Breitblättriges Knabenkraut

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza fistulosa syn. Dactylorhiza majalis, Orchis fistulosa) syn. Breitblättrige Fingerwurz, Kuckuckusblume

Gattung: Knabenkraut sy, Fingerzwurz (Dactylorhiza)
Familie: Orchideengewächse (Orchidaceae)
Ordnung : Orchidales
Klasse: Einkeimblättrige (Monocotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00282

► Siehe auch: Orchideen

Blume des Jahres 1994


Das Breitblättrige Knabenkraut ist in ganz Europa heimisch, allerdings kommt es zunehmend seltener vor und ist in vielen Gebieten im Bestand gefährdet. Diese Art ist daher gesetzlich geschützt. Häufig bildet das Breitblättrige Knabenkraut Bastarde mit dem Fleischfarben Knabenkraut, aber auch eine Hybridbildung mit anderen Knabenkräutern ist möglich.

Es besiedelt sonnige kalk- und nährstoffarme, nasse Wiesen, Flachmoore, Gräben und lichte Sumpflandschaften. Längere Überflutungen im Winter schaden ihm nicht. Es kommt auf geeigneten Wiesen in kleinen Trupps (Foto) vor. Oft findet man es vergesellschaftet mit der Kuckucks-Lichtnelke. Diese Art wird jedoch durch zunehmenden Eintrag von Düngemitteln (Stickstoff) zunehmend seltener. Es ist aber toleranter gegenüber Stickstoffeinträgen, als z.B. das Fleischfarbene Knabenkraut.

Knabenkraut

Es handelt sich um eine etwa 20 – 50 cm hohe, sehr kräftige Pflanze. Der grüne, hohle, aufrechte Stängel ist oftmals violett überlaufen und im oberen Bereich kantig. Im Frühjahr entwickeln sich die kräftigen oberirdischen Laubblätter.

Die 4 – 7 breit-lanzettlichen, etwa 10 cm langen, matt-grünen Blätter wachsen langscheidig, fast Stängel umfassend und sind bräunlich-violett gefleckt.

Meist beginnen die untersten Blüten schon zu blühen, bevor der Stängel ausgewachsen ist.

Blüten Breitblättriges Knabenkraut

Die dunkelvioletten Blüten besitzen eine etwa 1 cm lange dreilappige Unterlippe mit vorgezogenem Mittellappen und schwach gezähnten Seitenlappen. Auf dem hellen Zentrum der Unterlippe findet sich eine typische schleifenförmige, violette Zeichnung. Der Mittellappen ist ungeteilt und dient als Landeplatz für Insekten. Die kräftigen Hochblätter (Tragblätter) sind deutlich länger als die Blüten. Der Sporn (etwa so lang wie der Fruchtknoten) ist leicht abwärts gebogen. Der dunkelpurpurne, etwa 9 – 13 mm lange und 2 – 3 mm breite Fruchtknoten wächst gedreht. Die seitlichen, eiförmig-lanzettlichen Kelchblätter (Sepalen) sind zurückgeschlagen. Die mittleren Kelchblätter bilden mit den Kronblättern (Petalen) eine Art Helm aus. Der unterständige, einfächrige Fruchtknoten ist aus 3 verwachsenen Fruchtblättern aufgebaut.

Der dichte, aufrechte, fast walzenartige, aus fast 50 Einzelblüten bestehende Blütenstand wächst als Scheintraube allseitswendig und ist bereits im Knospenzustand frei und nicht von einem Stängelblatt eingeschlossen.

Wie alle Arten der Gattung Knabenkraut ist auch das Breitblättrige Knabenkraut eine Nektartäuschblume, d.h. sie besitzt einen Sporn um Insekten anzulocken, produziert aber in diesem keinen Nektar. Die Pollenpakete sind mit einem Stiel und einer Klebscheibe versehen. Bei dem oben beschriebenen Versuch an den Nektar zu gelangen, klebt das Pollenakte an dem Kopf des Insekts fest und gleichzeitig wird die Narbe zur Befruchtung freigelegt.

Das Breitblättriges Knabenkraut blüht von Mai bis Anfang Juli.

Die Kapselfrüchte erreichen ihre Fruchtreife ab Mitte Juli. Die Kapsel enthält viele feine, staubkorngroße Samen ohne Nährgewebe (Endosperm), die nur mit Hilfe von Pilzhyphen keimfähig sind. Dabei erschließen die Pilze wichtige Nährstoffe für den Orchideen-Keimling, da diesem in den Samen die Nährstoffe für das Wachstum fehlen. Im Gegenzug können sich die extrem leichten Samen mit dem Wind sehr weit verbreiten.

Die blühende Pflanze entsteht aus der Mutterknolle des Vorjahres, die nach der Blüte abstirbt. Dafür bildet sich eine neue Tochterknolle aus der im nächsten Jahr eine neue Pflanze entsteht. Zur Blütezeit bestehen so zwei handförmig geteilte Knollen. Die Knollen sind jeweils 3 -4 teilig. Neben der Vermehrung über Samen, kann sich das Knabenkraut auch über die Bildung von mehr als einer Tochterknolle vermehren.

Der deutsche Gattungsname Fingerwurz hat seinen Ursprung in den fingerartig gespaltenen Knollen.



Alle gezeigten Texte und Bilder unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Eine Kopie oder Nutzung ausserhalb des Natur-lexikon.com, ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Autors / Fotografen gestattet. Eine Einbindung der Bilder in fremde Webseiten ist grundsätzlich nicht gestattet. Mit der Nutzung der Website Natur-Lexikon.com stimmen Sie der Nutzung von Cookies und der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google zu. Weitere Details entnehmen Sie den Informationen zum Datenschutz. Die gezeigten Inhalte dienen der Weiterbildung.

Breitblättriges Knabenkraut

Natur-Lexikon.com