Rizinus

Rizinus (Ricinus communis)
syn. Christuspalme, Hundsbaum, Wunderbaum, Läusebaum, Römische Bohne

Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Ordnung Wolfsmilchartige (Euphorbiales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00265

Siehe auch: Giftpflanzen Gartenpflanzen Arzneipflanzen

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Der Rizinus ist im gesamten Mittelmeergebiet durch Anbau und Verwilderung heimisch. Ursprünglich stammt der Rizinusstrauch aus den Tropen und Subtropen, wo er heute noch (z.B. Indien, Brasilien, China etc.) angebaut wird. In Mitteleuropa ist der Rizinusstrauch als Zierpflanze in Gärten verbreitet. In Südeuropa ist er oft auf Schuttplätzen und an trockenen Wegrändern zu sehen.

Als Kulturpflanze ist der sehr schnell wachsende Rizinus meist einjährig. Die strauchartig verzweigte, einhäusige Wildpflanze ist mehrjährig und erreicht eine Wuchshöhe von etwa 4 bis selten 12 Metern in den Tropen; in Mitteleuropa meist nur 2 - 3 Meter. Der Rizinus benötigt durchlässige Böden mit ausreichend Nährstoffen und Feuchtigkeit, allerdings kann er längere Dürreperioden unbeschadet überstehen.

Die großen, 30 - 50 cm breiten, schildartigen, gestielten, violettgrünen Blätter wachsen wechselständig bis spiralartig. Sie sind in 5 – 9 tiefe lanzettliche, gezähnte Abschnitte geteilt und haben ein handähnliches Aussehen. Die Blattstiele sind ebenfalls grün-violett gefärbt. Die aufrechten Stängel sind unbehaart und bei den Wildpflanzen baumartig verholzt.

Rizinus Blätter

Die eingeschlechtlichen Blüten stehen in den Blattachseln in rispigen Trauben. Im unteren Bereich finden sich die männlichen Blüten und oben die weiblichen Blüten. Die männlichen Blüten besitzen eine reduzierte, häutige Blütenhülle und zahlreiche, verzweigte, gelbe Staubblätter. Im Sommer sieht man eiförmige Ähren mit grüngelben, bis 2 cm lange Blüten. Die weiblichen Blüten haben eine abfallende Blütenhülle und einen oberständigen Fruchtknoten aus drei Fruchtblättern. Die Narben sind intensiv rot gefärbt (s. Foto). Die Pollenübertragung erfolgt vorzugsweise durch den Wind.

Der Rizinus blüht zwischen Juli und Oktober.

Die etwa 2 cm breiten. dreifächrigen, Kapselfrüchte besitzen eine weiche, stachelige Hülle. Sie enthalten 3 große, abgeflachte rotbraun-grauweiß marmorierte Samen. Sie haben eine sehr harte Schale und besitzen ein wurzelartiges Anhängsel (Caruncula), welches eine Besonderheit der Wolfsmilchgewächse ist. Die Samen enthalten viel fette Öle (bis zu 50%) und Eiweiße, hingegen kaum Stärke. Die Samen keimen sehr schnell, daher kann sich der Rizinus in geeigneten Gebieten (z.B. im Süden der USA) sehr schnell als Neophyt invasiv ausbreiten. Die Rizinussamen werden auch als Castorbohnen bezeichnet.

Die kräftige Wurzel ist stark verzweigt und wächst sehr schnell, um dem Strauch entsprechenden Halt zu bieten.

Rizinus Früchte

Rizinus als Giftpflanze
In den Samen findet sich ein hochgiftiges Lektin vom Glykoproteidtyp, welches Ricin genannt wird. Bereits 1 - 3 Samen reichen um ein Kind zu töten. Etwa 5 - 10 Samen sind die tödliche Dosis für Erwachsene (entspricht etwa 0,25 mg reines Ricin). Werden die Samen bei der Aufnahme gut zerkaut, sind auch bereits deutlich weniger Samen tödlich. Ricin ist eine der giftigsten Eiweißsubstanzen in der Natur. Es hemmt die Proteinbiosynthese und führt zu einem schnellen Absterben der kontaminierten Körperzellen. Ricin besteht aus zwei Untereinheiten, wobei eine Einheit die toxischen Merkmale (Effektor) besitzt und die andere Einheit (Haptomer) das Andocken und Eindringen in die Körperzellen ermöglicht. Zum anderen finden sich in den Samen noch Alkaloide vom Pyridin-Typ z.B. Ricinin.

Vergiftungen mit Ricin führen zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, massivem Flüssigkeitsverlust und Kreislaufzusammenbruch. Bei hohen Dosen kommt es zu einer Zersetzung von Körperzellen insbesondere des Verdauungstraktes, der Leber, Niere und Blutzellen und dem Tod innerhalb weniger Tage. Alle Symptome treten erst nach einigen Stunden auf, da zunächst die zelleigenen Enzyme noch aufgebraucht werden, aber durch die Hemmung der Proteinbiosynthese nicht mehr nachproduziert werden können.

Rizinus Blüten

Ein Gegengift zu Ricin ist nicht bekannt, daher muss bei entsprechenden Vergiftungen sofort eine Aktivkohlegabe (zur Giftbindung) bzw. ein Erbrechen erfolgen. Zudem muss unbedingt eine Magenspülung durchgeführt werden. Alle weiteren Maßnahmen in der Klinik hängen vom Grad der Vergiftung ab.

Vereinzelt ist isoliertes Ricin auch als Biowaffe / Atemwegskampfstoff eingesetzt worden bzw. der Einsatz geplant gewesen.

