Jakobs-Kreuzkraut

Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea)
syn. Jakobs-Greiskraut, Spinnenkraut

Gattung: Kreuzkraut syn. Greiskraut (Senecio)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Ordnung: Korbblütengewächse (Asterales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00319

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Siehe auch: Arzneipflanzen Giftpflanzen


In den letzten Jahren ist in Deutschland das Jakobs-Kreuzkraut als Giftpflanze und Weideunkraut für Weidetiere bekannt geworden, insbesondere da es sich zunehmend ausbreitet. Im Unterschied zu Ambrosia oder dem Riesenbärenklau, ist dass Jakobs-Kreuzkraut jedoch eine einheimische Pflanze.  Es gehört zu einer der größten Gattungen mit mehr als tausend Arten; davon etwa 65 in Europa heimisch. Das Jakobs-Kreuzkraut ist in ganz Europa und Kleinasien, Sibirien und Nordafrika verbreitet. In Nord- und Südamerika inzwischen auch als Neophyt eingebürgert.

Es bevorzugt kalkhaltigen, mäßig nährstoffreichen, lehmig oder steinigen Boden in sonniger Lage. Gern auch gelegentlich feuchten Untergrund. Zu trockene Standorte werden gemieden. Es ist nicht sehr konkurrenzstark und besiedelt daher bevorzugt offene Böden, z.B. auf schlecht gepflegten Weiden mit Trittschäden.

Blüten Jakobs-Kreuzkraut

Man findet es auf Trockenwiesen, lichten Wäldern, Fettwiesen, Schuttplätzen und Wegrändern. Im Tiefland findet man es nur gelegentlich. In Höhenlagen nur selten über 1.000 Meter. Das Jakobs-Kreuzkraut kommt häufig vor und ist nicht im Bestand gefährdet.

Es handelt sich um eine zwei oder mehrjährige, kräftige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 50 cm bis mehr als 100 cm. Im ersten Jahr entwickeln sich nur die Grundblätter in einer Rosette, aus der im zweiten Jahr der Stängel herauswächst. Der aufrechte, kantig-gerillte, ab der Mitte verzweigte Stängel ist wenig behaart und oftmals rot-bräunlich überlaufen.

Die leierförmigen, fiederteiligen (mit großem Endlappen) Grundblätter sind zur Blütezeit meist schon verwelkt. Die wechselständigen, bis nahe an den Mittelnerv fiederspaltigen Stängelblätter sind tief gezähnt und unterseitig wollig behaart. Die schmalen Fiedern stehen fast rechtwinklig ab und sind spitz gezähnt. Die Endfiedern sind deutlich größer, als die Seitenfiedern. Am Blattgrund der mittleren Blätter finden sich kleine, zipfelige Öhrchen. Die oberen Stängelblätter wachsen Stängel umfassend. Zerriebene Blätter verströmen einen unangenehmen Geruch.

Jakobs-Greiskraut

Die intensiv gelben, 1,5 – 2,5 cm großen Blütenkörbchen sind in einer doldenartigen Rispe am Stängelende angeordnet. Etwa 2 – 5 kleine, lineare Außenhüllblätter und 11 – 15 fast doppelt so große Innenhüllblätter. der Boden des Blütenkopfes ist etwas gewölbt. Es fehlen Spreuschuppen und Haare. Die Blütenhülle ist außen meist nur einblättrig. Außen finden sich 11 – 16 (meist 13), gut 8 mm lange, goldgelbe weibliche Zungenblüten und innen etwa 60 - 80, röhrige, gelbe (oft bräunlich verfärbte), zwittrige Scheibenblüten mit fünf verwachsenden Kronblättern, 5 Staubblättern und einem unterständigen Fruchtknoten. Auf dem Fruchtknoten findet sich eine Haarkrone.

