Hoher Rittersporn

Hoher Rittersporn (Delphinium elatum)
syn. Stauden-Rittersporn

Gattung: Rittersporne (Delphinium)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Ordnung : Hahnenfußartige (Ranunculales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Website: http://www.natur-foto.com

Dokument: MZ 00275

Siehe auch: Giftpflanzen Arzneipflanzen Gartenpflanzen

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Der Hohe Rittersporn ist eine eher seltene Staudenpflanze der Bergwelt in den Alpen, Pyrenäen und Nordasien, soweit wir ihr nicht in unseren Gärten begegnen. Sie wächst bevorzugt auf kalkreichen, durchlässigen Böden mit ausreichend Nährstoffen und Luftfeuchte in subalpinen 1.000 – 2.000 Metern Höhe. Man findet ihn z.B. auf Hochstaudenfluren, in Berghängen, in lichten Gebirgswäldern oder Mulden.

Der Hohe Rittersporn ist als Wildpflanze selten und kommt nur sehr zerstreut vor, bzw. fehlt in vielen Gebirgsgegenden Europas (z.B. in dem deutschen Alpengebiet) ganz. Zudem kommt er in den Gebirgen Nordamerika und Asiens vor. Er gehört zu der großen Gattung Delphinium, welche mit etwa 400 Arten weltweit vertreten ist. Die Bezeichnung der Art Delphinium elatum kommt aus dem Lateinischen wo elatum „hoch“ bedeutet.

Habitus Hoher Rittersporn

Im Gegensatz zu dem einjährigen Acker-Rittersporn (Gattung Consolida) sind die Rittersporne der Gattung Delphinium mehrjährig. Die aufrechten Stängel sind kahl oder wenig behaart. Er reicht eine Wuchshöhe von 0,5 bis 2 Meter.

Der Hohe Rittersporn wächst aufrecht und besitzt wechselständige, handförmig, 3 – 7-fach tief geteilte, dunkelgrüne Stängelblätter. Die ungleichmäßigen Abschnitte sind einfach oder mehrfach geteilt. Die unteren Blätter sind lang gestielt.

Die zahlreichen, auffälligen, blauen Blüten stehen gestielt in lockeren Rispen oder dichten endständigen Trauben am Stängel. Von den fünf blau gefärbten Kelchblättern sind die unteren vier oval geformt und das obere zu einem an der Spitze abwärts gebogenem Sporn ausgestülpt (was zu dem Namen Rittersporn geführt hat). Die Blüten sind zweiseitig-symmetrisch. Ohne den Sporn haben sie einen Durchmesser von etwa 2 – 3,5 cm. Der an der Spitze abwärts gebogene Sporn ist mind. so lang, wie das entsprechende Blütenblatt. Etwa 3 – 10 mehrsamige, kahle oberständige Fruchtknoten sind vorhanden. Die 4 dunkelbraunen Honigblätter sind auf der Innenseite weiß beharrt und nicht verwachsen; hierin (und dem Vorhandensein der beiden seitlichen Kronblätter) unterscheidet sich vor allem die Gattung Delphinium von der Gattung Consolida. Die oberen zwei Honigblätter sind gespornt und ragen in das Blütenhüllblatt hinein. Die vielen Staubblätter sind am Grund verbreitert. Er besitzt drei Fruchtblätter und entsprechend dreiteilige Samen.

Blüte Rittersporn

Der Nektar wird am Grund des Sporns abgesondert, wo er nur von Hummeln mit ihren langen und kräftigen Rüsseln erreicht werden kann.

Der Hohe Rittersporn blüht zwischen Ende Mai und Ende Juli.

Die Balgfrüchte, mit mehreren Samen je Balg, erreichen eine Länge von etwa 1 cm. Ihre dreieckigen, schwarzen Samen sind mit runden Schuppen bedeckt.

Von dem Hohen Rittersporn werden 3 Unterarten unterschieden:
Ssp. elatum
Bei der am häufigsten vorkommenden Sippe ist das unterste Blütenblatt doppelt s lang wie breit. Sie sind schmaler als die seitlichen Blütenblätter.

Ssp. austriacum
Bei dieser seltenen Sippe sind die obersten Blütenblätter gelblich bis blaß

Ssp. helveticum
Bei dieser auch sehr seltenen Sippe sind die untersten Blütenblätter 3 mal so lang wie breit. Die seitlichen Blütenblätter sind ebenso schmal.

