Aal

Aal (Europäischer Flussal), (Anguilla anguilla L.)

Klasse: Fische (Pisces)
Familie: Aale (Anguillidae)

Autor: Thomas Pruß
Dokument: TP 00001
Alle Fotos: AngelWoche/Thomas Pruß

Portrait eines Blankaals: Blankaale zeichnen sich durch eine düstergraue bis schwarze Oberseite und silbrigen Bauch aus. Außerdem sind die Augen stark vergrößert. Dieser Blankaal wurde in der Eider, Schlesw.-Holstein, mit der Angel gefangen – eine Seltenheit, da Blankaale eigentlich nicht mehr fressen. Allerdings waren bei diesem Tiere die Verdauungsorgane noch vorhanden. Länge des Aals: 55 cm ► mehr Fische


Der Aal: Wohlbekannt und doch geheimnisvoll

Der Aal ist immer noch ein geheimnisumwitterter Fisch, obwohl er schon seit Jahrhunderten erforscht wird.

Die reinen Fakten klingen ganz klar:
Aal (Europäischer Flussal), (Anguilla anguilla L.), Familie: Anguillidae, schlangenförmiger Fisch mit Brust- aber ohne Bauchflossen. Rücken-, Schwanz- und Afterflossen bilden einen durchgehenden Flossensaum entlang der hinteren Körperhälfte. Die Weibchen werden zwischen 60 cm und 1,30 m lang und bis zu 6 kg schwer, männliche Aale bleiben wesentlich kleiner, höchstens 60 cm.

Verwandte: Amerikanischer Flussaal (A. rostrata), Meeraal (Conger) (Conger conger), Muränen (Murenidae), pazifische Aale usw.

Der Aal lebt als Bodenfisch im Süßwasser europäischer Gewässer, mit Ausnahme der Gewässer, die über die Donau ins Schwarze Meer entwässern. Hier wurde er durch Besatz eingeführt. Außerdem kommt er in Nord- und Ostsee vor. Er ist ein Raubfisch, und seine Nahrung umfasst ein großes Spektrum von Würmern über Wasserinsekten, Schnecken, Krebsen, bis hin zu Fischen.

Die Sinnesleistungen des Aals sind, je nach dem, welchen Sinn man betrachtet, phänomenal bis dürftig:

Der Gesichtsinn des Aals ist sehr schlecht ausgeprägt. Aale sehen nur schwarzweiß, und das Bild dürfte auch bei etwas über 6.000 Stäbchen/Quadratmillimeter Netzhaut nicht besonders scharf sein. Dagegen ist ihr Geruch- und Geschmacksinn über alle Maßen entwickelt: Die Fische sind zu stereoskopischem Riechen fähig. Ihre Nasenöffnungen sind zwei kleine Röhrchen, mit denen sie die Richtung, aus der Geruch und Geschmack kommen, sehr genau orten können. Versuche mit Rosenwasser, einem Stoff, den Aale nicht mögen, zeigten, dass sie in der Lage sind einen Tropfen davon, verdünnt mit der 25-fachen Wassermenge des Bodensees, wahrzunehmen. Aale können also einzelne Moleküle riechen. Damit ist ihr Geruchssinn um etliche Größenordnungen besser als der von Hunden!

Das Seitenlinienorgan, mit dem Aale wie auch andere Fische Erschütterungen und Strömungen „sehen“, ist ebenfalls sehr hoch entwickelt.

Aal mit Fisch

Aale sind Raubfische. Doch je nachdem, ob sie sich mehr auf Kleinorganismen wie Krebschen, Würmer oder Insektenlarven oder auf Fisch spezialisiert haben, entwickeln sich verschiedene Formen: Spitz- und Breitkopfaal. Dieser „Breitkopf“ wurde mit einem Köderfisch (Rotauge) gefangen

Wo kommen die Aale her?
Aber schon bei der Frage der Fortpflanzung wird’s geheimnisvoll: Bekannt ist, dass sich die Aale als so genannte „Blankaale“ in stürmischen Herbstnächten auf den Weg ins Meer machen. Sie lassen sich, meist s-förmig gekrümmt, mit der Hauptströmung des Flusses treiben. Im Meer angekommen, machen sie sich auf den Weg in die gut 6.000 km entfernte Sargasso-See, einem Seegebiet im Westatlantik. Somit gehört der Aal zu den katadromen Wanderfischen, die im Süßwasser leben und im Meer laichen (Fische, die den umgekehrten Weg gehen wie Lachs und Stör, nennt man „anadrom“).

Der Hinweis, dass die Sargasso-See das Laichgebiet der Aale ist, beruht einzig auf Indizien, denn noch nie wurden hier laichreife oder gar laichende Aale gesichtet. Allerdings hat man hier die allerjüngsten Aallarven gefunden. Und da die Sargasso-See ein strömungsarmes Gebiet ist, das von verschiedenen Meeresströmungen, darunter dem Golfstrom, umfasst wird, ist es unwahrscheinlich, dass die Larven von anderen Orten hierher gespült wurden.