Die 2 mm langen, zylindrischen Achänen der Röhrenblüten (einsamige Schließfrüchte) sind deutlich gerippt und besitzen einen zur Fruchtzeit 5 mm langen, einreihigen, weißen Haarschopf, welcher der Windverbreitung dient und später leicht abfällt. Die Früchte der Zungenblüten sind kahl. Die Samen werden über den Wind verbreitet. Die tellerförmigen Samen fliegen dabei etwa 10 bis 50 Meter weit. Eine große Pflanze bildet bis zu 150.000 Samen aus, die gut 20 Jahre überlebensfähig sind. Daher kann sich die Pflanze auf geeigneten Böden schnell verbreiten. Aber auch landwirtschaftliche Maschinen tragen zur Verbreitung bei. Als Lichtkeimer können sie sich gut auf offenen Böden ausbreiten. Findet der Samen keinen offenen Boden, kann er nicht zur Keimung kommen.

Das Jakobs-Kreuzkraut blüht zwischen Juni und Oktober. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. In blütenarmen Gegenden kann das Jakobs-Kreuzkraut als Insektenweide dienen. Der Wurzelstock wächst gerade in die Erde und bildet keine Ausläufer. Bei einer Mähung kann die Pflanze aus den Wurzeln wieder neu austreiben.

Der Name Senecio (=Greis) bzw. Greiskraut bezieht sich auf die weiße Behaarung der Früchte nach der Blüte. Der deutsche Name bezieht sich auf den Blühbeginn, der häufig um den St. Jakobstag (25. Juli) herum liegt.

Das Jakobs-Kreuzkraut kann leicht mit dem Raukenblättrigen Kreuzkraut (S. erucifolius)verwechselt werden, insbesondere da beide gleiche Biotope besiedeln. Sie können anhand der durchgängig behaarten Früchte des Raukenblättrigen Kreuzkrautes erkannt werden. Die Früchte des Jabkobs-Kreuzkrauts sind am Rand unbehaart. Zudem ist der Wurzelstock des Jakobs-Kreuzkrautes nicht kriechend. Eine Bastardisierung der Kreuzkräuter untereinander ist möglich.

Im Frühjahr kann man am Jakobs-Kreuzkraut auffällige gelb-schwarz gestreifte Raupen beobachten. Es handelt sich hier um Raupen des Jakobskrautbären, einer sich auf Kreuzkräuter spezialisierten Schmetterlingsart. Durch das aufgenommene Gift werden diese für Fressfeinde ungenießbar.

Jakobs-Kreuzkraut als Arzneipflanze
Früher wurde das Jakobs-Kreuzkraut volkstümlich als Heilpflanze verwendet, dabei kamen die oberirdischen Teile der blühenden Pflanze zum Einsatz. Es wurde volkstümlich gegen Harndrang, Dysmenorrhoe und rheumatische Beschwerden eingesetzt. In der Homöopathie wurde es auch gegen den Grauen Star genutzt.

Aufgrund der Giftigkeit der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide ist ein medizinischer Einsatz jedoch nicht sinnvoll.

Jakobs-Kreuzkraut als Giftpflanze
Das Jakobs-Kreuzkraut enthält, wie auch alle anderen Vertreter der Gattung, giftige Pyrrolizidinalkaloide, die irreversible Leberschäden verursachen, teratogen (Embryonen schädigend) und genotoxisch (Erbgut verändernd) wirken, sowie Krebs auslösen können. Die giftigen Substanzen finden sich in der gesamten Pflanze, wie auch in Heu und Silage, wo sie sich nicht zersetzen. In den Blüten finden sich die höchsten Giftkonzentrationen.

Hauptgiftstoffe sind Jacobin und Senecionin, welche auch in der Milch von Weidevieh gefunden wurden. Auch Honig aus Jakobs-Kreuzkraut kann Pyrrolizidinalkaloide enthalten! Auch in Getreide (außerhalb Europas ohne Aufsichtsbehörden) wurden schon vereinzelt Samen von Senecio-Arten gefunden bzw. kam es zu großen Vergiftungsfällen.

