Ackerwinde

Ackerwinde (Convolvulus arvensis)

Gattung: Winden (Convolvulus)
Familie: Windengewächse (Convolvulaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00288

Siehe auch: Arzneipflanzen Giftpflanzen


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Die Ackerwinde ist eines der bekanntesten und schönsten Ackerunkräuter unserer Heimat. Sie gehört zu der Familie der Windengewächse, welche vor allem in den Tropen Asiens und Amerikas ihren größten Verbreitungsschwerpunkt haben.

Die Ackerwinde ist in fast ganz Europa verbreitet und fehlt nur in Teilen Skandinaviens. In Höhenlagen ist sie bis etwa 1.800 Meter anzutreffen. Sie bevorzugt lockeren, lehmig-tonigen Boden mit hohem Stickstoffanteil in sonniger, nicht zu feuchter Lage. Daher gilt sie auch als Zeigerpflanze für stickstoffhaltige Böden. Sie fehlt weitgehend in Gegenden mit ausgeprägten Sandböden.

Typischerweise besiedelt sie Äcker, Bahndämme, Schuttplätze, Wegränder oder Ödland. Sie kommt sehr häufig vor und ist daher auch nicht geschützt.

Ackerwinde Habitus

Es handelt sich um eine mehrjährige, krautige, niederliegende oder rankende Pflanze mit einer Wuchslänge von 40 – 80 cm und kahlen, schlanken Stängeln. Sie breitet sich auf dem Boden aus, solange Licht und Platz vorhanden sind. Trifft sie auf hochwüchsige Pflanzen (z.B. Getreide) beginnt sie an den fremden Stängeln in Linkswendungen empor zu ranken. Die Ackerwinde führt dazu durch unterschiedlich starkes Wachstum der Stängelspitze Suchbewegungen aus, dabei umstreicht sie in ca. 1 – 2 Stunden einen fast vollständigen, einige Zentimeter umfassenden Kreis auf dem Boden. Die höheren Pflanzen werden so von der Ackerwinde in ihrem eigenen Wachstum gehemmt. Dabei werden ihnen keine Nährstoffe entzogen, wie durch den Klappertopf, sondern nur der Boden in dem beide Pflanzen wachsen.

Die wechselständigen, gestielten, gut 4 cm langen Blätter wachsen am Grund pfeil- oder spießförmig. Die Blattränder verlaufen im Mittelteil fast parallel. Die Blattspreite ist länger als die Blattstiele. Die Blätter sind etwa 3 – 5 mal so lang wie breit.

Ackerwinde Blütenstand

Die etwa 2 - 4 cm breiten und 1,5 – 3 cm langen, trichterförmigen, fünfzähligen Blüten sind meist weiß-rosa gestreift, können aber auch nur weiß oder rosa gefärbt sein. Sie sind angenehm duftend und stehen zu 1 – 3, kantig gestielt in den Blattachseln der mittleren und oberen Blätter. Die Blütenknospen leuchten intensiv rosa. Die Blüte besitzt kleine, abgerückte, fast fadenförmige Vorblätter. Der Kelch ist am Grund verwachsen und in fünf ovale, ungleich lange (3 längere und 2 kürzere) Zipfel zerteilt. Der Fruchtknoten ist oberständig mit zwei fadenartigen Narben am Griffel. Fünf Staubblätter mit Drüsenhaaren im unteren Teil vorhanden. Die Blüten werden von vielen Insekten besucht, wobei sich diese zu dem Blütengrund begeben, wo der Nektar von schuppenartigen Drüsen abgesondert wird.

Gewundene Ackerwinde

Die sich nur bei Sonne öffnenden, zarten Blüten sind meist gegen 07:00h aufgeblüht und schließen sich am frühen Nachmittag, nach diesem einen Tag sind sie dann meist bereits verblüht.

Die Ackerwinde blüht zwischen Mai und Oktober.

Die kleinen Samen in den zweifächrigen, kugeligen Kapselfrüchten sind 3 – 4 mm lang. Da die Ackerwinde nur wenig Samen produziert, erfolgt die Verbreitung weitgehend vegetativ.

Sie verbreitet sich, neben den Samen, auch über ihre weißlichen, unterirdisch tief kriechende Rhizome (Wurzelsprosse) und ist als Unkraut nur sehr schwer auszurotten, da selbst kleineste Wurzelreste schnell wieder ausschlagen können. Unter der Erde bildet sich ein dichtes Netz von Wurzelsträngen aus, aus denen die Pflanze immer neu austreibt.

Im Garten vorsichtig entfernte Ackerwinde sollte niemals auf den Kompost, da sie von dort sofort wieder neu wuchert.

Die Ackerwinde sieht der Zaunwinde sehr ähnlich, diese besitzt allerdings deutlich größere, rein weiße Blüten und anders geformte Blätter.

Ackerwinde als Arzneipflanze
Früher wurde die Ackerwinde als Heilpflanze zum Abführen eingesetzt, vor allem aufgrund der Gerbstoffe in ihren Blättern. Die getrockneten Blätter sind heute z.T. noch Abführtees beigemischt.

Zudem enthält die Ackerwinde psychoaktive Alkaloide (Lysergsäure-Alkaloide - Halluzinogene) und wurde früher ähnlich wie der Stechapfel oder die Tollkirsche in Hexensalben oder Tränken verwendet.

Knospe Ackerwinde

Ackerwinde als Giftpflanze
In den Wurzeln und Blättern der Ackerwinde finden sich Harz-Glykoside, daher wirkt sie schwach giftig mit abführender Wirkung.



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