Gefleckter Schierling

Gefleckter Schierling (Conium maculatum)
syn. Blutpetersilie, Blutschierling, Fleckenschierling
engl. Poison Hemlock

Gattung: Schierlinge (Conium)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Ordnung:
Doldenblütlerartige (Apiales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00302

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Siehe auch: Arzneipflanzen Giftpflanzen


Der gefleckte Schierling ist in ganz Europa und Teilen Asiens heimisch; in Deutschland allerdings nur zerstreut vorkommend, im warmen süddeutschen Tiefland häufiger. Im Alpenvorland und den Alpen fehlend. Man findet ihn auf Brachland, an Hecken, Uferböschungen, Wegrändern, Gräben oder Schuttplätzen (Schuttunkrautgesellschaft). Er wächst bevorzugt auf feuchten bis trockenen, nährstoffhaltigen Lehmböden in sonniger Lage. Es handelt sich um eine Zeigerpflanze für stickstoffhaltige Böden. Die hochwüchsigen, dicht stehenden Bestände sind meist klein ausgebildet und im Rückgang begriffen, vor allem durch den Verlust geeigneter Standorte. Daher ist der Gefleckte Schierling gesetzlich geschützt.

Er gehört zu derselben Familie wie der Fenchel, Petersilie, Kümmel oder Anis.

Es handelt sich um eine ein- bis zweijährige (selten einjährig) aufrechte Pflanze mit einer Wuchshöhe von 50 – 200 cm. Der fein gerillte, bläulich bereifte, röhrige, kahle Stängel ist reich verzweigt und im unteren Bereich rot gefleckt. Diese roten Flecken sind Basis für die Namensgebung. Der Stängel und die Blätter sind unbehaart.

Die dreieckig wirkenden, weichen Blätter wachsen wechselständig und sind zwei bis vierfach gefiedert und oberseits dunkelgrün und unterseits graugrün gefärbt. Die Blattzipfel sind gesägt, die Blattspreiten sind mit einem weißen Hautrand besetzt. Die unteren Blätter sind bis 50 cm lang und 40 cm breit und besitzen einen dicken runden Stiel.

Blütenstand Gefleckter Schierling

Die weißen, gut 2 - 3 mm großen Blüten bilden eine etwa 7 – 20 strahlige, etwa 15 cm unfassende, zusammengesetzte Blütendolde 1. und 2. Ordnung. Die Hüllblätter finden sich nur einseitswendig an der Außenseite der Dolden 2. Ordnung. Die fünfzählige Pflanze besitzt 5 Blütenblätter, 5 Kelchblätter und 5 Staubblätter. Die Blütendolde besitzt 5 – 6 schmal dreieckige Hochblätter. Der unterständige Fruchtknoten besteht aus zwei verwachsenen Fruchtblättern.

Der Gefleckte Schierling blüht zwischen Juni und September.

Zerdrückte Pflanzenteile verbreiten einen unangenehmen, mausartigen Geruch.

Die rundlich bis eiförmigen, seitlich abgeflachten 2-teiligen Spaltfrüchte mit wellig gekerbten Rippen sind etwa 2 – 4 mm groß und grünlich-grau gefärbt. Die Ölstriemen fehlen zur Reifezeit. Die Früchte sind im Gegensatz zu den Anisfrüchten unbehaart.

Die weißliche Pfahlwurzel wächst spindelartig.

Einzelblüten Schierling

Der Gefleckte Schierling als Arzneipflanze
Wichtige Inhaltstoffe sind Alkaloide wie z.B. das Coniin, Flavonoide, Cumarine und ätherische Öle.

In der Heilkunde früher als Schierlingskraut (Herba Conii), welches im zweiten Jahr zur Blütezeit gesammelt wird, heute z.T. noch in einigen Fertigarzneimitteln verwendet. Das frische Kraut enthält etwa 2% Alkaloide; wobei der Gehalt durch die Trocknung massiv abnimmt.

Weiterhin wurden die unreifen Schierlingsfrüchte (Fruchtus conii) verwendet.

Es wurde insbesondere wegen der schmerzstillenden, krampflösenden und beruhigenden Eigenschaften geschätzt. Heute aufgrund der hohen Giftigkeit und schweren Dosierbarkeit kaum noch verwendet.

In der Homöopathie noch bei Drüsenleiden, sexuellen Störungen und Verstimmungszuständen eingesetzt.

Stängel Gefleckter Schierling

Der Gefleckte Schierling als Giftpflanze
Alle Pflanzenteile sind stark giftig. Bei getrockneten Pflanzenteilen ist der Giftgehalt deutlich niedriger.

Insbesondere in den unreifen Früchten findet man hohe Anteile (etwa 3%) des Giftes Coniin. Coniin findet sich u.a. auch bei den Pflanzengattungen Aronstab (Arum) und Hundspetersilie (Aethusa). Coniin macht etwa 90% des Gesamtalkaloidgehaltes des Gefleckten Schierlings aus. Weitere 9% Alkaloide sind Conicein. Die Giftstoffe finden sich vor allem in der äußeren Fruchtwand (Endokarp) der Früchte.

Die Giftaufnahme erfolgt schnell durch die Schleimhäute und auch durch die unverletzte (!) Haut. Es bewirkt zunächst eine Erregung und dann eine aufsteigende Lähmung der motorischen Nervenenden, sowie des Rückenmarks.

Zuerst ein Brennen im Mundraum, Zungenlähmung, Speichelfluß und Erbrechen.  Später dann Kältegefühle, Lähmungen, Zynanose, Mydriasis und Gefühllosigkeit. Der Herzschlag wird zunehmend langsamer (Bradykardie).Es erfolgt eine Lähmung der quergestreiften Muskulatur von den Beinen aufwärts. Der Tod durch Atemlähmung tritt bei vollem Bewusstsein nach 1 – 5 Stunden ein.  Als tödliche Dosis bei einem Erwachsenen gelten etwa 0,5 -1 g Coniin.

Habitus Gefleckter Schierling

Es kam früher gelegentlich zu Vergiftungen durch Verwechselungen bzw. Verunreinigungen der Früchte mit anderen Doldenblütlern, wie z.B. Anis, Fenchel oder Kümmel. Insgesamt sind die Vergiftungsfälle mit frischen Pflanzenteilen aufgrund des unangenehmen Mäusegeruchs sehr selten.

Aus den unreifen Früchten des Gefleckten Schierlings wurden früher die Schierlingsbecher für die Todesstrafe zubereitet. Besonders bekannt ist der Schierlingsbecher aus dem Altertum der Griechen, wo u.a. Sokrates einen Schierlingsbecher trinken musste. (griech. Koneion=“Schierlingsbecher“). Dieser enthielt noch weitere Stoffe bzw. Stoffgemische z.B. Opium zur Schmerzlinderung.

Bei Vergiftungen sind resorptionsverhindernde Maßnahmen, wie die Gabe von Kohlepulver, Erbrechen und Magenspülung sinnvoll. Daneben unbedingt Klinikaufenthalt für evtl. Plasmaexpander, Beatmung etc.

Frischpflanzen werden vom Weidevieh meist gemieden. Tiere reagieren unterschiedlich auf das Gift. Ziegen und Schafe sind relativ unempfindlich, während z.B. Schweine schon bei Aufnahme kleinster Mengen Vergiftungserscheinungen zeigen.

Coniin wirkt zudem Teratogen (Missbildungen bei Embryos). Nachkommen von Tieren, welche eine Vergiftung hatten, zeigen meist starke Gliederdeformationen.



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