Indigo

Indigo (Indigofera tinctoria)
syn. Indigopflanze

Familie: Schmetterlingsblütler (Fabaceae)
syn. Hülsenfrüchtler
Ordnung: Hülsenfrüchte (Leguminosae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00294

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Siehe auch: Nutzpflanzen


Die Indigo-Pflanze ist in China, Indien, Indonesien, Südamerika und dem tropischen Afrika heimisch bzw. wird dort angebaut. Sie bevorzugt heißes, feuchtes Klima. In Höhenlagen gedeiht die Indigopflanze bis etwa 1.700 Meter.

Die stark verzweigte Staudenpflanze erreicht eine Wuchshöhe von etwa 150 cm.

Die unpaarig gefiederten Blätter wachsen ganzrandig elliptisch.

Die rosa bis roten Blüten stehen in Trauben an den Zweigenden.

Die Hülsenfrüchte sind gerade bis leicht gebogen und enthalten etwa 6 – 12 Samen.

Indigo Strauch

Indigo als Nutzpflanze
Die Indigo-Pflanze wird vor allem zur Gewinnung des Farbstoffs Indigo (tief-blau) verwendet. Sie ist neben Krapp und Reseda eine der ältesten Färbepflanzen. Älteste Funde deuten bereits eine Indigoverwendung etwa um 2000 Jahre v. Chr. an.

Die Pflanzen werden in einer mehrjährigen Kultur angebaut und können zwei- bis dreimal pro Jahr geschnitten werden. Die Neuanpflanzung erfolgt durch Aussaat.

In Europa wurde bis vor wenigen hundert Jahren der Färberwaid Isatis tinctoria zum Blau Färben genutzt. Auch aus dieser Pflanze ließ sich Indigo gewinnen. Im Europa des Mittelalters war der Färberwaid der mit Abstand wichtigste Farbstoff. Erst langsam wurde er durch den Indigo aus der Indigopflanze ersetzt, welche eine deutlich besser Qualität und Ausbeute (Gehalt fast 30 X höher) ermöglichte. Indigo wurde dabei nicht als Pflanze verschifft, sondern gleich vor Ort zu Farbstoff verarbeitet.

Im Altertum wurde Indigo auch als Heilmittel mit zusammenziehender Wirkung (Adstringens) bei z.B. Wunden oder Entzündungen eingesetzt.

Indigo Blütenstand

Indigo als Farbstoff:
Die Pflanzen selber enthalten keinen Indigo, sondern in den Blättern den Stoff Indican, welcher erst schrittweise in Indigo umgewandelt werden muss.

Die Blätter werden vor der Blüte gesammelt, gebündelt und geschichtet. Sie werden dann mit Wasser bedeckt, nach Zusatz von Glucose kommt Lauge zur Alkalisierung (z.B. Ammoniak) hinzu. Mit Luftsauerstoff (durch schlagen oder Schaufelräder eingebracht) bildet sich nun der wasserunlösliche, blaue Farbstoff und fällt aus, so dass er abgetrennt werden kann.

Da reines Indigopulver wasserunlöslich ist, muss er vor dem Färben in das wasserlösliche Indigo-weiß (Indigoküppe) umgewandelt werden; (heute Reduktion mit Natriumdithionit). Diese Umwandlung in eine wasserlösliche Form nennt man auch Verküpung. Nach dem Färbeprozess wird das Indigo durch Oxidation wieder hergestellt. Die gefärbten Stoffe sind zunächst intensiv gelb. Dazu wurden früher die gelblich gefärbten Stücken auf Wiesen gelegt, wo sie dann durch den Luftsauerstoff oxidiert wurden und die Stoffe sich dann blau färbten (blau machen).

Dieser Reduktionsprozess erzeugt giftige schwefelhaltige Abwässer, welche nicht abgebaut werden können. Entsprechend sind die Küpenfärbereien ökologisch bedenklich.

Indigo Blätter

Grüne Farbtöne durch Indigo kann man durch Beimischung von Reseda (Färberwau) erreichen.

Indigo gehört zu den Küpenfarbstoffen, welche sich dadurch auszeichnen, dass das Farbmolekül keine chemische Verbindung mit der Stofffaser eingeht. Die Farbstoffe haften lediglich auf der Faseroberfläche.

Indigo kann heute im Handel in kleinen Blöcken erworben werden und wird z.B. noch zum Färben von Denim-Stoffen genutzt. Je Jeans sind etwa 10g Indigo-Farbstoff notwendig. Auch heute noch wird Indigo wegen seiner guten Farb- und Lichtechtheit gern eingesetzt.

1878 konnte der Farbstoff Indigo erstmals durch Adolf von Baeyer vollständig künstlich hergestellt werden. Alle Ausgangsstoffe dazu können aus Erdöl gewonnen werden. Etwa 20 Jahre später wurde Indigo in großem Maßstab industriell von der BASF (Badische Anilin- und Sodafabrik) hergestellt und hat den Indigo aus pflanzlichen Rohstoffen weitgehend verdrängt. Der künstliche Indigo hat einen etwas dunkleren Farbton und eine wesentlich höhere Farbintensität.

Dem Indigo chemisch nahe verwandt ist der Purpur-Farbstoff, welcher aus dem farblosen Schleim der Atemhöhle der Purpurschnecke gewonnen wird. Allerdings ist die Ausbeute sehr gering, so dass der Purpur der herrschenden Schicht vorbehalten blieb, da auch eine künstliche Herstellung nicht möglich war. Mit dem Auftreten der synthetischen Farben ist die Purpurfärberei zum Erliegen gekommen.

Neben Indigofera tinctoria  können auch die Indigopflanzen Indigofera suffruticosa oder Indigofera arrecta  zur Gewinnung von Indigo genutzt worden.

Vor einigen Jahren gelang es den Indigofarbstoff aus Bakterienstämmen zu gewinnen, was evtl. ein ökologisch alternatives Verfahren zu den chemischen Prozessen darstellen könnte.

Indigo Blüten Nahaufnahme



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