Wermut

Wermut (Artemisia absinthium)
syn. Bitterer Beifuß, Absinth
Engl.: Vermouth, Wormwood

Gattung: Beifuß syn. Wermut (Artemisia)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Ordnung: Korbblütengewächse (Asterales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00269

Siehe auch: Arzneipflanzen Gartenpflanzen Gewürzpflanzen Giftpflanzen

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Der Wermut steht fast synonym für einen bitteren Geschmack. Dies spiegelt sich z.B. im dem Ausdruck Wermutstropfen wider. Er gehört zu den Arzneipflanzen mit dem höchsten Anteil an Bitterstoffen (Bitterkräuter), welche in Mitteleuropa heimisch sind.

Der Wermut ist in fast ganz Mittel- und Südeuropa, Nordafrika bis nach Asien verbreitet bzw. aus Kulturen verwildert. Neben Europa wird Wermut auch in den USA angebaut. Ursprünglich ist er in Europa und Westasien heimisch. Er bevorzugt stickstoffreichen, kalkhaltigen Boden, der sandig oder steinig sein kann, in trockener, sonniger Lage. Böden mit hohem Salzgehalt meidet er nicht. Man findet ihn auf Ödland, Schuttplätzen, Bahngleisen oder Wegrändern. Er gehört zu der typischen Ruderalflora. In Höhenlagen kommt er bis etwa 2.000 Meter Höhe vor. Mit dem Rückgang der Ödflächen ist auch der Wermut in Deutschland seltener geworden.

Es handelt sich um einen mehrjährigen, 40 – 100 cm hohen, krautigen Halbstrauch mit sehr starkem Aroma. In den ersten zwei Jahren bildet sich zunächst nur ein Halbrosettenstrauch von etwa 20 – 30 cm Höhe; in dieser Zeit ist der Wermut noch frost- und dürreempfindlich. Insgesamt kann er ein Alter von 4 – 10 Jahren erreichen.

Wermut Habitus

Der aufrechte, geriefte Stängel ist graufilzig behaart, im Blütenstandsbereich stark verästelt und am Grund oftmals verholzt. Die beiderseits silbrig-filzig behaarten, wechselständigen Stängelblätter mit ihren lineal-lanzettlichen Zipfeln sind im unteren Bereich dreifach und im oberen Bereich zweifach gefiedert. Die unteren Stängelblätter sind lang gestielt. Die Blattstiele sind am Grund verbreitert, jedoch nicht Stängel umfassend. Die oberen Blätter wachsen fast sitzend am Stängel. Die Stängel und deren Verzweigungen enden in Blütenrispen. Die gesamte Pflanze ist filzig behaart und erhält so einen typischen Grauschimmer.

Die nickenden, kleinen (4 – 5 mm im Durchmesser) Blütenköpfe mit ihren etwa 25 – 40 gelben Röhrenblüten (äußere Blüten sind weiblich, die inneren Scheibenblüten zwittrig) wachsen kugelig bis körbchenförmig und bilden große, stark verästelte zusammengesetzte Rispen, mit aufsteigenden Seitenästen am Stängelende aus. Der behaarte Blütenboden ist flach und ohne Spreuschuppen. An einer Pflanze können sich mehr als 1.000 Blütenköpfchen befinden. Die kleinen Körbchenstiele sind ebenfalls grau-filzig behaart. Zungenförmige Randblüten sind nicht vorhanden. Die braunen inneren Hüllblätter sind eiförmig, trockenrandig und auch graufilzig behaart. Die äußeren Hüllblätter sind schmal-lanzettlich geformt. Der Fruchtknoten ist unterständig; es sind 5 Staubblätter vorhanden. Die Staubbeutel sind miteinander verklebt.

wermut Blätter

Der Wermut blüht zwischen Juli und September. Die Blütenbestäubung erfolgt in der Regel durch Wind und nur selten durch Insekten. Die Früchte sind eiförmige, längs fein gerillten Achänen, welche etwa 1,5 mm lang sind und keinen Haarkranz besitzen. Sie sind für einige Jahre keimfähig.

Die gesamte Pflanze besitzt einen stark bitteren Geschmack. Dieser bittere Geschmack stammt von einem Abwehrsekret (vor allem aus Bitterstoffen) gegen Fressfeinde, welches in den Drüsenhaaren des Wermuts gebildet wird. Bei den Drüsenhaaren handelt es sich um sogenannte T-Haare mit einem Stiel aus 2 – 5 Zellen und einer oben quer liegenden Endzelle. Gelangen diese Stoffe mit dem Regen in den Boden sollen sie auch Konkurrenzpflanzen am Wachstum hindern. Zerreibt man einen kleinen Pflanzenteil, kann man den Geruch besonders gut wahrnehmen.

Wermut Blütenstand

Der Wermut als Arzneipflanze
Wermut war in der Vergangenheit eine stark geschätzte Bitterstoff-Arzneipflanze, die heute (aufgrund ihrer schwach giftigen Inhaltstoffe) eher als problematisch einzustufen ist. Arzneiliche Verwendung finden die getrockneten, zur Blütezeit geernteten oberen Sproßteile (Zweigspitzen) und Laubblätter des Wermuts, mit nicht mehr als 4 mm dicken Stängeln. Wermutkraut (Absinthii herba) ist eine Arzneidroge mit einem hohen Gehalt von ätherischen Ölen (z.B. Thujon bzw. Absinthol), welches auch die hochwirksamen Bitterstoffe (z.B. Absinthin und Artabsin) enthält. Absinthin ist der für den hohen Bitterwert verantwortliche Inhaltstoff. Zudem finden sich Flavonoide und Gerbstoffe in der Pflanze. Die Bitterstoffe sind auch für den streng bitteren Geschmack der Droge verantwortlich.

