Polei-Minze

Polei-Minze (Mentha pulegium syn. Mentha gibraltaica, Pulegium vulgare)
syn. Flohkraut, Hirschminze

Gattung: Minze (Mentha)
Familie:
Lippenblütler (Lamiaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00322

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Siehe auch: Arzneipflanzen Giftpflanzen


Die Polei-Minze ist ursprünglich im Mittelmeerraum, Nordafrika und Süd-West-Asien heimisch. In Mitteleuropa und Nordamerika ist die Pflanze später eingeschleppt worden. Heute ist sie bis nach Norddeutschland verbreitet. 

Sie wächst auf feuchten, nährstoffreichen und kalkarmen Tonböden in sonniger, geschützter Lage. Sie ist eine Zeigerpflanze für feuchte Böden, kann aber auch zwischenzeitliche Trockenphasen gut überstehen. Salzwasser kann sie ertragen. Man findet sie meist an den Ufern stehender Gewässer, Stromtälern oder an Flutmulden. Die Polei-Minze ist eine Konkurrenz schwache, Licht liebende Pflanze, welche zur Verbreitung vegetationsarme Bereiche benötigt.

Sie wird seltener und ist bei uns bedroht bzw. im Bestand gefährdet. Bestehende, seltene Vorkommen sind oft individuenreich.

Poleiminze

Es handelt sich um eine mehrjährige, krautige, oft rot überlaufende Pflanze mit kräftigen Ausläufern und Blättern mit vielen Öldrüsen. Die Ausläufer sind unterirdisch geschuppt und oberirdisch schwach beblättert. Der 20 – 50 cm hohe, oft niederliegende, verzweigte Stängel wächst vierkantig und ist wenig behaart bis kahl.

Die ovalen, kurz gestielten, kahlen oder zerstreut behaarten, kreuzgegenständigen Blätter sind wenig gezähnt oder glattrandig. Die 1 – 3 cm langen und 0,3 bis 1 cm breiten, eiförmigen Blätter sind eng anliegend behaart und  riechen stark aromatisch, so dass die ganze Pflanze einen intensiven Geruch verbreitet.

Blätter Polei-Minze

Die kurz gestielten Blüten stehen in dichten vielblütigen, weit entfernten Scheinquirl-Teilblütenständen (nie ährig) in den Achsen der oberen Blattpaare am Stängel oder an den Zweigen.

Der kurz behaarte, 3 mm lange Kelch ist zweilippig, wobei die Oberlippe mit 3 und die Unterlippe mit 2 Zähnen versehen ist. Die Kelchröhre ist von innen kurz behaart und zur Fruchtzeit durch einen Haarkranz verschlossen.

Die 5 – 7 mm lange, rosa (selten weiße) Blütenkrone ist vierzipfelig. Die Oberlippe der Blütenkrone ist in etwa so groß wie ein einzelner Lappen der dreiteiligen Unterlippe. Alle Zipfel sind abgerundet. Die Kronröhre ist von innen behaart.

Die Polei-Minze blüht zwischen Juli und Oktober. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.

Die glatten 0,6 – 0,8 mm langen Teilfrüchte sind hellbraun.

Die meisten Arten der Gattung Mentha bilden leicht Bastarde, welche zwar oft steril sind, sich aber durch Rhizome weiterverbreiten können.

Blütenstand Polei-Minze

Die Polei-Minze als Arzneipflanze
Arzneiliche Verwendung findet das Kraut (getrocknete oberirdische Teile) der Poleiminze (Herba Pulegii), welches ähnlich wie die Pfefferminze vor allem bei Verdauungsbeschwerden (dyspeptische Beschwerden), sowie Galle- und Leberleiden eingesetzt wird.

Das ätherische Öl mit Pulegon (starker minzartiger Geruch) als Hauptbestandteil, sowie Menthon, Isomenthon und diverse Gerbstoffe, wurde volkstümlich als Menstruations förderndes Mittel eingesetzt; missbräuchlich auch als Abortivum.

Andere abortiv wirkende Pflanzen sind z.B. Petersilie (Inhaltstoff Apiol), Rainfarn, Lebensbaum (Thuja), Muskatnuss, Zimtrinde oder die Gewürznelke.

Das durch Wasserdampfdestillation gewonnene Öl, wirkt auf Haut und Schleimhaut reizend. Nach oraler Aufnahme werden bei der Ausscheidung Harnwege und Genitalsystem gereizt, daher die oben beschriebene Wirkung.

Entsprechend darf die Polei-Minze nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. Bei Dauergebrauch drohen u.a. Leberschäden.

Zudem wird die Polei-Minze zur Aromatisierung von Mundpflegemitteln genutzt.

Das Kraut und Öl wurde früher auch zur Bekämpfung von Ungeziefer verwendet.

Der Name „pulegium“ nimmt Bezug auf das lateinische Wort „pulex = Floh“. Die Polei-Minze wird bei uns auch Flohkraut genannt.

Poleiminze

Die Polei-Minze als Giftpflanze
Im ätherischen Öl der Polei-Minze findet sich das sehr giftige Pulegon, welches in hoher Dosis tödlich wirken kann. Früher wurde Polei-Minzöl auch zu Abtreibungszwecken verwendet, wobei es auch zu Todesfällen durch Überdosierungen gekommen ist. Daher ist die Polei-Minze nur äußerlich anzuwenden!

Zunächst kommt es bei Vergiftungen zu Krämpfen, die später in Lähmungserscheinungen übergehen und zu einem Tod durch Atemstillstand führen können.

Die Polei-Minze als Gartenpflanze
Die Polei-Minze ist eine mehrjährige Staudenpflanze, welche in feuchten, sonnigen Beeten gepflanzt werden kann. Ideal steht sie z.B. an Teichrändern. Durch ihre Ausläufer verbreitet sie sich dort weiter.

Sie ist eigentlich frosthart, wächst aber besser in geschützten Bereichen.

Habitus Polei-Minze



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