Andorn

Gemeiner Andorn (Marrubium vulgare)
syn. Weißer Andorn, Weißer Dorant

Gattung: Andorn (Marrubiuma)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00333

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Siehe auch: Arzneipflanzen Giftpflanzen


Der Gemeine Andorn ist in ganz Europa, Nordafrika und Westasien verbreitet, allerdings in Mitteleuropa nur sehr selten bis zerstreut vorkommend. Ursprünglich ist er in Südeuropa und den Gebieten rund um das Mittelmeer heimisch; ähnlich wie z.B. der Thymian, Lavendel, Rosmarin oder Salbei.

Er benötigt stickstoffreichen, sandigen bis steinigen Lehm- oder Tonboden in warmen, sonnigen Lagen. Man findet ihn auf Ödland, trockenen Weiden und Hängen, an Wegrändern, Unkrautfluren und Schuttplätzen.

Der Gemeiner Andorn ist vom Aussterben bedroht und gesetzlich geschützt. Er wurde früher als Arzneipflanze angebaut, seitdem dies nicht oder kaum mehr geschieht und entsprechend wenig Pflanzen auswildern, wird sie zunehmend seltener.

Es handelt sich um eine mehrjährige, 30 – 70 cm hohe, krautige Pflanze, welche graufilzig dicht behaart ist. Der aufsteigende oder aufrechte, 4-kantige Stängel ist, besonders im unteren Abschnitt, jung dicht behaart, später mäßig behaart. Im unteren Bereich verzweigt der Stängel in nicht blühende Triebe.

Die rundlich bis herzförmigen, runzeligen, unregelmäßig gezähnten oder gekerbten,  1 – 4 cm lang gestielten, gegenständigen Stängelblätter sind etwa 2 – 4 cm lang und 1 – 3 cm breit, unterseits jung dicht und später schütter behaart. Die Blattnerven treten auf der Blattunterseite deutlich hervor.

Andorn Einzelblüte

Der Gemeine Andorn strömt einen intensiv thymianähnlichen Geruch aus und besitzt einen stark bitteren Geschmack. Dadurch wird der vom Weidevieh meist gemieden.

Die weißen, etwa 1,5 cm langen, kurz gestielten Lippenblüten stehen in dichten, kugeligen Scheinquirlen von 2 – 3 cm Durchmesser in den oberen Blattachseln. Sie bilden so eine kräftige, beblätterte Scheinähre.

Die weiße, dicht sternhaarige, zweilippige  Blütenkrone ist 5 – 7 mm lang und überragt den Kelch. Die zweiteilige, flache Oberlippe ist nach oben gebogen. Die dreiteilige Unterlippe besitzt zwei kleine Seitenlappen und einen größeren Mittellappen. Der stark wollig behaarte, etwa 5 mm lange, röhrige Kelch besitzt zur Fruchtzeit 10 krallenartig zurückgewandte Zähne. Die kurz gestielten  Tragblätter sind etwa so lang, wie die am Ende dicht behaarte Kelchröhre. Die Staubfäden und Griffel sind in der Kronröhre eingeschlossen und nicht sichtbar.

Die Nussfrüchtchen besitzen eine glatte Oberfläche und enthalten etwa 2 mm lange Teilfrüchte.

Der Weiße Andorn besitzt eine kräftige Pfahlwurzel.

Andorn Habitus

Gemeiner Andorn als Arzneipflanze
Der Andorn ist eine schon sehr lange genutzte Arzneipflanze. Arzneilich genutzt wird das zur Blütezeit gesammelte, getrocknete Andornkraut (Herba marrubii) die Blätter und blühenden Spitzen. Er enthält Gerbstoffe, Flavonoide, diverse ätherische Öle, viele mineralische Bestandteile und den Bitterstoff Marrubiin. Marrubiin entspricht in seiner Wirkung in etwa den Enzian-Bitterstoffen.

Er dient  vor allem als Bittermittel für die Anregung der Pankreas- und Gallensekretion und regt dabei reflektorisch die Verdauungssäfte an. Daher auch die Anwendung als Choleretikum bei dyspeptischen Beschwerden, Blähungen und Krämpfen im Verdauungsbereich. Zudem wird er gegen Bronchitis und Husten eingesetzt. Äußerlich wird er auch gegen entzündliche Wunden genutzt.

Typischerweise wird er als Tee zubereitet. Dazu werden 1 – 2 Gramm Andornkraut mit heißem Wasser übergossen und etwa 10 min ziehen gelassen. Am Tag etwa 2 – 3 Tassen trinken.

Homöopathisch wird der Andorn bei Atemwegserkrankungen eingesetzt.

Andorn zählt zu den ältesten bekannten Arzneipflanzen.

Andorn Blütenstand

Gemeiner Andorn als Giftpflanze
Der Gemeine Andorn ist eine schwach giftige Pflanze, wobei alle Pflanzenteile giftig sind. Hauptinhaltstoffe sind die Diterpenoide Marrubin und Marrubenol, Betonicin und Cholin.

Andorn löst verstärke Sekretion der Atemwege aus; in hohen Dosen kann er Herzrhythmusstörungen erzeugen.

Bei Vergiftungsfällen Erbrechen auslösen und Kohlepulver geben. Bei sehr starken Vergiftungen muss in der Klinik Atropin gegen die Herzrhythmusstörungen gegeben werden.

ganze Pflanze Andorn



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Gemeiner Andorn

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