Der Erntezeitpunkt ist wichtig für die Wirksamkeit der Pflanze. Zum Zeitpunkt der Vollblüte ist der Bitterstoffgehalt fast doppelt so hoch wie zuvor.

Das im ätherischen Öl enthaltene Thujon ist eine giftige Substanz, daher können größere Mengen oder eine längere Aufnahme von Wermutkraut, bzw. dessen Zubereitungen, zu Vergiftungen führen. Daher wird z.B. für die Likörproduktion kein ätherisches Öl mit Thujon, sondern nur die Bitterstoffes des Wermuts eingesetzt. In vielen Ländern dürfen seit etwa 100 Jahren auch keine alkoholischen Destillat-Zubereitungen mit Wermut (Absinthschnaps) hergestellt werden, da sie stark süchtig machen und betäubend bis halluzinogen wirken. Wermut verstärkt zudem die Wirkung des Alkohols stark. Das giftige Thujon kann in einem Extraktionsverfahren weitgehend entfernt werden.

Der Wermut führt aufgrund seiner Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone) zu einer starken, reflektorischen Steigerung der Verdauungssaftproduktion. Er wird als Amarum aromaticum (appetitanregendes Bittermittel mit ätherischem Öl) bei Verdauungsstörungen, Leber- und Galleleiden und Appetitlosigkeit verwendet. In der Homöopathie wird Wermut auch bei Reizbarkeit und Magenbeschwerden genutzt.

Volkstümlich diente er auch der Bekämpfung von Wurmkrankheiten (daher der englische Name „wormwood“), zur Fiebersenkung, zur Regulierung der Monatsblutungen, sowie äußerlich bei Wunden und Quetschungen.

Wermut kann als Tee, Abkochung, Aufguss oder Tinktur zubereitet werden. Allerdings dabei sollte sein intensiv bitterer Geschmack bedacht werden! Für die Teezubereitung wird etwa ½ Teelöffel mit 150ml heißem Wasser übergossen und ca. 10 min ziehen gelassen. Falls dies noch zu bitter schmeckt, kann man die Menge Wermut deutlich reduzieren! Wässrige Wermutauszüge enthalten nur wenig Thujon und sind entsprechend, ganz im Gegensatz zu alkoholischen Extrakten, kaum gefährlich.

Die Aufnahme von bis zu 3 Tassen Wermuttee oder etwa 30 Tropfen Wermuttinktur sollten jedoch am Tag trotzdem nicht überschritten.

Wermut wird auch in vielen Fertigarzneimitteln zur Anregung der Leber- und Gallefunktionen verwendet.

Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Wermut nicht angewendet werden. Bei Gallensteinleiden können die Gallensteine durch die Anregung des Gallenflusses in Bewegung geraten und so Koliken auslösen.

Der Wermut als Giftpflanze
Das im Wermut befindliche Thujon führt in größeren Mengen zu Durchfall, Erbrechen, Nierenschäden und zentralen Störungen (Schwindel, Wahnvorstellungen etc.) und Krämpfen. Thujon ist ein Nervengift und wirkt vor allem an den GABA-Rezeptoren. Längerer Missbrauch führt zu dem sogenannten Absinthismus, welcher u.a. mit motorischen und sensiblen Ausfällen, Degeneration bis zur Erblindung und Wahnvorstellungen einhergeht.

Eine zu hohe Dosis Wermut macht sich zunächst mit Kopfschmerzen und Schwindel bemerkbar.

Der Wermut als Gewürzpflanze
Wermut wird gern als verdauungsförderndes Gewürz zu fetten Speisen verwendet.
Verwendet werden die getrockneten Blätter junger Pflanzen. Kleine Mengen können unbedenklich zum Würzen verwendet werden.

Wermutwein wurde bereits in der Antike als Magenmittel eingesetzt. Für den Wermutwein wird oftmals der römische Wermut (Artemisia pontica) eingesetzt, welchem auch noch weitere aromatische oder bittere Kräuter (z.B. Zimt, Nelken, Pomeranzen oder Enzian) beigefügt werden. Auch in Getränken wie z.B. Pernot, Cinzano, Martini oder Pastis ist Wermut enthalten.

Der Wermut als Gartenpflanze
In Steingärten und Bauern- oder Gewürzgärten ist der Wermut eine häufig kultivierte Pflanze. In Mitteleuropa friert die mehrjährige Pflanze im Winter oft bis zum Boden ab. Er gedeiht auf fast allen durchlässigen Böden und benötigt einen sonnigen Standort.

Er kann mit Samen oder durch Stecklinge vermehrt werden. Bestehende Wermutpflanzen können im späten Herbst oder im Frühjahr geteilt werden. Die Aussaat kann im späten Frühjahr erfolgen; die Samen sollten nur wenig unter die Erde gedrückt werden. Der Pflanzabstand sollte etwa 30 cm betragen. Er ist ein schlechter Partner in Mischkulturen, in seinem direkten Umfeld gedeihen andere Pflanzen, bedingt durch die Abgabe von Abwehrsekreten in den Boden, nur schlecht.



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