Aufrechtes Fingerkraut

Aufrechtes Fingerkraut (Potentilla erecta syn. Potentilla tormentilla, Tormentilla erecta)
syn. Blutwurz, Ruhrwurz, Tormentillwurzel

Gattung: Fingerkräuter (Potentilla)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00318

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Siehe auch: Arzneipflanzen


Das Aufrechte Fingerkraut ist in Mittel- und Nordeuropa verbreitet.  Zudem findet man es in Nordafrika, Nordamerika und Westsibirien. Es gehört zu der Gattung Potentilla, welche mit 300 Arten weltweit (mit Schwerpunkt Nordhalbkugel) und etwa 75 Arten in Europa vertreten ist. Kalkfreie, nährstoffarme, leicht saure Sand-, Lehm-, oder Torfböden in sonniger Lage werden vom Aufrechten Fingerkraut bevorzugt.

Es besiedelt vorzugsweise nasse oder teilweise trockene Wiesen, Magerrasen, Heidegebiete, lichten Wäldern und Flachmoore. Es ist eine Zeigerpflanze für oberflächliche Bodenversäuerung. Das Aufrechte Fingerkraut kommt häufig, in kleinen Beständen, vor und ist nicht gefährdet.

Blutwurz

Es handelt sich um eine mehrjährige, 10 – 30 cm hohe, krautige Staudenpflanze mit niederliegenden bis schwach bogig aufsteigenden Stängeln. Die niederen Stängel bilden keine eigenen Wurzeln aus. Die Stängel sind wenig verzweigt und dicht beblättert. Die Blätter sind handförmig geteilt. Die dreizähligen, lang gestielten, verkehrt-eiförmigen Grundblätter stehen in einer Rosette. Sie wachsen fiederartig in einem Keil, mit einem abstehenden Endzahn und sind zur Blütezeit meist abgestorben.

Die meist sitzenden, fünfzähligen (3 Blätter und 2 Nebenblätter), wechselständigen Stängelblätter besitzen fingerförmig eingeschnittene, schwach behaarte Nebenblätter. Die verkehrt-lanzettlichen Stängelblätter sind größer als die Grundblätter. Die am Rand grob gezähnten, kaum behaarten, 1 -2 cm langen Teilblättchen sind eiförmig. Die krautigen Nebenblätter sind fingerartig eingeschnitten.

Habitus Aufrechtes Fingerkraut

Die intensiv gelben, etwa 1 cm großen, 4-zähligen (selten 3 oder 5) Blüten stehen einzeln, lang und sehr dünn gestielt, in den Blattachseln und bilden einen sehr lockeren, traubigen Blütenstand. Anhand der Anzahl der Blütenblätter kann man das Aufrechte Fingerkraut sicher von anderen Potentilla-Arten unterscheiden, die alle fünfzählig sind.

Die vier Kronblätter sind mindestens so lang, wie der Kelch. Die Blütenblätter sind verkehrt eiförmig bis herzförmig, flach ausgerandet bis wellig. Vier äußere, lanzettliche und vier innere, knapp dreieckige Kelchblätter vorhanden. Bis zu 20 Staubblätter. 4 – 10 Fruchtblätter auf dem gewölbten Blütenboden, die sich zu einsamigen, kahlen, graubraunen Nüsschen mit Riefen entwickeln, welche über Wind oder Tiere verbreitet werden.

Das Aufrechte Fingerkraut blüht zwischen Mai und September. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, meist Fliegen.

Der knollig-walzenförmige, kräftige, 2 – 3 cm dicke Wurzelstock ist kopfig verdickt und innen rot gefärbt. Frisch gegraben läuft er an Bruch- und Schnittstellen rot an. Die Rotfärbung entsteht durch die Einwirkung von Phenoloxidasen mit Luftsauerstoff auf die Catechingerbstoffe, was zu dem roten Gerbfarbstoff Tormentillrot führt.

Das Aufrechte Fingerkraut als Arzneipflanze
Bereits seit dem Altertum wird das Aufrechte Fingerkraut als Heilpflanze genutzt.

Arzneilich verwendet wird der im Frühjahr gesammelte und getrocknete, von den Seitenwurzeln befreite Wurzelstock (Radix Tormentillae - Tormentillwurzelstock). Die Droge wird hauptsächlich aus Wildsammlungen gewonnen. Sie ist geruchlos, schmeckt bitter und wirkt zusammenziehend.

In dem Aufrechten Fingerkraut finden sich im Wurzelstock größere Mengen an kondensierten Proanthocyanidinen bzw. Catechingerbstoffen (etwa 20%), vor allem der Farbstoffstoff Tormentillrot, welcher bei der Lagerung der Pflanze entsteht, sowie Gallotanningerbstoffen. Zudem das Pseudosaponin/Triterpen Tormentosid, sowie Fettsäuren und ätherische Öle.

Die Gerbstoffe in den Wurzeln führen zu einer deutlichen Beschleunigung der Blutstillung, was der Pflanze auch ihren Namen „Blutwurz“ gegeben hat.

Die gerbstoffreiche Pflanze wird innerlich gegen akute, unspezifische Durchfälle und Entzündungen im Magen-Darm-Trakt angewendet. Äußerlich als Pinselung zur Wundbehandlung, gegen Erfrierungen oder Verbrennungen, Hämorrhoiden und als Mundwasser, Gurgelmittel oder Spülung bei Schleimhauterkrankungen und Druckstellen im Mund- oder Rachenbereich (Wirkung als Adstringens). Es wird auch als Austauschdroge für Rantanhiawurzel genutzt. Ergänzend dazu werden antimikrobielle, antihypertensive, immunstimulierende und antivirale Wirkungen  für das Aufrechte Fingerkraut beschrieben.

Die Pflanze kann bei Patienten mit einem empfindlichen Magen zu Magenbeschwerden führen und sollte in diesen Fällen gemieden werden.

Blüte Blutwurz

Für die Teezubereitung bei akuten Durchfällen werden etwa 3 Gramm Wurzelstücke in kaltem Wasser angesetzt, kurz erhitzt und anschließend mit einem Teesieb getrennt. Da bei dem Erhitzen Gerbstoffe verloren gehen, bietet sich auch ein Kaltauszug an. Es sollten maximal 2 – 3 Tassen täglich, über wenige Tage getrunken werden.

Auch in verschiedenen Fertigarzneimitteln wird das Aufrechte Fingerkraut verwendet.

Wurzelstücke werden auch mit Schnaps zu Magenbitter angesetzt.

Früher wurden die Rhizome zum Färben genutzt.



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