Garten-Sauerampfer

Garten-Sauerampfer (Rumex acetosa)
syn. Großer Ampfer, Sauer-Ampfer, Wiesen-Sauerampfer, Sauergras
engl. Common sorrel

Gattung: Ampfer (Rumex)
Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Ordnung:
Knöterichartige (Polygonales
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00299

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Siehe auch: Giftpflanzen Arzneipflanzen Nutzpflanzen


Der Garten-Sauerampfer, auch Wiesen-Sauerampfer genannt, ist eine in ganz Europa verbreitete mehrjährige Stauden-Wildpflanze (bzw. seit 200 Jahren auch als Kulturform), die sehr häufig vorkommt. Er gehört zu der Familie der Knöterichgewächse, welche sich u.a. durch auffallend knotig gegliederte Stängel auszeichnen. Die Gattung Rumex umfasst etwa 200 bis 250 Arten, die weltweit in den gemäßigten Zonen verbreitet sind. Der Sauerampfer wird seit der Antike (z.B. Griechen und Römer) als Küchenkraut genutzt.

Er besiedelt bevorzugt frische, mäßig nährstoffreiche, sandige Lehm- oder Tonböden mit saurem, zumeist kalkarmen Charakter (Zeigerpflanze für saure, nährstoffreiche Böden). Oft tritt er als Pionierpflanze an offenen Bodenstellen und Erdhaufen auf. In Höhenlagen findet man ihn bis auf 1.500 Meter.

Großer Sauerampfer

Der mehrjährige Garten-Sauerampfer ist eine weit verbreitete, häufig vorkommende Pflanze die auf fetten Wiesen, Weiden und an Wegrändern oft in großen Beständen auftritt. Er kann auch in schattigen Lagen gut gedeihen. Zu seiner Blütezeit bestimmt er an seinen Standorten das Aussehen der Wiesen in großem Ausmaß. Er wächst auch auf für ihn ungünstigen Standorten, bleibt dann aber deutlich kleiner. Allerdings immer noch erheblich größer, als der Kleine Sauerampfer.

Er verträgt mehrmaliges Mähen im Jahr. In Trockengebieten ist er seltener anzutreffen. Oftmals wächst der Sauerampfer gemeinsam mit dem Kriechenden Hahnenfuß.

Blüten Sauerampfer
Sauer-Ampfer

Es handelt sich um eine 30 – 120 cm hohe Pflanze. Der aufrechte, oft rötlich überlaufene Stängel ist in der unteren Hälfte unverzweigt. Die länglichen, gestielten Grundblätter sind 3 – 5 mal so lang wie breit. Die stängelumschließenden Nebenblattscheiden sind gefranst.

Die oberen, sitzenden, stängelumfassenden Blätter wachsen wechselständig und schmecken intensiv säuerlich. Die dicklich, derben Blätter sind am Ende pfeilförmig gewachsen mit rückwärts gerichteten Pfeilecken, sind aber nicht umgeschlagen wie bei dem Kleinen Sauerampfer. Alle Blätter sind von fleischiger Art, unbehaart und uneinheitlich gestaltet. Im laufe der Zeit bekommen fast alle Blätter große Löcher und intensiv braune, unregelmäßige Flecken.

Die kleinen, eingeschlechtlichen, rötlichen Blüten der zweihäusigen (männliche und weibliche Blüten stehen auf verschiedenen Blüten) Pflanze wachsen gestielt in schmalen, endständigen Rispen und Verzweigungen im Blütenstandsbereich. Die Blüten sind in lockeren Knäueln angeordnet und entspringen nicht den Achseln der Tragblätter. Der Blütenstand verzweigt in einzelne, nicht weiter verzweigte Seitenäste.

Die äußeren drei Blütenblätter sind in der Fruchtzeit zurückgeschlagen. Die inneren rötlich bis blaß grünen Blütenhüllblätter sind rundlich mit einer kleinen Schwiele. Die Staubblätter sind in zwei Staubblattkreisen vorhanden. Die männlichen Blüten besitzen 6 Staubblätter. Der Fruchtknoten besitzt 3 rote Narben. Die dreikantige, schwarz-braun glänzende, etwa 2 mm lange Nußfrucht ist von den inneren, 3 – 4 mm großen, schwach herzförmigen Perigonblättern (Valven) fast ganz umschlossen; diese werden zur Fruchtreife stark netznervig. Die äußeren Perigonblätter sind klein und unscheinbar. Die 6 Perigonblätter sind grünlich bis schwach rötlich, zur Blütezeit intensiv rötlich gefärbt. Bei den weiblichen Blüten ist der Fruchtknoten oberständig.

Blätter Sauerampfer

Der Garten-Sauerampfer blüht zwischen Mai und August. Meist Windbestäubung, selten Insektenbestäubung durch z.B. Honigbienen und Schmetterlinge. Er verbreitet seine Samen mit dem Wind oder durch Anhaften der Valven an Tieren. Er gehört zu den Pflanzen, welche mit etwa 400 Mio. Pollenkörnern die meisten Pollenkörner je Pflanze produzieren.

