Kriechender Günsel

Kriechender Günsel (Ajuga reptans)
syn. Kriechgünsel

Gattung: Günsel (Ajuga)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Ordnung:
Lippenblütlerartige (Laminales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00308

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Siehe auch: Arzneipflanzen Gartenpflanzen


Außer in Südeuropa ist der Kriechende Günsel in ganz Europa weit verbreitet. Zudem kommt er auch in Nordamerika und Westasien vor.

Man findet ihn an Wegrändern, Wiesen (feucht und trocken), Gebüschen und in lichten Laubwäldern. In Höhenlagen bis 1.700 Meter Höhe. Bevorzugt wächst er auf lehmigem, nährstoffreichem Grund. Er benötigt einen lichten Platz und darf nicht zu sehr überwuchert werden. Der Kriechende Günsel kommt sehr häufig und in jeweils größeren Beständen vor.

Wiese mit Günsel

Es handelt sich um eine mehrjährige, 10 – 30 cm hohe, krautige Pflanze mit  oberirdischen, beblätterten Ausläufern und kurzem Wurzelstock.

Die vierkantigen, einfachen, aufrechten Stängel sind am Grund weitgehend unbehaart und im oberen Bereich gegenüberliegend stärker behaart. Die rosettenartigen,  5 – 7 cm langen Grundblätter besitzen einen geflügelten Stiel. Nach oben werden die Blätter immer kleiner und sind im oberen bereich oftmals rötlich überlaufen. Die kreuzgegenständigen, ungestielten, oberen Stängelblätter sind eifömig-länglich, ungeteilt und schwach gezähnt bis ganzrandig. Sie sind etwa so lang oder kürzer als die Blüten und zerstreut behaart.

Blüte Kriechender Günsel

Die blauen (extrem selten rosa oder weiße), kurz gestielten, 1 – 2 cm großen Blüten sitzen zu 2 – 6 (meist zu 6) in den Achseln der oberen Stängelblätter und bilden eine, mit Hochblättern vermischte, zylinderartige Scheinähre bzw. Scheinquirl. Der Blütenstand besteht aus etwa 3 -10 Scheinquirlen. Die außen flaumig behaarte Krone fällt nach der Blütezeit nicht ab. Die 4 Staubblätter ragen aus der Kronröhre heraus. Der Fruchtknoten ist oberständig. Der 4 mm lange, lang behaarte Blütenkelch ist in 5 dreieckige Zähne geteilt. Die zweiteilige, gerade Oberlippe ist nur schwach, die Unterlippe hingegen kräftig ausgebildet, dreiteilig mit größerem Mittelabschnitt (siehe Bilder).

Kriechgünsel

Der Kriechende Günsel blüht zwischen Ende April und August. Die Bestäubung erfolgt meist durch Bienen oder Hummeln; Selbstbestäubung ist auch möglich. Er zählt zu den typischen Bienenweiden. Die etwa 2 mm langen Teilfrüchte sind fast kahl. Die Samen werden durch Ameisen verbreitet.

Die Verbreitung erfolgt meist durch Ausläufer und seltener durch die Samen, was zu jeweils größeren Einzelbeständen führt. Die Ausläufer wurzeln an den Knoten. Wenn im Winter die alten Ausläufer absterben, bilden sich an den Wurzelstellen neue Pflanzen.

Der verwandte Genfer Günsel bildet keine Ausläufer und bevorzugt trockene Böden. Die Tragblätter seiner Scheinquirle sind länger als die Blüten, blauviolett überlaufen und meist dreilappig an der Spitze.

Kriechgünsel Weiße Form
Seltene weiße Form des Günsel
Günsel mit rot überlaufenen Blättern

Der Kriechende Günsel als Gartenpflanze
Der Kriechende Günsel kann in Gärten gut als schnell wachsender, unkomplizierter Bodendecker genutzt werden. Er ist voll frosthart und kann über Stecklinge oder Teilung von Ausläufern verbreitet werden.

Er benötigt ausreichende Feuchtigkeit und Nährstoffe.

An Gehölzrändern kann er verwildern.

Im Handel finden sich verschiedene Kultursorten mit unterschiedlichen Blattformen und Blütenfarben.

Kriechender Günsel

Der Kriechende Günsel als Arzneipflanze
Der Kriechende Günsel wurde früher aufgrund u.a. seiner Gerbstoffe als Arzneipflanze verwendet. Wichtige Inhaltstoffe sind Rosmarinsäure, Iridoidglykoside (z.B. Harpagosid, welches auch in der afrikanischen Teufelskralle enthalten ist) und Ajugalactone. Er fand Einsatz bei Verdauungsstörungen, Gallenerkrankungen und Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Innerlich wirkt er beruhigend und dient auch als Einschlafhilfe. Durch die Gerbstoffe besitzt der Presssaft eine zusammenziehende Wirkung und wurde daher früher auch zur Blutstillung genutzt.

Eingesetzt wurde das Günselkraut (Herba Ajugae) z.B. als Tee, aber auch als Tinktur oder Pressaft.

Heute findet er kaum noch Einsatz als Heilpflanze.

einzelblatt Kriechgünsel



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