Man nimmt an, dass sich die Tiere nach einer halbjährigen Wanderschaft dort in Tiefen bis 500 m und Wassertemperaturen um 19° C fortpflanzen. Die Alttiere sterben nach dem Laichen. Das ist auch kein Wunder, denn die Fische bilden auf ihrer Wanderschaft bereits in den Flüssen ihr Verdauungssystem zu Gunsten der Geschlechtsorgane vollkommen zurück.

The long way home

Die Aallarven nennt man Weidenblattlarven, eben, weil sie die Form eines Weidenblatts haben. Da sie im Aussehen so gar nicht zu der späteren Körperform der Aale passen, hielt man sie lange für eine eigene Fischart (Leptocephalus brevirostris).

Die Aallarven wandern über einen Zeitraum von ca. 3 Jahren zurück an die europäische Küste. Dabei nutzen sie den Golfstrom. Dachte man früher, die Aallarven ließen sich einfach treiben, weiß man heute, dass sie auch aktiv schwimmen.

Die Larven des Amerikanischen Aals (Anguilla rostrata), dessen Lebenszyklus unserem Aal gleicht, und dessen Laichgebiet sich mit dem unseres Aals überschneidet, schwimmen an die nordamerikanische Küste.

Die Weidenblattlarven sind ca. 7 cm lang, wenn sie die Küste erreichen, und auf einen immer noch unbekannten Auslösereiz hin, wandeln sie sich innerhalb von 24 Stunden in die typische Aalgestalt um. Sie heißen dann „Glasaale“, weil sie durchsichtig sind. Als solche dringen sie in die Flussmündungen vor. Im Brackwasserbereich müssen sie noch etwas ausharren, damit sich ihr Stoffwechsel von Salz- auf Süßwasserbetrieb umstellen kann. Allerdings bleiben nicht wenige Aale im Meer, vor allem in der Nord- und Ostsee.

Die Aale erreichen unsere Küste im Februar (Ostsee im Mai), die Küsten Frankreichs und Großbritanniens im September des Vorjahres.

Die in die Flüsse einschwimmenden Aale nennt man „Steigaale“. Sie sind recht zerbrechlich aussehende Lebewesen, die aber einen unstillbaren Wanderdrang haben. Egal, was sich ihnen in den Weg stellt, es wird überwunden. Selbst den Rheinfall in Schaffhausen übersteigen sie und gelangen so in den Bodensee und seine Zuflüsse.

Allerdings sind es meistens die Weibchen, die so weit die Flüsse hochsteigen. Die männlichen Aale bleiben in Küstennähe und im Brackwasser. Ein Grund, weshalb Angler in Norddeutschland relativ selten „Wasserschlangen“ von über 80 cm Länge fangen.

Der Zug der „Steigaale“ ist beeindruckend: In einem mehrerern Meter breiten Band ziehen sie in der Dunkelheit entlang der Flussufer, so dass man sie mit bloßen Händen schöpfen kann. Tagsüber verbergen sie sich allerdings im Tiefen.

Aal bei Nacht
Aal auf der nächtlichen Jagd im Flachwasser.

Landgang

Es war den Leuten oft ein Rätsel, wie Aale in abgeschlossene Gewässer gelangen können. Des Rätsels Lösung: Die Fische können ihr Element verlassen und recht behände über Land kriechen, wenn es nur feucht genug ist. Dass sie dabei aber Erbsenfelder aufsuchen, um sich dort an den Erbsen zu mästen, ist eine Fabel. Aale sind, wie gesagt, Raubfische!

Die Zukunft des Aals

Der Aal ist ein sehr beliebter Speise- und Angelfisch, und so ist es kein Wunder, dass er überall besetzt wurde und wird.

Aber wie lange noch? Früher wurden in den Aalfangstationen, z. B. an der Ems, tonnenweise Glasaale eingefangen und als Besatz vertrieben. In den letzten 20 Jahren aber ist das Aufkommen der Glasaale dramatisch bis auf wenige Kilogramm zurückgegangen. Intensive Forschungen dazu zeigen eine ganze Reihe von Einflüssen auf, die sich sehr negativ auf den Aalbestand auswirken:

• Wegfang und Export der Glasaale nach Fernost
• Wegfang der Glasaale und Verarbeitung als Fischkonserve
• Befall mit dem Schwimmblasenwurm
• Gewässerverschmutzung
• Gewässerverbauung

Export der Glasaale

Obwohl der Aal ein überaus beliebter Speisefisch ist, ist es trotz jahrelanger, intensiver Bemühungen immer noch nicht gelungen, Aale zu züchten. Zwar haben japanische und dänische Forscher Aale bis zum Weidenblattstadium erbrüten können, doch die Larven verhungerten, weil man immer noch nicht weiß, wovon sie sich ernähren.

