Großblütiger Fingerhut

Großblütiger Fingerhut (Digitalis grandifolia)
syn. Großblütiger Gelber Fingerhut
engl. Large yellow fox-glove

Gattung: Fingerhut (Digitalis)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Ordnung:
Lippenblütlerartige (Laminales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00303

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Siehe auch: Gartenpflanzen Giftpflanzen


Der Großblütige Fingerhut gehört zu der Gattung Digitalis (Fingerhut) welche etwa 21 Arten umfasst. Aus dieser Gattung sind 3 Arten in Deutschland heimisch, neben dem hier beschrieben Großblütigen Fingerhut sind es noch der Rote Fingerhut und der Gelbe Fingerhut.

Der Großblütige Fingerhut ist in fast ganz Mitteleuropa und dem westlichen Asien zerstreut heimisch. In England, Skandinavien und Dänemark fehlend.

Er bevorzugt sonnige, warm-trockene Lagen mit kalkhaltigen, basenreichen, nährstoffhaltigen Böden mit hohem Steinanteil, wie z.B. Waldlichtungen, Böschungen, Kahlschläge, Hochstaudenfluren oder lichte Laubwälder. Er kommt häufiger in den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen bis zur Laubbaumgrenze vor. Im Tiefland ist er seltener anzutreffen. An seinen Vorkommen tritt er oft in kleinen Horsten auf. Insgesamt ist er eher selten anzutreffen – vor allem durch das Zuwachsen geeigneter Wuchsorte - und daher gesetzlich geschützt.

Habitus Grossblütiger Fingerhut

Die mehrjährige Staudenpflanze erreicht eine Wuchshöhe von 40 – 120 cm. Der aufrechte, einfache Stängel ist und kahl und oben drüsig behaart. Am Grund bilden die Blätter eine Rosette. Der Blüten tragende Spross wächst im März aus der grundständigen Blattrosette heraus.

Die lanzettlichen bis eiförmig, am Rand unregelmäßig fein gesägten, wechselständigen Stängelblätter sind auf der Oberseite und an den Nerven der Unterseite flaumig behaart. Die unteren Blätter sind gestielt, während die oberen Blätter direkt am Stängel sitzen. Sie sind 8 – 24 cm lang, 2 – 7 cm breit und laufen am Ende spitz zusammen.

Blütenstand Großblütiger Fingerhut

Die hell- oder schwefelgelben, bis 4 cm langen, etwa 1 cm lang gestielten Blüten wachsen in endständigen, einseitswendigen, langen Blütentrauben, die aus 20 bis 40 bauchigen Einzelblüten bestehen. Die Blütenstiele sind drüsig behaart. Die Blüten blühen von unten nach oben zeitlich versetzt auf. Der Kelch ist bis zum Grund in 5 drüsig behaarte, lanzettliche Zipfel geteilt. In der hängenden Blütenkrone finden sich auffällige dunkelbraune Flecken oder Adern; im Unterschied dazu besitzt der Gelbe Fingerhut (D. lutea) kein braunes Adernetz in der Blüteninnenseite. Die Blütenkrone mit ihren 5 Kronblättern erweitert sich aus einer engen Röhre schnell in eine glockige Form und mündet in einen zweilippigen, etwa 2 cm breiten Saum, wobei die Oberlippe oftmals leicht zurückgeschlagen ist. Die aus drei deutlichen Zipfeln bestehende Unterlippe steht etwas weiter vor, als die Oberlippe. Die Blütenkrone ist innen und außen dicht behaart. Die 4 Staubblätter ragen nicht aus der Kronröhre heraus, wobei die unteren beiden Staubblätter länger als die oberen Staubblätter sind.

Der Großblütige Fingerhut blüht zwischen Juni und September. Er kann sich selber bestäuben, wird aber meist durch Insekten, insbesondere Hummeln oder Bienen, bestäubt.