Blüte Jakobskreuzkraut

Typische Vergiftungserscheinungen bei Weidevieh sind Magen-Darmbeschwerden, Krämpfe, Gewichtsverlust, Koordinierungsstörungen, Bewußtseinstrübung Photosensibilität, schwere Leberschäden bis hin zum Tod der Tiere. Bei Pferden, welche besonders empfindlich auf die Giftstoffe reagieren, wird die Vergiftung auch „Schweinsberger Krankheit“ genannt.

Vergiftungen beim Menschen sind selten. Als Beispiel seien hier verunreinigte Teemischungen im Dauerkonsum genannt. Anfängliche Symptome der Vergiftung sind unspezifisch wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Haarausfall etc.

Zudem kann der Kontakt mit Kreuzkraut-Arten zu starken Kontaktallergien führen.

Das Jakobs-Kreuzkraut wird vom Weidevieh gemieden, daher treten Viehvergiftungen meist nur nach verunreinigter Heuverfütterung auf, wobei Wiederkäuer weniger stark betroffen sind. Diese Problematik wird dadurch verschärft, dass die Giftstoffe im Körper der Tiere akkumulieren bis die tödliche Dosis erreicht ist. Bei 1% Verunreinigung im Heu wäre bei Pferden nach etwa 3 Monaten die tödliche Dosis erreicht. Daher sollten Weiden mit höherem Anteil an Jakobs-Kreuzkraut nicht mehr beweidet werden, sondern bedürfen der aufwendigen Sanierung.

Habitus Jakobs-Kreuzkraut

Das Weidevieh kann die Pflanzen anhand ihrer Bitterstoffe und ihres unangenehmen Geruches erkennen. In jungen Pflanzen finden sich jedoch bereits sehr hohe Konzentrationen von Pyrrolizidinalkaloiden, aber nur wenig Bitterstoffe, so dass junge unerfahrene Weidetiere die schon giftigen Jungpflanzen fressen. Im Heu fehlen auch diese Bitter- und Geruchsstoffe, welche sonst die Tiere davon abhalten das Jakobs-Kreuzkraut zu fressen.

Daher sollte das Jakobs-Kreuzkraut in der Nähe von Weideflächen bekämpft werden. Idealerweise sollten die Pflanzen mechanisch vor der Blüte und mit dem Wurzelstock entfernt werden. Als wichtigste Maßnahme gilt es bestehende Pflanzen am Blühen zu hindern. Ein reines Mähen führt zu einem verstärkten Nachwachsen des Jakobs-Kreuzkrautes und einem massiven Anstieg des Pyrrolizidinalkaloid Gehaltes; zudem muss das Mähgut vernichtet und nicht verfüttert werden. Chemische Verfahren sollten immer nur letztes Mittel sein.

Vorbeugend sollten die Weiden gut gepflegt sein und möglichst keine offenen Bodenstellen aufweisen, auf denen sich das Jakobs-Kreuzkraut ausbreiten könnte. Neue Austreibungen vom Jakobs-Kreuzkraut sollten sofort ausgestochen werden. Hauptkonkurrenzpflanzen des Jakobs-Kreuzkrautes sind Gräser, die entsprechend gesät werden müssen. In vielen Bundesländern wird Jakobs-Kreuzkraut behördlicherseits bekämpft, da es sich in den letzten Jahren sehr stark verbreitet hat.

Im den letzten Jahren wurden Fälle bekannt, wo in einigen Rucola-Salaten Kreuzkraut Reste (Senecio vulgaris) gefunden wurden, woraufhin sehr viele Händler Rucola aus ihrém Sortiment entfernt haben. Auch hier ging es um mögliche Vergiftungen durch Pyrrolizidinalkaloide.

Andere bekannte Pflanzen die Pyrrolizidinalkaloide  enthalten sind z.B. Huflattich, Beinwell und Borretsch.

Blütenstand Jakobs-Kreuzkraut



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