Deshalb kann man Aale in Aquakulturen nur mästen. Die meisten Glasaale werden an der französischen Atlantikküste in der Girondemündung gefangen. Japanische und chinesische Händler zahlen fast jeden Preis für die jungen Aale, die dann nach Fernost exportiert und dort gemästet werden. Logisch, dass diese Aale dem Vermehrungszyklus auf immer verloren gehen.

Zwar gibt es mehrere pazifische Aal-Arten, aber die Fischereiflotten der Japaner und Chinesen haben diese Aale an den Rand des Aussterbens gebracht, so dass sich eine Fischerei auf sie nicht mehr lohnt. Stattdessen kaufen sie die europäischen Aale auf.

Auch der Wegfang der Glasaale und die Verarbeitung zu Fischkonserven vor allem in Frankreich, Portugal und Spanien, trägt zur Dezimierung bei.

Strengere Kontrollen und Gesetze sollen aber diesem „Missbrauch“ einen Riegel vorschieben. Wann die aber greifen, steht noch nicht fest!

Ein Aal aus dem Hamburger Hafen. Elbaale waren jahrelang so verseucht mit chlororganischen Verbindungen und Schwermetallen, dass ihr Verkauf zum Verzehr verboten war. Mittlerweile aber sind die Schadstoffwerte in diesen Fettfischen so weit gesunken, dass sie wieder verkauft und verzehrt werden dürfen.

Befall mit dem Schwimmblasenwurm
Der Schwimmblasenwurm (Anguillicola) ist ein aus Asien eingeschleppter Parasit, der in der Schwimmblase des Aals schmarotzt und sie schädigt. So lange der Aal sein bis zu 12 Jahre währendes Dasein im Süßwasser fristet, spielt die Schwimmblase für ihn eine eher untergeordnete Rolle, denn er ist ja ein Bodenfisch. Während seiner Rückwanderung in die Sargassosee aber braucht er seine Schwimmblase dringend, um sich kräfteschonend im Wasser zu tarieren. Aale führen nämlich ausgeprägte tagesperiodische Vertikalwanderungen durch, d. h. tagsüber schwimmen sie in bis zu 500 m Tiefe, nachts aber nahe der Oberfläche. Und mit einer vorgeschädigten Schwimmblase kann sich der Fisch in so unterschiedlichen Tiefen nur mit erheblichem Mehraufwand an Kraft bewegen. Da er nichts mehr frisst, sondern nur noch von seinen enormen Fettreserven lebt, fehlen im gerade diese zur Bildung der Geschlechtsprodukte. Manche Forscher nehmen auch an, dass es diese Schwimmblasenwurm-geschädigten Aale gar nicht mehr bis in das Laichgebiet schaffen und vorher sterben.

Gewässerverschmutzung
Aale zeichnen sich durch eine geradezu beängstigende Zähigkeit und Überlebensfähigkeit aus, weshalb sie auch in stark verschmutzten Gewässer überleben. Leider ist ihre große Stärke auch ihre größte Schwäche: In ihr Fettgewebe lagern sie große Mengen an chlororganischen Substanzen ein, in ihre Knochen Schwermetalle. Und darunter sind auch viele mutagene (erbschädigende) Stoffe. Diese Schadstoffe werden beim Umbau des Körpers und während der Reise frei und vergiften den Aal förmlich. Eine Folge davon: Die Fruchtbarkeit sinkt drastisch, weil Eier und Spermien geschädigt sind.

Zwar sind unsere Flüsse immer sauberer geworden, doch reichern sich die Schadstoffe über die Nahrungskette weiterhin im Fisch an, da sie ja nicht vollständig verschwunden sind.

Gewässerverbauung
Man sollte es nicht glauben, aber selbst einem so flexiblen Fisch wie dem Aal, der in der Lage ist, senkrechte Betonwehre zu überwinden und der über Land gehen kann, wird durch die Gewässerverbauung nachhaltig im Bestand bedroht. Das Problem sind die zahlreichen Wasserkraftwerke: Da die Aale sich auf ihrer Rückreise ins Meer von der Strömung treiben lassen, landen sie unweigerlich in den Turbinen der Kraftwerke, wo sie zerschnetzelt werden. Der Blutzoll ist ungeheuer hoch, und Schätzungen von Fachleuten, z. B. der IG Lahn (www.iglahn.de), gehen davon aus, dass kein Blankaal aus der Lahn jemals lebend das Meer erreicht.

Leider unternimmt die rot-grüne Bundesregierung überhaupt nichts gegen dieses Massensterben im Herbst, da die Wasserkraft als politisch korrekte Form der Energiegewinnung gilt.

Die Zukunft des Aals in Europa sieht also eher düster aus, wenn es nicht gelingt, die größten menschengemachten Missstände zu beseitigen. Die traditionelle Fischerei mit Reusen und Hamen sowie die Angelei haben dem Aalbestand jedenfalls nie geschadet.

Quellen:
Die Süßwasserfische Europas, Kosmos-Verlag; Archiv der „AngelWoche“



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Aal

Natur-Lexikon.com