Anis

Anis (Pimpinella anisum syn. Anisum vulgare)
syn. Süßer Kümmel, Brotsame

Gattung: Bibernellen (Pimpinella)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Ordnung:
Doldenblütlerartige (Apiales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00315

► mehr Pflanzen

Siehe auch: Gewürzpflanzen Arzneipflanzen Gartenpflanzen Nutzpflanzen


Anis gehört wie auch der Fenchel, Kümmel , Liebstöckel oder die Petersilie. zu der bekannten Gruppe von Pflanzen aus der Familie der Doldenblütler, welche bei uns als Gewürz- und Arzneipflanze genutzt werden. Die Gattung Pimpinella ist mit 150 Arten recht umfangreich und in Europa, Asien und Afrika verbreitet.

Anis ist vermutlich in Vorderasien heimisch und wird heute in Mittel- und Südeuropa, Süd-Ost-Asien und Südamerika kultiviert. Als Wildpflanzen findet man Anis im östlichen Mittelmeergebiet. In Deutschland verwildert Anis sehr selten; meist in sehr milden, sonnigen Gebieten. Er bevorzugt durchlässig humose Böden in sonniger Lage und warmen, nicht zu feuchtem Klima. In der Wachstumsphase sollten die Böden nicht zu sehr austrocknen.

Es handelt sich um eine etwa 20 – 60 cm hohe, einjährige, krautige Pflanze mit typischem Anisgeruch. Die gesamte Pflanze ist dicht und kurz behaart. Der gerillte, runde Stängel wächst aufrecht und ist locker verzweigt. Die rundlichen, langstieligen Grundblätter sind ungeteilt und am Rand gesägt. Die Stängelblätter sind nach oben hin zunehmend feiner zerteilt und 2- bis 3-fach geteilt und auch an den Rändern gesägt.

Anis Blütenstand

Zwischen Juli und August blühen die kleinen weißen, fünf-zähligen zwittrigen Blüten, die in 2 – 5 cm großen Doppeldolden stehen. Die 7 – 12 strahlige, gut 1 cm große Blütendolde besitzt meist kein oder nur ein Hüllblatt. Die Blütenstiele sind bis zu 1 cm lang. Die fünf weißen Kronblätter besitzen an der Spitze eine eingeschlagene Ecke. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, meist Bienen und Schmetterlinge.

Die graugrünen, birnenartigen, weich behaarten Spaltfrüchte sind etwa 3 – 5mm lang und haben noch kurze Stielreste, sowie 2-5 mm lange und 2 mm breite abstehende Griffel. Sie zerfallen häufig nicht von allein in ihre Teilfrüchte. Jede Teilfrucht besitzt fünf helle Rippen. Die Früchte schmecken würzig, süßlich, wobei sich der volle Geschmack erst bei der Lagerung entwickelt. Die Ernte findet im August und September statt. Dabei ist problematisch, dass die Früchte in den Dolden nicht auf einmal, sondern nach und nach reifen.

Die spindelförmige Pfahlwurzel wächst länglich bis dünn.

Anis ist ein Dunkelkeimer und kann im März unter Glas oder ab April/Mai im Freien ausgesät werden.

Anis als Arzneipflanze
Arzneilich werden die Früchte (Anisi fructus) und das aus ihnen gewonnene Anisöl (Oleum Anisi) verwendet. Anisöl kann auch Anteile aus dem Sternanis (Illicium verum) enthalten. Die Verwendung der Früchte gleicht derjenigen des Anisöls. Die Früchte werden in der Reifephase geerntet und dann im Schatten getrocknet. Im Handel befindliche Anisfrüchte stammen fast vollständig aus dem Anbau.

Das farblose Anisöl wird aus den reifen, zerkleinerten Anisfrüchten durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Trans-Anethol ist zu 80 – 90% der Hauptbestandteil und zugleich Geruchsträger des Anisöls, in welchem sich noch Cumarine, Furanocumarinderivate (z.B. Bergapten), Anisaldehyd, Anissäure, Vanilin und Methylchavicol (=Estragol) finden.

In den Früchten findet sich noch etwa 30% fette Öle und 20% Eiweiß. Zudem noch Flavone, Cumarine und bis zu 7% mineralische Inhaltstoffe.

Im Handel befindliches Anisöl kann auch cis-Anethol enthalten, welches u.a. bei Lagerung unter Lichteinfluß entsteht.

