Gelber Fingerhut

Gelber Fingerhut (Digitalis lutea syn. D. eriostachya)
syn. Kleinblütiger Fingerhut
engl. Small yellow fox-glove

Gattung: Fingerhut (Digitalis)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Ordnung:
Lippenblütlerartige (Laminales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00309

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Siehe auch: Arzneipflanzen Giftpflanzen


Der Gelbe Fingerhut kommt in ganz Mitteleuropa bis Spanien und Italien, sowie in Teilen Nordafrikas vor. In Skandinavien und den britischen Inseln fehlt er; auch in Tieflagen meist fehlend. In Höhenlagen ist er bis 1.500 Meter anzutreffen.

Er bevorzugt kalkhaltige, steinige Böden im Umfeld von Wäldern.

Er besiedelt Misch- und Laubwälder, Waldlichtungen sowie bewachsene Abhänge und Geröllhalden. Der Gelbe Fingerhut ist selten anzutreffen und bildet nur kleinere Vorkommen und daher gesetzlich geschützt.

Habitus Gelber Fingerhut

Es handelt sich um eine mehrjährige, etwa 50 – 100 cm hohe Pflanze. Die aufrechten, unverzweigten Stängel sind wie die Blätter und Blattstiele unbehaart. Die schwach glänzenden, wechselständigen Stängelblätter sind schmal-lanzettlich und am Rand gesägt. Die unteren Blätter sind kurz gestielt, die oberen Blätter fast sitzend. Am Grund stehen die Blätter schwach rosettig.

Blütenstand Digitalis Lutea

Die hellgelben, etwa 5 mm lang gestielten Blüten stehen in dichten, langen einseitswendigen, 15 – 40 Blüten umfassen Trauben an den Stängelenden. Die Traube nickt am Ende in Richtung der Blütenöffnungen.

Die hellgelben, hängenden und nach unten ausgebaucht Blütenkronen sind etwa 2 – 2,5 cm lang. Die Blüten sind engröhrig, auf der Innenseite bärtig und ohne Zeichnung. Die 5 Kronblätter sind miteinander verwachsen. Die 5 bis zum Grund geteilten, drüsig behaarten Kelchzipfel wachsen eiförmig-lanzettlich. Die mit drei eckigen Zipfeln versehene Unterlippe ist deutlich länger als die aus zwei Lippen bestehende Oberlippe. Es sind 4 Staubblätter vorhanden. Der Fruchtknoten ist oberständig.

Der Gelbe Fingerhut blüht zwischen Juni und August

Die Kapselfrucht ist zweifächrig. Die Samen sind bis 1 mm lang.

Der Gelbe Fingerhut kann mit dem Großblütigen Fingerhut verwechselt werden, welcher allerdings an den deutlich größeren Blüten (2 – 4 cm lang) sicher erkannt werden kann. D. Lutea und D. Grandiflora können Bastarde bilden.

Blüten Gelber Fingerhut

Der Gelbe Fingerhut als Giftpflanze
Die Giftwirkung entspricht in etwa dem Roten Fingerhut. Alle Pflanzenteile, insbesondere aber die Blätter, sind giftig.

Vergiftungssymptome sind u.a. Herzrhythmusstörungen, Kreislaufprobleme, Halluzinationen, Übelkeit, sowie Erbrechen und Durchfälle. Größere Mengen können in einem tödlichen Herzstillstand enden. Für starke Vergiftungen reicht schon der Verzehr von 1-2 Blättern oder etwa 3-5 Gramm Pflanzenmaterial.

Bei Vergiftungen sollte u.a. Erbrechen ausgelöst, der Magen gespült  und Aktivkohle geben werden. Zudem ist eine Klinikeinweisung angezeigt.

Der Gelbe Fingerhut als Arzneipflanze
Wie alle [Fingerhüte] enthält auch der Gelbe Fingerhut herzwirksame Gykoside.

Vor allem Lantanosid A, Acetyldigitoxin und Digitoxin. Diese Inhaltstoffe sind sehr stark wirksam und besitzen eine enge therapeutische Breite. Zudem enthält er noch Steroidsaponine und Anthrachinonderivate (z.B. Digitolutein)

Er wird aber kaum für die Gewinnung von herzwirksamen Glykosiden genutzt. Dazu wird eher der Rote Fingerhut, vor allem aber der Wollige Fingerhut angebaut.

Das Haupteinsatzgebiet von herzwirksamen Glykosiden ist die Herzinsuffizienz. Digitalisglykoside hemmen selektiv die Na/K-ATPase und erhöhen so indirekt die Ca-Ionen-Konzentration in den Zellen des Herzmuskels. Dabei steigern sie die Kontraktionskraft des Herzmuskels (insbesondere des kranken Muskels), was als positiv inotrope Wirkung bezeichnet wird. Sie verlangsamen die Schlagfrequenz (negativ chronotrope Wirkung). Zudem verzögern sie die Erregungsleitung. Bei normaler Dosierung wirken die herzwirksamen Glykoside nur am Herzen. In der Folge schlägt das ursprünglich schwache Herz (Herzinsuffizienz) wieder langsamer und kräftiger. Zudem verstärkt sich die Diurese (stärker als bei dem Roten Fingerhut), allerdings nicht als direkte Wirkung, sondern als Folge der (jetzt wieder) kräftigeren Herzfunktion.

Die frischen Blätter des Gelbe Fingerhutes wurden früher in der Homöopathie eingesetzt.

Der Gelbe Fingerhut als Gartenpflanze
Er ist in halbschattigen Bereichen gut als Blickfang einsetzbar.
Der Gelbe Fingerhut benötigt wenig Dünger und kalkhaltigen Boden.

Die Vermehrung erfolgt durch die Samen, wobei sich die Fingerhüte meist sehr stark selber aussähen.

Einzelblüten Gelber Fingerhut



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