Gemeine Springspinne

Gemeine Springspinne (Evarcha falcata syn. Evarcha flammata)
syn. Sichel-Springspinne

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Familie: Springspinnen (Salticidae)
Gattung:
Evarcha

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00283

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Die Gemeine Springspinne ist eine der häufigsten und weit verbreiteten Springspinnen in Mitteleuropa und Deutschland. Sie gehört, wie die Schwarze Springspinne, zu den artenarmen Gattung Evarcha, welche mit nur 3 Arten in Mitteleuropa vertreten ist.

Sie lebt vorzugsweise in sonnigen Waldrandbereichen und in dicht bewachsenen Waldlichtungen, an Hecken und auf Wiesen. Typischerweise bewohnt sie die niedere Gras- und Krautschicht, in der sie sich springend fortbewegt.

Besonders im Frühsommer kann man sie häufig auf Gräsern entdecken.

Die Gemeine Springspinne fällt durch einen starken Sexualdimorphismus auf. D.h. Männchen und Weibchen unterscheiden sich stark in der äußeren Erscheinung. Die dekorativ gezeichneten Männchen besitzen eine weiße Querbinde hinter den Frontalaugen.

An den Seiten des Vorderkörpers (Prosoma) laufen zwei weißliche Binden. Der von den Augen eingeschlossene rückwärtige Bereich ist hellbraun und tiefer danach fast schwarz gefärbt. Der Hinterleib besitzt eine hellbraune Blattzeichnung, mit einem erst fast schwarzen und weiter außen breiten weißen Rand. Zudem besitzt er dunkle und weißliche Schrägflecken. Die Pedipalpen der Männchen sind grau-braun und mit weißlich bis gelblichen Haaren bedeckt.

Den Weibchen fehlen vor allem die weißen Bereiche am ganzen Körper, so dass sie fast durchgängig rotbraun bis graubraun (mit dunklerem Vorderkörper) wirkt und so leicht mit den Weinchen der Schwarzen Springspinne (Evarcha arcuata) verwechselt werden kann. Auf dem Hinterleib besitzt das Weibchen oftmals dunkle Schrägflecken.

Die Männchen der Gemeinen Springspinne erreichen eine Körpergröße von etwa 5 mm (ohne Beine) und die Weibchen 6 – 8 mm. Für Springspinnen sind dies durchschnittliche Körpergrößen.

In der Paarungszeit von Ende Mai bis Juni nähern sich die bunten Männchen den räuberischen Weibchen. Um sie für sich zu gewinnen, führen sie oftmals einen Balztanz auf. Während der Paarung trägt das Weibchen das Männchen umgekehrt auf dem Rücken stundenlang umher. Dabei ist sie auch noch in der Lage Sprünge auszuführen. In unregelmäßigen Abständen lässt sich das Männchen herab und führt einen Taster ein.

Die Reifezeit liegt zwischen Mai und August.

Die Gemeine Springspinne besitzt, wie alle Springspinnen, die Fähigkeit über weite Strecken exakt zu springen. Würde dies durch ihre Muskulatur lösen, brächte sie riesige Muskelpakte. Daher lösen Springspinnen dies auf hydraulische Weise. Sie können mit Ihrem Blut einen sehr hohen Druck aufbauen und dieses Blut gezielt in die Beine schießen lassen, was zu einer Bewegung nach oben und nach vorn führt. Dieses „Blut-Einschießen“ in die Beine kann sehr exakt durch geführt werden, so dass Springspinnen immer exakt dort laden wo sie hinwollen, auch wenn es 10-20 cm entfernt ist. Neben dem Angriff auf kleine Beuteinsekten, dient diese Sprungkraft auch der Flucht bei Gefahr. Die Sprungweite kann etwa das 20-fache der Körpergröße betragen.

Ergänzend dazu besitzt die Gemeine Springspinne ein hervorragendes Sehvermögen. Am auffälligsten sind die großen Augen der Springspinne. Nach vorn sind zwei Augenpaare gerichtet. Die großen mittleren, scheinwerferartigen Augen können ähnlich einem Fotoobjektiv mit zwei Linsen ihren Fokus und die Brennweite frei bewegen. Zudem kann sich die Netzhaut verschieben und so einen anderen Blickwinkel ermöglichen. So können sie einen großen Bildwinkel scharf betrachten. Ähnliches gilt für die kleineren Augen an der Kopfseite. Daher glaubt man manchmal (bei entsprechender Vergrößerung im Makroobjektiv) ein Flackern in den Augen zu erkennen, wenn die Muskeln die Brennweite neu einstellen. Insgesamt besitzt die Springspinne ein Gesichtsfeld von fast 300 Grad.

Bei einem optischen Reiz in größerer Entfernung, wird das Objekt zunächst mit den Seitenaugen beobachtet. Kommt es dann näher (ab etwa 20 cm) kommen die großen mittleren Augenpaare zum Einsatz. Sie können auch Entfernungen exakt bestimmen. Sich bewegende Objekte können sie mit den Augen verfolgen, ohne den Kopf zu bewegen. Sie können auf nahe Entfernungen besser als ein Mensch sehen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Spinnen, welche mehr tasten und auf Erschütterungen reagieren, sind die Springspinnen völlige Augentiere.

Gemeine Springspinne

Zudem können Springspinnen, wie viele andere Spinnen auch, bequem an Decken, Pflanzen oder Wänden laufen; ohne Probleme auch kopfüber. Durch ihre vielen Haare (einige 10.000 je Bein) haften sie physikalisch am Untergrund fest, da jedes Haar eine schwache physikalische Verbindung mit der Wand aufbaut; in der Menge der Haare wird diese Verbind sehr stabil. Untersuchungen haben gezeigt, dass Springspinnen mehr als das 150fache ihres Körpergewicht an der Decke tragen können ohne herab zu fallen.

Auf der Jagd schleichen sich Springspinnen ähnlich wie Katzen an ihre Beute heran und überbrücken die letzten Zentimeter mit einem gezielten Sprung.

Weibchen der Gemeinen Springspinne
Weibchen der Gemeinen Springspinne



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