. Das bedeutet, dass der Vorderrand ihrer Schuppen, also der Bereich, mit dem sie in der Haut verankert sind, leicht gezähnt ist und wie ein Kamm aussieht. Diese Kammschuppen (Ctenoid-Schuppen) findet man bei allen Barschartigen. Fische wie Rotaugen, Karpfen, Hechte usw. gehören dagegen zu den „Rundschuppern“, bei denen der Schuppen-Vorderrand rund ist (Cycloid-Schuppen).

Wer also Barsche zubereiten will, sollte sie filetieren und dann die Haut abziehen. Das schont das Handgelenk, die Küche und auch das Messer!

Barsch

Barsche haben keine Angst vor „großen Tieren“. Dieser hier schnappte nach einem Gummifisch, der nur wenig kleiner als der Barsch selbst war.

Intelligent?
Mit fast 8.000 bis jetzt bekannten Arten, eingeteilt in 150 Familien, haben sich die Barschfische (Perciformes) die ganze Welt erobert. Allerdings leben die meisten Arten im Meer. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die „echten Barsche“, zu denen auch der Flussbarsch gehört. Die Barsche zählt man zu der am höchsten entwickelten Gruppe unter den Fischen.

Und wer es auf den Entwicklungsstufen so weit gebracht hat, dem traut man auch eine Menge „Gehirnschmalz“ zu.

In der Tat zeigen Barsche ein ziemlich vielfältiges Verhalten, von denen eines besonders auffällig ist: Neugier!

Alles, was ungewöhnlich ist in ihrem Revier, wird zuerst einmal untersucht. Natürlich vor allem in Hinblick auf seine Fressbarkeit. Das ist zwar bei einem Raubfisch nicht ungewöhnlich, aber anders als z. B. der Hecht, untersucht ein Barsch den Gegenstand seiner Neugierde: Er schwimmt zu dem Objekt und behält es eine Weile genau im Auge, auch, wenn es sich nicht bewegt. Ein Hecht reagiert zwar auch auf einen ungewöhnlichen Reiz, doch ist der Handlungsablauf ein anderer. Vor allem verliert dieser Raubfisch schnell das Interesse an reglosen Dingen. Barsche dagegen verharren oft genau über dem Gegenstand, sei es ein Wurm, ein Blinker oder ein Stück Teig. Die leiseste Bewegung der vermeintlichen Beute und er packt zu. Wenn das Objekt seiner Neugierde auffällig bunt ist, schnappt der Barsch auch danach, wenn es sich nicht bewegt. So kommt es, dass oft Barsche auf Mais gefangen werden…

Barsche sind auch in der Lage, zu lernen. Das können auch andere Fische, aber bei Barschen kann man beobachten, dass sie Erlerntes auch viel länger behalten:

Wer Barsche im Aquarium hält, wird feststellen, dass sie nach einiger Zeit den Vorgängen außerhalb des Beckens eine Menge Aufmerksamkeit entgegen bringen. Sie sind sogar in der Lage, so etwas wie eine persönliche Beziehung zu dem Pfleger einzugehen. Versuche dazu führte ich selbst durch. Zwar geht – wie bei allen Fischen – die Liebe durch den Magen, sprich: Mit regelmäßigem Füttern zu bestimmten Zeiten kann man sie an sich gewöhnen, doch habe ich beobachtet, dass der Barsch gegenüber anderen Menschen als denen aus der Familie ziemlich „fremdelte“. Während er sich von mir sogar berühren ließ, waren ihm andere Personen ziemlich suspekt, und er verzog sich in die hinterste Ecke des Aquariums.

Andererseits konnte man beobachten, dass er sich schon mal förmlich „die Nase platt drückte“, wenn in der Wohnung viel los war, etwa bei einer Feier mit vielen Menschen. Nun sind das sehr subjektive Eindrücke, aber „irgendwas“ ging da in seinem Gehirn vor. Sehr objektiv kann man aber das Lernverhalten untersuchen:

Barsche sind als Raubfische sehr aktiv, und alles, was ins Aquarium fiel, wurde erst mal auf Fressbarkeit untersucht. Dabei brauchte der Barsch selten mehr als 3 Versuche, um einen echten, von einem künstlichen Wurm zu unterscheiden.

Im freien Gewässer zeigen Barsche ebenfalls intelligente Leistungen, wenn sie im Rudel koordiniert Kleinfische jagen.

Fluss Barsch
Fluss-Barsche sind in gewissen Grenzen salzwassertolerant. In vielen Ostseehäfen findet man Flussbarsche. Dieser hier stammt aus der Schlei und wurde in Kappeln gefangen.

Fortpflanzung und Alter
Flussbarsche laichen in der Zeit von März bis Juni, abhängig von der Wassertemperatur, die optimal zwischen 7° C und 8°C liegen sollte. Die Weibchen, dann gut erkennbar an dem mächtig angeschwollenen Bauch, laichen bis zu 200.000 Eier/kg Körpergewicht an Steinen oder Wasserpflanzen ab. Die Eier sind in so genannte Laichbänder eingehüllt, die um das Substrat gewickelt werden. Die Larven schlüpfen nach 2 bis 3 Wochen. Jungbarsche versammeln sich zu größeren Schwärmen, und je älter die Barsche werden, desto kleiner sind die Trupps, in denen sie jagen. Große, alte Barsche sind Einzelgänger. Die Fische wachsen sehr langsam und werden ungewöhnlich alt: 30 bis 40 cm lange Fische sind etwa 15 Jahre alt!

Über die Endgröße, die ein Barsch erreichen kann, kursieren die unglaublichsten Geschichten. Verbürgt sind Fische bis 59 cm. Aber alles, was darüber hinaus geht, dürfte Anglerlatein sein.

Überhaupt scheint der Barsch ein Fisch zu sein, der größen- und gewichtsmäßig oft überschätzt wird: Ein 40 cm langer Barsch sieht größer aus (s. „Stiernacken“) und wird regelmäßig mit einem Gewicht weit über 3 Pfund geschätzt. In Wirklichkeit wiegt so ein Fisch gerade mal um die 2 Pfund. Ein 54 cm langer Barsch von genau 2400 g wurde bei Tests immer weit überhöht (bis 3500 g) geschätzt.

Wirtschaftliche Bedeutung
Eine wirtschaftliche Bedeutung hat der Barsch – außer bei Anglern – nur in Gewässern, in denen er in nennenswerter Zahl großwüchsiger Tiere vorkommt. So z. B. im Bodensee, wo er neben dem Felchen der wichtigste Fisch ist. In der Schweiz beträgt der Jahresfang ca. 2.000 t, in Finnland sogar 8.000 t.

Der grätenarme Fisch kommt meist als „Egli-Filet“ oder auch geräuchert in den Handel. Wie auch immer man den Barsch zubereitet – er ist immer ein Genuss und straft den Spruch am Anfang des Beitrags Lügen.



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