Wilde Malve

Wilde Malve (Malva sylvestris syn. Malva vulgaris)
syn. Algier-Malve, Große Käsepappel, Roßpappel, Gänsemalve

Gattung: Malve (Malva)
Familie: Malvengewächse (Malvaceae)
O
rdnung: Malvenartige (Malvales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00325

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Siehe auch: Arzneipflanzen Gartenpflanzen Nutzpflanzen


Die wilde Malve ist in ganz Mittel-, Süd- und Teilen Nordeuropas, Westasien und Nordafrika heimisch.  Als Neophyt ist sie zudem heute fast weltweit anzutreffen. Die Wilde Malve zählt zu den ältesten bekannten Heil- und Nutzpflanzen.

Man findet die Wilde Malve auf Schuttplätzen, an Wegrändern, Trockenwiesen, Trockenwälder, Weinbergen und auf Ödland (Schuttunkrautgesellschaft - Kulturfolger). Sie bevorzugt trockene, nährstoff- und stickstoffreiche Sand- oder Lehmböden in sonniger, geschützter Lage. Die Wilde Malve ist eine Zeigerpflanze für stickstoffhaltige Böden.

In Höhenlagen wächst sie bis etwa 1.800 Meter. Im Tiefland seltener vorkommend.

Sie kommt insgesamt selten bis zerstreut vor. Die Bestände gehen aufgrund von Biotopverlusten zunehmend zurück.

Algier-Malve

Malva sylvestris wird in zwei Unterarten gegliedert:
Malva sylvestris ssp. sylvestris
Eher niederliegende Stängel, im nördlichen Areal heimisch.
Blätter dicht behaart

Malva sylvestris ssp. mauretiana
Mit aufsteigenden Stängeln eher im Mittelmeerraum heimisch.
Blätter fast kahl. Bei uns selten vorkommend, allenfalls aus Kulturen verwildert.

Es handelt sich um eine mehrjährige, krautige Staudenpflanze.

Die niederliegenden oder aufsteigenden, behaarten Stängel sind im unteren Bereich verholzt und etwa 120 - 140 cm lang.

Malve Blütenstand

Die großen, rundlichen, wechselständigen Stängelblätter sind 5 bis 7fach eingeschnitten; die oberen Blätter etwa zu 2/3 handförmig eingeschnitten. Die eiförmigen Blattabschnitt sind gezähnt. Die unteren, herzförmigen Blätter sind grob gezähnt und kaum eingeschnitten. Die Blattstiele sind etwa 3-mal so lang, wie die Blattspreite. Die Malvengewächse sind in der Lage ihre Blätter exakt dem Sonnenverlauf nachzuführen, so dass die Blattspreite immer fast senkrecht zur Sonneneinstrahlung steht.

Die 2 – 4 cm großen, rosavioletten (mit dunklen Streifen - Strichsaftmale) Blüten stehen einzeln oder zu 2 – 6 rispig-doldig in Büscheln in den Blattachseln oder am Ende des Stängels auf 1 – 2 cm langen, behaarten Stielen. Die fünf, etwa 2 cm langen (gelegentlich ungleichen), eiförmigen Blütenblätter sind tief ausgerandet und dunkel geadert, wobei die Adern zum Blattgrund breiter werden und z.T. zusammenlaufen.

Einzelblüte Wilde Malve

Die rötlichen oder bläulichen, stark ausgerandeten, am Grund dicht gewimperte Kronblätter sind knapp 3-mal so lang, wie der bis zur Mitte verwachsene Blütenkelch, welcher aus fünf, 5 – 7 mm langen, grünen Kelchblättern besteht. Die Kelchzipfel sind dreieckig bis eiförmig. Die 3 freien, borstig behaarten Außenkelchblätter sind mit dem Kelch an der Basis verwachsen und zugleich typisches Merkmal aller 30 Malven-Arten. Auf den Kelchblättern finden sich zahlreiche kleine Sternhaare. Zahlreiche Staubblätter, die zu einer etwa 1 cm langen Röhre verwachsen sind. Der oberständige Fruchtknoten besteht aus 9 - 11 Fruchtblättern und bildet eine vielsamige Kapsel, welche jeweils einen Samen je Fach enthält. Die Fruchtsteile sind nicht, wie bei der Weg-Malve (M. neglecta),  abwärts gebogen.

Die wilde Malve blüht zwischen Mai und September. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, wie Fliegen, Wanzen, Bienen, Blattkäfer, Wespen, Schmetterlinge und Hummeln.