Der Hohe Rittersporn als Giftpflanze
Der Hohe Rittersporn (wie auch die anderen Ritterspornarten) enthält besonders in den Samen verschiedene hochgiftige Alkaloide vom Diterpen- und Norterpentyp (z.B. Delphelin, Methylaconitin, Delatin und Elatin)  in geringen Mengen, so dass man ihn insgesamt als schwach giftig einstufen kann. Diese Alkaloide kommen bekannterweise vor allem in dem extrem giftigen [Blauen Eisenhut] vor, allerdings in deutlich höherer Konzentration.

Der Vergiftungsverlauf entspricht in etwa dem des Blauen Eisenhutes. Dabei wirken die Alkaloide zunächst zentral anregend und danach schnell lähmend auf die Nervenbahnen. Nach Aufnahme größerer Mengen giftiger Alkaloide, kann es zu Kribbelgefühlen an den Nervenbahnen, Übelkeit, Erbrechen und Muskelzuckungen kommen. Der Tod kann später durch Atemlähmung oder Herzversagen eintreten, was aufgrund der nicht so starken Giftwirkung extrem selten vorkommt. Bei Vergiftungen kann nach der primären Giftentfernung (z.B. Erbrechen) medizinische Kohle und Abführmittel gegeben werden. Bei Hautkontakt müssen die betroffenen Stellen umgehend gründlich abgewaschen werden.

Der Hohe Rittersporn ist ebenfalls tiergiftig, z.B. für Hunde, Katzen, Hasen und Pferde.

Der Hohe Rittersporn als Arzneipflanze
In der russischen Volksmedizin wurde er als Wurmmittel, zur Insektenbekämpfung und als Entwässerungsmittel eingesetzt.

Der Hohe Rittersporn als Gartenpflanze
Der Hohe Rittersporn ist eine seit Jahrhunderten beliebte, unkomplizierte Gartenpflanze für Staudenbeete, Rabatte, Mauerbeete oder in großen Kübeln in Sonnenlage. Der mehrjährige Hohe Rittersporn ist eine wunderschöne, weithin sichtbare Staudenpflanze mit auffälligen, blauen Blüten als Blickfang. Er bildet sehr schnell kleine Horste. Sein kräftiger Stängel mit dem aufrechten, geraden Wuchs und die dichten Blüten machen ihn auch als Schnittblume und Trockenpflanze beliebt. Für die Nutzung als Schnittblume müssen die Pflanzen frühzeitig, bei dem Aufblühen der ersten Blüte geschnitten und später regelmäßig gegossen werden.

Da der Hohe Rittersporn giftig ist, sollte er in Gärten mit Kindern nicht angepflanzt werden. Er benötigt durchlässige, frische, sandig-lehmige Böden mit ausreichend Nährstoffen in sonniger Lage. Auf keinen Fall sollte dem Boden Rindenmulch beigegeben werden, etwas Humus mit Hornmehl ist deutlich besser geeignet. Es bietet sich zudem eine jährliche Herbstdüngung an.

Er kann aus Samen (generative Vermehrung) gezogen oder von einer bestehenden Pflanze (vegetative Vermehrung) abgenommen werden. Eine Teilung des Wurzelstocks sollte alle 4 – 6 Jahre erfolgen. Der Hohe Rittersporn ist ein Kaltkeimer und ein Lichtkeimer, benötigt aber nicht zwangsweise Kälte und Licht. Die Keimzeit beträgt etwa 4 Wochen. Nach etwa 8 Wochen können die Pflanzen pikiert werden. Die Auspflanzung kann im Frühjahr oder Herbst erfolgen. Der Pflanzabstand kann gut 50 – 70 cm betragen. Er sollte in Trockenperioden gelegentlich gegossen werden, da er intensive Trockenheit schlecht verträgt. Der Boden muss aber nicht dauerhaft feucht sein.

Die kräftigen Blütenstände müssen gegebenenfalls gestützt oder angebunden werden. Ein kräftiger Rückschnitt (bis 30 cm über dem Boden) nach der ersten Blüte kann im Frühherbst zu einer zweiten Blüte führen. Im Herbst kann dann der Hohe Rittersporn weiter zurückgeschnitten werden. Werden die Blüten nicht abgeschnitten kann es sehr zu einer oft umfangreichen Selbstaussaat kommen. Ein Winterschutz ist nicht notwendig, die Pflanze ist frosthart.

Im Handel finden sich viele Zuchtsorten (Hybride), die sich vor allem in der Blütenfarbe (Weiß, Rot und Blautöne) oder als gefüllte und ungefüllte Blüten unterscheiden.



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