Kolkrabe

Kolkrabe (Corvus corax L. 1758)

Familie: Krähen (Corvidae)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)
Klasse: Vögel (Aves)

Autor: Sascha Rösner
Mail: info@Kolkraben.de

Website : www.fotonatur.de

Dokument: SAR 00001
Alle Fotos: Sönke Morsch

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Kolkraben sind etwa bussardgroß (ca. 65 cm Länge und ca. 1,3 kg Gewicht) und damit die größten Vertreter sowohl der Sing- wie auch der Rabenvögel. Neben dem markanten Stimmrepertoire ist der keilförmige Schwanz im Flug ein gutes Bestimmungsmerkmal. Die Art ist in nahezu der gesamten Holarktis verbreitet und brütet in einer Vielzahl verschiedener Habitate: von arktischen Küsten Grönlands über boreale und nemorale Wälder bis hin zu Kulturlandschaften, Hochgebirgsregionen und Wüstengebieten. Diese weite Verbreitung zeigt allerdings in Mitteleuropa und Nordamerika aufgrund menschlicher Verfolgung große Lücken.

Kolkrabe im Flug

Der Kolkrabe Corvus corax genießt nicht nur aus wissenschaftlich/biologischer Sicht einen hohen Bekanntheitsgrad, sondern auch durch seine Rolle in zahlreichen Sagen, Märchen und verschiedenen Religionen und Mythen. Diese kann wohl auf seine außergewöhnliche Intelligenz und Verhaltensweisen zurückgeführt werden.

Kolkrabe mit Ei

Territoriale, adulte Kolkraben sind Standvögel, die sich das ganze Jahr über im Brutrevier aufhalten und mit einem Partner in monogamer Dauerehe Leben (Maximalalter um 25-30 Jahre). Die Revierdichte hängt dabei entweder vom Nistplatzangebot oder der zur Verfügung stehenden Nahrung ab. In Kontinentaleuropa liegt sie selten über 3-4 Paaren/100 km2, obwohl bspw. aus Brandenburg Ausnahmen von bis zu 22 Paaren/100 km2 bekannt sind. Die Nester werden dabei opportunistisch auf Felsen und Bäumen (in Deutschland meist Buche oder Kiefer), seltener auf Hochspannungsmasten oder Gebäuden angelegt. Die Wahl des Neststandortes unterscheidet sich regional und ist u.a. traditionsbedingt.

Kolkrabe am Boden

Die Brutsaison beginnt sehr früh im Jahr (Februar, März), so dass die bis zu sieben Jungvögel pro Nest schon im April/Mai flügge werden. Im Spätsommer lösen sich die Familienverbände gewöhnlich auf und die Jungvögel ziehen in lockeren Nichtbrürterschwärmen von bis zu mehreren hundert Tieren umher. Diese konzentrieren sich vor allem an gemeinschaftlichen Schlaf- und Futterplätzen. Jungtiere verbleiben in der Regel einige Jahre in diesen Nichtbrüterverbänden, welche als „Brutreserve“ fungieren: sobald ein Territorium frei wird oder ein Partner eines Paares stirbt, werden aus ihr neue Brutvögel rekrutiert.

Kolkrabe Gruppe

Das Nahrungsspektrum ist entsprechend den Habitaten extrem vielseitig. Kolkraben sind omnivor und fressen opportunistisch alles, was sie finden und erbeuten können. In Gewöllen findet man neben Pflanzenmaterial meist Überreste von erbeuteten Kleinsäugern, Insekten, Jungvögel und Amphibien. Wo verfügbar -vor allem in Naturlandschaften und bei extensiver Weideviehhaltung- ist jedoch Aas der wesentlicher Bestandteil in der Ernährung der Tiere. Raben sind hochgradig auf das Auffinden von Kadavern spezialisiert und werden deshalb oft als die „Geier des Nordens“ bezeichnet. Die Tatsache, dass Kolkraben geschlossene Waldgebiete in Mitteleuropa überwiegend meiden, kann auf das geringe Aasangebot dieser Wälder zurückgeführt werden. Insbesondere zu Beginn der Brutsaison wenn andere Ressourcen knapp sind und das Nahrungsangebot einen entscheidenden Faktor für den Reproduktionserfolg der Tiere darstellt, kann die Verfügbarkeit von Aas bedeutend sein.

Nachstellungen durch Abschuss, Schlagfallen, Giftköder u.ä. dezimierten die Kolkraben-Populationen in Mitteleuropa massiv. Von den einen als intelligenter Zeitgenosse geliebt und geachtet, von den anderen als "Pestvogel" gehasst. Tausendfach vergiftet, abgeschossen oder erschlagen, schreiben viele Rabenvogelarten in Europa eine "schwarze Geschichte". Den Corviden wurde zu Beginn des 19ten Jahrhunderts sehr vehement nachgestellt. Neben Tellereisen kamen Gifte wie Strychnin und Glucochloral (HAVELKE & RUGE 1988) zum Einsatz, so dass der Kolkrabe Corvus corax durch massive Verfolgung in weiten Teilen Mitteleuropas ausgerottet wurde. In den Niederlanden setzte um 1900 ein starker Rückgang ein, welche zum vollständigen Verschwinden der Art im Jahre 1927 führte (NIETHAMMER 1963). In Belgien brütete er letztmals 1919 und in Luxemburg verschwand er schon Ausgang des 18ten Jahrhunderts (NIETHAMMER 1963).

In Deutschland kamen Raben nach NIETHAMMER (1963) einst in allen größeren Waldgebieten als Brutvogel vor. Mitte des 18ten Jahrhunderts war ein Absinken der Bestandsgrößen zu verzeichnen. Um die Jahrhundertwende fehlte der Rabe bereits in Baden-Württemberg, Hamburg, in der Pfalz, in Sachsen, Schlesien, Thüringen und Westfalen als Brutvogel (NIETHAMMER 1963). Mitte des 19ten Jahrhunderts war der Kolkrabe im westlichen Mitteleuropa ausgerottet!

Letzte Refugien lagen im norddeutschen Raum, in Polen sowie in der Alpenregion (NIETHAMMER 1963). Erst nach Beendigung der aggressiven Verfolgung durch den Menschen und anfängliche Schutzbemühungen expandierte der Kolkrabe wieder in Richtung seiner ehemaligen und angestammten Verbreitungsgebiete. Die Wiederbesiedlung wurde genährt von den Teilpopulationen der Rückzugsgebiete. Teilweise fanden Wiedereinbürgerungen statt (Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Saarland).

Obwohl der Kolkrabe bereits seit einigen Jahrzehnten wieder in der Ausbreitung begriffen ist, ist bis dato noch nicht das gesamte ehemalige Verbreitungsgebiet wiederbesiedelt. Die Wiedereroberung der ehemaligen Brutgebiete ist bis heute nicht abgeschlossen. In einigen deutschen Bundesländern (Schleswig-Holstein, Mecklenburg Vorpommern) ist er jedoch wieder nahezu flächendeckend als Brutvogel vertreten.

Heute können in weiten Teilen Mitteleuropas wieder Kolkraben beobachtet werden. Nur durch verständnisvollen Umgang mit diesen faszinierenden Großvögeln kann sich diese Art in Mitteleuropa wieder langfristig etablieren.

Weitere Informationen über die Ökologie der Raben und deren Wiederbesiedlung Mitteleuropas finden sich unter http://www.Kolkraben.de

Empfohlene Literatur:
Glandt, D. (2003): Der Kolkrabe – Der schwarze Geselle kehrt zurück. – Sammlung Vogelkunde im AULA Verlag. ISBN 3-89104-6707



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