Wilde Malve

Die scheibenförmigen, flachen, 9 mm breiten und 2 mm hohen Früchte sind in der Mitte eingesenkt und zerfallen zur Reifezeit in einsamige, scharfrandige, nüßchenartige Teilfrüchte. Diese Form, wie ein Käselaib, hat zu dem Synonymbegriff Käsepappel geführt. Das Wortstück Pappel nimmt nicht auf die Pappel Bezug, sondern auf das Wort Papp und meint die breitartige Konsistenz der Teilfrüchte, welche sich bei Regen breiartig auflösen. Die klebrigen Teilfrüchte können so auch an Tieren kleben bleiben und über weite Strecken verbreitet werden.

Malvensamen weisen eine extrem lange Lebensdauer auf, vereinzelt hat schon mehrere Jahrzehnte alte Samen gefunden, die noch keimfähig waren.

Die fleischigen Pfahlwurzeln wachsen spindelartig.

Habitus Malve

Die Wilde Malve als Arzneipflanze
Arzneilich werden die getrockneten Blüten von Malva sylvestris (Flores malvae) verwendet. Z. T. werden die Blüten auch aus Anbaugebieten im Mittelmeerraum verwendet. Dort wird meist Malva sylvestris ssp. mauritiana (syn. Malva mauritiana) angebaut, welche als Unterart zu Malva sylvestris verstanden wird (s.o.). Die Blüten sind geruchslos und von schleimigen Geschmack.

Die Blätter (Flora malvae) werden eher selten als Tee, aber bei ähnlichen Einsatzgebieten, genutzt.

Schleimstoffe sind die wichtigsten Inhaltstoffe der Wilden Malve. Schleimstoffe sind Gemische von Heteropolysacchariden, welche mit Wasser visköse Lösungen bis zu Gallerten bilden können. Bei Hydrolyse bilden sich u.a. Arabinose, Glucose, Rhamnose, Galactose und Galacturonsäure.  Neben den Schleimstoffen finden sich noch Gerbstoffe und Flavonoide z.B. Anthocyan. Die Anthocyane besitzen kräftige Farben und schlagen je nach Säuregehalt in Flüssigkeiten von rosa über violett zu blau um.

Die Wilde Malve ist eine alte Heilpflanze, die bereits seit vielen tausenden Jahren genutzt wird.

Algier-Malve

Zubereitungen aus Malvenblüten wirken reizlindernd in den Atemwegen, aber auch bei Schleimhautentzündungen von Magen und Darm. Sie finden sich oft in Teemischungen gegen Erkältungserkrankungen. Als Gurgelmittel wird es bei Schleimhautentzündungen von Mund und Rachen genutzt. Auch Fertigarzneimitteln werden Malvenblüten vor allem gegen Hustenreiz genutzt. Als Umschläge können Malvenzubereitungen äußerlich bei Ekzemen, offenen Wunden und Geschwüren verwendet werden.

Zudem wird sie gern als Schmuckdroge in Teemischungen eingesetzt.

Nicht verwechselt werden sollte die Wilde Malve mit der „Afrikanischen Malve“, die im Lebensmittelbereich unter Malve geführt wird. Hierbei handelt es sich um Hibiscus-sabdariffa Blüten.

Die Blüten werden aufgrund ihres Anthocyan-Gehaltes auch zum Färben von Lebensmitteln genutzt.

Neben M.sylvestris wird auch M. neglecta wie oben beschrieben genutzt, aber nicht angebaut.

Zubereitungen aus Wilder Malve können entweder als Tee mit 5 – 10 min Zugzeit oder als Kaltauszug über  5 – 10 Stunden zubereitet werden.

Die Wilde Malve als Gartenpflanze
Die Wilde Malve hat einen mittleren bis hohen Nährstoffbedarf, benötigt aber nur mäßige Wässerung. Sie bevorzugt einen durchlässigen Boden in sonniger Lage. Bienen und Schmetterlinge werden von ihr angelockt. Sie kann zur Auflockerung in größeren Beeten stehen.

Sie kann im April direkt gesät werden; der Pflanzabstand sollte etwa 50 cm betragen.

Im Handel ist sie mit weißen, rosa-weißen, rosa, violetten oder blauen Blüten erhältlich. Die Blüten der Zuchtformen sind oft deutlich größer, als bei der Wildpflanze.

Blütenmakro Malve



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