Rizinus ist auch stark tiergiftig. Daher sind sollten die eiweißhaltigen Pressrückstände der Rizinusölgewinnung nicht unbehandelt als Tierfutter genutzt werden. Auch der übliche Einsatz als Düngemittel ist bedenklich, da Rizinus bei vielen Menschen schwere Allergien vom Soforttyp auslösen kann und durch den Staub der Pressrückstände eine große Anzahl von Menschen mit diesem Allergen in Kontakt kommen kann. Auch der Kontakt mit den Blättern kann bei einigen Menschen Hautallergien auslösen oder verschlimmern.

Ebenfalls sind Vergiftungen durch Halsketten aus afrikanischen Rizinussamen bekannt, wo die Samen durchbohrt und bei kleinen Hautverletzungen Giftstoffe aus den Samen in den Blutkreislauf der Träger gelangt sind.

Rizinus als Arzneipflanze
Arzneilich verwendet wird das kaltgepresste Öl (Ricini oleum) aus der ersten Pressung der reifen Samen (Ricini semen). Es enthält zu großen Anteilen die Trigyceride der Ricinolsäure. Das hochgiftige Ricin ist fettunlöslich, daher sollte das kaltgepresste Öl weitgehend frei von Ricin sein. Kleine Restmengen des hochgiftigen Ricin werden durch Wasserdampfbehandlung entfernt. Eine weitere Pressung ist möglich, aus der das raffinierte Rizinusöl entsteht.

Rizinusöl hat einen schwachen, typischen Geruch und einen milden, kratzenden Geschmack.

Rizinusöl wird als dünndarmwirksames Abführmittel für Kinder und Erwachsene eingesetzt. Diese Wirkung beruht auf der im Darm gebildeten Riconolsäure, dessen Salz die Darmperistaltik stark anregt. Zur Bildung der Ricinolsäure sind die Gallensäuren und Verdauungssäfte (enzymatische Verseifung / Aufspaltung des Glycerids durch Lipasen) im Dünndarm) notwendig, bei einer gestörten Fettverdauung wird das Rizinusöl dementsprechend kaum wirken können.

Je nach Einnahmemenge tritt die abführende Wirkung schneller ein. Bei einem Teelöffel nach setzt die Wirkung nach etwa 8 Stunden, nach ein bis zwei Esslöffeln ca. 2 - 4 Stunden ein. Höhere Dosen führen zu keiner stärkeren Abführwirkung im Darm. Kinder und Schwangere sollten von der Anwendung mit Rizinusöl absehen. Die Anwendung von Ricinusöl kann zu erhöhten Salz- und Flüssigkeitsverlusten führen. Zudem besteht das Risiko einer allergischen Reaktion.

Rizinusöl sollte vor Licht, Luft und Feuchtigkeit geschützt gelagert werden.

Rizinusöl ist auch in vielen Abführ-Fertigarzneimitteln enthalten. Als Hilfsstoff dient als Öl auch in öligen Augentropfen und in einigen Injektionsmitteln.

Rizinusöl wird zudem in vielen kosmetischen und dermatologischen Produkten verwendet. Vor allem in der Haarpflege wird es oft (auch allein) eingesetzt. In der Technik wird es aufgrund seiner von der Temperatur unabhängigen Viskosität als Schmieröl eingesetzt. Hydriertes Ricinusöl wird auch als Castorwachs bezeichnet.

Rizinusöl wird bereits seit langer Zeit hergestellt. Im Altertum (z.B. im alten Ägypten) diente es als Brennöl (die Samen finden sich u.a. als Grabbeigaben) und wurde erst ab dem 18. Jahrhundert als Abführmittel eingesetzt.

Rizinus als Gartenpflanze
Der Rizinus, als Gartenpflanze mit Solitärcharakter wegen seines schnellen Wachstums genannt oft Wunderbaum genannt, ist bei uns eine einjährige Zierpflanze. Rizinus erreicht als einjährige Pflanze eine Wuchshöhe von etwa 2 - 4 Meter. Genauso schnell bildet sich ein ebenso kräftiges und großes Wurzelwerk aus.

Er wächst sehr schnell und benötigt viel Platz im Beet. Aufgrund seiner intensiv rötlichen Färbung stellt er einen echten Blickfang im Garten dar.

Rizinus benötigt leicht feuchte, humose, nährstoffhaltige und durchlässige Böden in nicht zu sonniger Lage für ein optimales Wachstum. Die Aussaat unter Glas (Samen etwa einen Tag in Wasser vorweichen) kann im März erfolgen, das Auspflanzen dann ab Mai. Der Pflanzabstand sollte mind. einen Meter betragen. Eine regelmäßige Wässerung ist notwendig. Einmal pro Monat sollte der Rizinus gedüngt werden. Wegen des schnell wachsenden Wurzelwerks sollte der Wunderbaum nicht in Teich- oder Bachnähe gepflanzt werden. Sind die Pflanzen höher gewachsen, benötigen sie meist eine kräftige Stütze.

Bei der Zucht als Topfpflanze benötigt man einen sehr großen und stabilen Topf!

Wenn er als Topfpflanze überwintern soll, benötigt er im Winter einen geschützten, nicht zu kalten Platz, da der Rizinus nicht frosthart ist. Auch im Winter sollte die Erde nicht ganz austrocknen.

Im Handel sind verschiedene, meist einjährige, Zuchtformen von dem Rizinus vorhanden, welche u.a. rote oder kupferfarbene Blätter besitzen.



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