Das Wort Ampfer (Rumex) leitet sich aus dem germanischen ab und bedeutet scharf oder sauer. Der Artname Acetosa leitet sich von Acetum (lat. Essig) und weist auch auf den sauren Geschmack hin.

Der Garten-Sauerampfer als Arzneipflanze

Arzneilich genutzt wird das Sauerampferkraut (Herba Rumicis acetosae). Im Kraut findet sich Kaliumoxalat (Kleesalz), freie Oxalsäure, Rumicin, Vitamin C, Gerbstoffe und verschiedene Flavonglykoside. In den Wurzeln finden sich zudem noch Gerbstoffe.

In der Volksmedizin wird Sauerampfer zur Blutreinigung und Entschlackung (Frühjahrskuren) verwendet, sowie bei Hautleiden, Reizhusten und Erkrankungen der Mundschleimhaut. Sauerampfer ist auch in einigen Fertigarzneimitteln (z.B. Sinupret) enthalten

Der Kleine Sauerampfer zeigt ähnliche Giftwirkungen durch Oxalsäure, wie sein großer Verwandter.

Früher wurden mit Sauerampferextrakte (Oxalsäure) auch Tinten- oder Rostflecke aus z.B. Leinen entfernt. Sauerampfer enthält sehr viel Vitamin C, so dass er früher in der Seefahrt auch zur Skorbutvorbeugung gegessen wurde.

Junge, säuerlich schmeckende Blätter und Sproßspitzen sind zum Verzehr geeignet und besitzen einen hohen Gehalt an Vitamin C. Er wird gekocht oder auch als Salat roh gegessen. Allerdings sollte Garten-Sauerampfer aufgrund seines hohen Oxalsäuregehaltes nicht zu häufig gegessen werden.

Ebenfalls aufgrund des hohen Oxalat-Gehaltes sollte Sauerampfer von u.a. Nieren- und Rheumakranken gemieden werden. Da auch die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung behindert wird, sollte Sauerampfer bei auch Eisenmangelerkrankungen nicht verzehrt werden.

Die Sauerampferpollen gehören zu den typischen „Heuschnupfenpollen“.

Der Garten-Sauerampfer als schwache Giftpflanze
Bei Genuss von größeren Mengen Oxalsäure-haltigen Pflanzen kann es bei Tieren und Menschen zu Oxalat-Vergiftungen kommen.

Durch Bildung unlöslicher Calciumsalze wird zum einen der Calciumstoffwechsel gestört, vor allem aber kommt es auch zu Störungen der Blutgerinnung und weiteren Vergiftungserscheinungen. Das gefällte Calciumoxlat schädigt zudem die Nieren, insbesondere die feinen Nierenkanäle, welche verstopfen können.

Besonders gefährdet ist Weidevieh auf Wieden mit großen Sauerampferbeständen. Aber auch Kinder sind bei Genuss großer Mengen Sauerampferblätter (z.B. als Salat) gefährdet. Vergiftungen zeigen sich vor allem durch Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, Blutdruckabfall bis zum Kollaps. Nach Aufnahme sehr großer Mengen Sauerampfer kann Aktivkohle angezeigt sein. Evtl. auch die Gabe von Calciumverbindungen zur Fällung des Oxalats bereits im Magendarmtrakt.

Neben den Sauerampferarten enthalten auch die Sauerkleegewächse große Mengen Oxalsäure bzw. deren Salze.

Garten-Sauerampfer als Gartenpflanze / Nutzpflanze
Hin und wieder wird der Garten-Sauerampfer, wegen seines angenehm frischen Geschmacks als Garten- oder Nutzpflanze angebaut.

Die Aussaat kann im Frühjahr oder Spätsommer erfolgen. Er lässt sich auch aus Stecklingen oder durch Teilung ziehen. Es handelt sich um eine anspruchslose Pflanze, welche sowohl bei Sonne, wie auch im Schatten wächst, solange im Boden ausreichend Nährstoffe und Feuchtigkeit vorhanden sind. D.h. für den Anbau von Sauerampfer sollte gelegentlich gedüngt werden.

Im Frühjahr bilden sich zunächst dickliche, ovale, lang gestielte Blätter mit säuerlichem Geschmack. Diese jungen Blätter und Triebe sind für Salate oder Suppen am besten geeignet. Sie sollten frisch verwendet werden, da sie sehr schnell welken. Zudem sind die älteren Blätter mit Flecken oder Löchern unbekömmlich und führen oft zu starken Magenschmerzen.

Die Blätter besitzen nur sehr wenig Kalorien, aber viel Vitamin A und C, sowie Magnesium und Kalium.

Die Kulturform des Garten-Sauerampfers unterscheidet sich von der Wildform, vor allem in der Größe und Beschaffenheit der Blätter. Die Kulturformen werden oftmals als longifolia oder latifolia (lang- bzw. breitblättrig) bezeichnet.

Großer Sauerampfer



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