Anisfrüchte
Reife Anisfrüchte

Anis wird als schleimlösendes und auswurfförderndes (Erhöhung der Flimmerbewegung der Bronchien) Mittel bei Hustenerkrankungen eingesetzt. Zudem wirkt Anis verdauungsfördernd (u.a. durch Anregung der Speichel- und Magensaftsekretion) und krampflösend, so dass es in vielen pflanzlichen Magenmitteln als Carminativum oder als Anisbrot verwendet wird. Bekannt ist auch die Tee Mischung „Fenchel-Anis-Kümmel“, in der sich die Bestandteile optimal ergänzen und z.T. in der Wirkung verstärken.

Anis wird auch in vielen Fertigarzneimittel (z.B. Aspecton) verwendet. Neben der eigentlichen Wirkung soll es oftmals den Geruch- und Geschmack der Arzneimittel verbessern. Bei trocknem Mund kann Anis (z.B. als Anis-Bonbons) mit lang anhaltender Wirkung gut eingesetzt werden. Auch in der Kinderheilkunde wird Anis oftmals, auch wegen seines angenehmen Geschmacks, eingesetzt.

Aufgrund der schwach antibakteriellen Wirkung von Anisöl wird es auch In Mundwässern und Mundspülungen genutzt.

Zudem steigert Anis die Milchsekretion bei stillenden Frauen und findet daher z.B. auch in Milchbildungstee´s etc.

Habitus Anis

Anis wird in der Homöopathie bei Hexenschuß und Nackenschmerz eingesetzt. In vielen Gebieten galt vormals Anis als Aphrodisiakum. Die Früchten werden typischerweise zerstoßen oder gequetscht als Tee zubereitet.

Zur Appetitanregung können auch die ganzen Früchte gekaut werden. Eine Aufnahme zu großer Mengen Anis (etwa <50 Gramm Früchte) kann zu Benommenheit und Krämpfen führen.

Verfälschungen in den Anisfrüchten (z.B. durch Dillfrüchte oder Schierling) können an der fehlenden Behaarung bzw. fremden Geruch erkannt werden. Beimengungen von Stängeln sind nicht erlaubt, da diese einen zu geringen Anteil an ätherischen Ölen besitzen. Anisfrüchte müssen trocken und lichtgeschützt gelagert werden.

Anis war schon im Altertum bekannt und bildete einen Bestandteil des „Theriak“ (Gegengift aller Gifte) des Königs Antiochus von Syrien.

Für Anistee werden 1 TL Anisfrüchte mit 1 Tasse kochendem Wasser übergossen und etwa 10 min ziehen gelassen.

Anis Dolde

Anis als Gewürzpflanze

Wegen des intensiven Geschmacks wird Anis oft in Gebäck oder Brot verwendet. Seltener auch in Fleischgerichten, Aufläufen oder Gemüse. Schwer verdauliche Gerichte werden durch Anis leichter verdaut. Anis kann auch bei Personen eingesetzt werden, denen Kümmel nicht schmeckt.

Anis wird zudem auch als Geruchs- bzw. Geschmackskorrigens in Anisschnäpsen wie z.B. Pernod, Ouzo, Pastis, Raki, Sambuca oder Anisette verwendet. Das im Anisöl enthaltene Anethol besitzt einen Schmelzpunkt von + 21 Grad und kristalisiert beim Abkühlen aus.

Als Nahrungspflanze spielt Anis kaum eine Rolle.

In Teilen Asiens wird zwischen Fenchel und Anis nicht unterschieden und beide unter demselben Namen gehandelt.

Typische Anisblätter

Sternanis (ohne Bild)

Anis ist zu unterscheiden von dem Sternanis (Illicium verum), welcher häufig in Weihnachtsbackwaren, Würzmischungen oder Glühwein Anwendung findet. Der Sternanis ist ein etwa 10 m hoher immergrüner Baum, dessen reife, getrocknete Früchte verwendet werden.

In den Früchten des Sternanis finden sich ähnliche Inhaltstoffe wie bei dem echten Anis, allerdings zusätzlich noch Foeniculin. Eine medizinische Anwendung von Sternanis ist nicht üblich. Da seine Würzkraft etwas geringer ist, als die des Anis, sollte man immer etwas höher dosieren bei einem Austausch.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Anis

Natur-Lexikon.com