Schwarzer Nachtschatten

Schwarzer Nachtschatten (Solanum nigrum)
syn. Giftbeere, Hundsbeere
engl. Black Nightshade

Gattung: Nachtschatten (Solanum)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Ordnung:
Nachtschattenartige (Solanes)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00303

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Siehe auch: Arzneipflanzen Giftpflanzen


Der Schwarze Nachtschatten gehört zu der Gattung Solanum, welche mit etwa 1.700 Arten weltweit eine der größten Gattungen bildet. Weitere bekannte Solanum-Arten sind z.B. die Kartoffel oder die Tomate.

Er ist in ganz Europa als Ruderalpflanze anzutreffen. Ursprünglich in Südeuropa heimisch, ist der Schwarze Nachtschatten heute fast weltweit verbreitet.

Typischerweise findet man den Schwarzen Nachtschatten in Unkrautbeständen auf Schuttplätzen, Wegrändern, an Mauern, Ödland oder Hackfruchtäckern. Er ist eine wärmeliebende, Halbschatten bis Schatten-Pflanze, welche bevorzugt stickstoffhaltigen Lehmboden als Spätkeimer besiedelt. Er fehlt in Gebieten mit rauem Klima und in Höhenlagen über 1.000 Meter Höhe.

Er kommt häufig in individuenreichen Beständen vor und ist nicht gefährdet. Bei Gärtnern gilt er als schnell wachsendes, giftiges Gartenunkraut.

Schwarzer Nachtschatten Bild

Es handelt sich um eine einjährige, krautige Pflanze mit aufrechtem Wuchs. Der fast kahle, verzweigte, selten kantige Stängel verholzt nicht und erreicht eine Wuchshöhe von etwa 20 – 70 cm. Oftmals ist er schwärzlich überlaufen. Die eiförmig bis dreieckigen, lang gestielten, wechselständigen, dunkelgrünen Blätter sind buchtig gezähnt und nur selten ganzrandig. Sie sind etwa 4 – 7 cm lang und 2 – 5 cm breit.

Die weißen, kurz gestielten Blüten ähneln denen der Kartoffelpflanze, welche ebenfalls zu den Nachschattengewächsen gehört. Die Blüten sitzen in kurz gestielten, rispenähnlichen, hängenden Teilblütenständen mit jeweils 3 – 10 Einzelblüten, welche den Achseln der mittleren und oberen Blättern entspringen. Die Blütenstandsstiele sind deutlich länger, als die eigentlichen Blütenstiele. Der 5-zähnige Kelch ist gut 2 mm lang. Der zweifächrige Fruchtknoten ist oberständig.

Die fünfteilige, weiße Blütenkrone mit einem Durchmesser von 0,5 – 1,2 cm, ist weit offen ausgebreitet und die gelben Staubbeute ragen weit heraus. Die Mittelader und die Kronenspitzen sind öfter bläulich überlaufen.

Habitus Schwarzer Nachtschatten

Die Blütezeit des Schwarzen Nachtschattens reicht von Juni bis Oktober. Die Früchte erscheinen von September bis Oktober.

Die schwarzen (selten grünen), kugeligen, glänzenden Beerenfrüchte mit zwei Kammern und ohne Stein, sind etwa 0,7 – 1 cm groß. Die noch unreifen Früchte sind zunächst grün und färben sich dann schwarz. Die Kelchzipfel liegen der Frucht an. Die Beeren enthalten etwa 30 – 60 Samen. Die Verbreitung erfolgt durch Vögel.

Die Pflanze verströmt einen schwach widerlichen Geruch.

Sie ähnelt zwar im oberirdischen Bereich der Kartoffelpflanze, bildet jedoch im Gegensatz zu ihr, keine knollenartige Speicherorgane aus, sondern besitzt eine zapfenartige Wurzel.

Beeren Schwarzer Nachtschatten

Der Schwarze Nachtschatten als Arzneipflanze
Arzneilich verwendet wird das zur Blütezeit gesammelte und getrocknete Nachtschatten-Kraut (Herba Solani nigri) oder die frischen reifen Beeren. In der Volksheilkunde bei Magenkrämpfen, Fieber, Rheuma und Keuchhusten. Äußerlich bei Ekzemen, Juckreiz, Flechten und Abzessen eingesetzt. Die Schuppenflechte wurde volkstümlich mit dem Saft des Schwarzen Nachtschattens behandelt.

Früher auch als Schmerzmittel eingesetzt. Neben den Alkaloiden enthält er noch Gerbstoffe und

Aufgrund seiner Giftigkeit wird er heute kaum noch als Arzneipflanze eingesetzt.

Homöopathisch wird die frisch blühende ganze Pflanze bei Erkrankungen des Zentralnervensystems, Schwindel und Kopfschmerz eingesetzt.

Nachtschatten

Der Schwarze Nachtschatten als Giftpflanze
Im Schwarzen Nachtschatten finden sich stark giftige Steroid-Alkaloide, vor allem Solanin und Tomatin, welche in den Blättern und unreifen Früchten angereichert sind. Die reifen Früchte enthalten deutlich weniger Giftstoffe bzw. sind großteils giftfrei.

Solanin ist ein Alkaloidgemisch aus 6 Komponenten, wobei Solanin, Solasodin und Solamargin die Hauptbestandteile sind. Die jeweiligen Anteile schwanken stark, je nach Klima, Bodenbeschaffenheit und Pflanzensippe.

Die Pflanze kommt in unterschiedlichen Sippen vor, welche sich vor allem in ihrem Alkaloidgehalt und damit in ihrer Giftigkeit unterscheiden. Einzelne Sippen sind sogar frei von Giftstoffen in ihren Blättern und wurden früher salatartig angebaut und verzehrt.

Solanin findet sich auch in der Kartoffelpflanze und in unreifen Tomaten. Solanin ist ein Reiz- und Protoplasmagift. Es führt erst zu Erregung und in Folge zu einer  Lähmung des ZNS mit folgender Atemlähmung.

Der Schwarze Nachtschatten ist erheblich weniger giftig, als andere Nachtschattengewächse, wie z.B. die Tollkirsche.

Typische Vergiftungserscheinungen nach Verzehr von unreifen Früchten sind Brennen im Hals, Durchfall, Übelkeit, Herzrasen, Schwindel, Pupillenerweiterung, Nierenreizung und Krämpfe. Toxische Symptome treten ab dem Verzehr von etwa 6 unreifen Beeren auf, etwa 10 Beeren können schon tödlich sein. Zudem kommt es zu Blasen, Schwellungen, Nekrosen und starkem Brennen im Mundraum.

Bei Vergiftungen sind die Gabe von Aktivkohle, Magenspülung und Brechmittelgabe nötig. Zudem sollten bei starken Vergiftungen Anticholine (Physostigmin) gegeben werden.

Auch Tiervergiftungen von Weidevieh, Hühnern, Haustieren und Vögeln können vorkommen. Z.T. kann auch der hohe Nitratgehalt der Pflanze die Ursache der Vergiftung sein.

Der Schwarze und der Bittersüße Nachtschatten gehörten zu den Bestandteilen der Hexentränke und Hexensalben.

Blütenstand Schwarzer Nachtschatten



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