Selten kann es zwischen dem Roten Fingerhut und dem Großblütigen Fingerhut zu Bastardbildung kommen.
Die vielsamigen, zweifächrigen Früchte öffnen sich zweiklappig. Die Samen sind etwa 1 mm lang.

Fingerhut

Der Großblütige  Fingerhut als Giftpflanze
Neben dem Roten und Gelben Fingerhut ist auch der Großblütige Fingerhut eine stark giftige Pflanze der Gattung Digitalis, welche Digitalis-Glykoside enthält. Innerhalb unterschiedlicher Spezies schwanken die Konzentrationen an Inhaltstoffen z.T. sehr stark, so dass der Großblütige Fingerhut bislang kaum als Arzneipflanze eingesetzt wurde, er soll aber besser verträglich sein, als der Rote Fingerhut. Für die Gewinnung von Herzglykosiden werden vornehmlich der Rote und der Wollige Fingerhut genutzt. Verwendung finden bei Nutzung des großblütigen Fingerhutes die Blätter (Folia Digitalis grandiflorae).

Insbesondere finden sich hier die Digitalis-Glykoside Neo-Digitalinum, Neo-Glucodigifucosid, Lantanosid A, B,C,D, E. Weitere Inhaltstoffe sind Saponine und Flavonoide.

Die Vergiftungserscheinungen entsprechen in etwa denen des Roten Fingerhutes. Die Vergiftungen kommen zumeist durch den Verzehr von Blättern zustande, wobei bereits einige Blätter für eine schwere Vergiftung ausreichen. Die Giftstoffe finden sich jedoch in allen Teilen der Pflanze.

Die Digitalis-Glykoside (sie gehören zu den Herzwirksamen Glykosiden) wirken vor allem am Herzmuskel, wo die Leistung (Kontraktionskraft) des Herzmuskels gestärkt (positiv inotrope Wirkung) und die Pumpfrequenz gemindert wird. Eine größere Dosis bewirkt eine zunehmende Pulsverlangsamung, welche in einem Herzstillstand enden kann. Die Wirkung tritt langsam ein und hält relativ lange an.

Eine Vergiftung zeigt sich durch Herzrhythmusstörungen, Kreislaufeinbrüchen, Halluzinationen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen.

Bei Vergiftungen sind eine Gabe von Aktiv-Kohle, Erbrechen, eine umgehende Magenspülung und sofortige Klinikeinweisung wichtig.

Berührungen der Blätter können zudem allergieartige Hautreizungen auslösen.

Der Großblütige Fingerhut als Gartenpflanze
Fingerhüte sind im Allgemeinen, trotz ihrer Giftigkeit, sehr beliebte Gartenpflanzen.Dies gilt vor allem für den Roten Fingerhut.

Der Großblütige Fingerhut ist eine problemlose Pflanze, die gut in der Sonne oder im Halbschatten in tiefgründigem Boden gedeihen kann. Er benötigt gelegentliche Düngung und ausreichende Wässerung.

Die Vermehrung kann über die sehr gut keimfähigen Samen erfolgen, die im späten Frühjahr ausgesät oder im Herbst in den Kalten Kasten gesät werden. Um zu vermeiden, dass sich der Fingerhut zu sehr ausbreitet, sollten die Blüten abgetrennt werden, sobald sie verblüht sind. Schneidet man den Blütenstand vor dem verblühen der letzten Blüten, kommt es oft zu einem zweiten Austrieb eines kleinen Blütenstandes.

Mit etwas Glück kann der Fingerhut auch nach der Blüte zur Vermehrung geteilt werden.

Der Großblütige Fingerhut ist voll frosthart und benötigt keinen Winterschutz.

Fingerhüte lassen sich gut für Vasen schneiden, wenn erst etwa 1/3 der Blüten geöffnet sind.

Im Gartenfachhandel können auch die Samen zahlreicher Fingerhut-Hybriden erworben werden.

Großblütiger, Blaßgelber Fingerhut



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