Granatapfel

Granatapfel (Punica granatum)
syn. Granatapfelbaum, Punischer Apfel

Granatapfelbaum (Punica)
Familie: Granatapfelbäume (Punicaceae)
Ordnung: Myrtenartigen (Myrtales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00263

Siehe auch: Arzneipflanzen Gartenpflanzen Giftpflanzen Nutzpflanzen

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Der Granatapfelbaum ist ein historisches und aktuelles Obstgehölz, dessen Früchte als Obst und die Rinde als Arznei genutzt werden. Die Familie der Granatapfelbäume besteht nur aus der Familie Punica, die ihrerseits nur aus zwei Arten besteht.

Der Granatapfel wird im gesamten Mittelmeerraum (vor allem Spanien, Israel, Ägypten und Türkei) und Asien angebaut und kommt z.T. verwildert vor; ursprünglich stammt er aus Südwestasien. Er ist eines der ältesten Obstgehölze der Menschheit und wurde bereits in den orientalischen Ländern des Altertums angebaut und verehrt. Die großen Blüten und Früchte galten als Symbole der Fruchtbarkeit und des Reichtums. Er soll auch der Baum der Erkenntnis aus der Bibel sein. Im alten Ägypten dienten die Granatäpfel auch als Grabbeigaben; der Fruchtsaft wurde auch zu Wein vergoren. Aus den Blüten und Fruchtschalen wurden rote und gelbe Farbstoffe gewonnen.

Granatapfelbaum

Der Granatapfelbaum ist ein sehr langlebiger, sommergrüner, bis 10 Meter hoher, dicht verzweigter, dorniger Strauch oder Baum mit grau-brauner Rinde. Die jungen Zweige sind vierkantig. Die ledrigen, 2 – 10 cm langen, glänzend grünen Blätter sind unbehaart, an der Spitze abgestumpft und wachsen gegenständig. Im Austrieb sind die Blätter rötlich und im Herbst gelblich.

Die intensiv roten, 3 – 4 cm breiten, zwittrigen, strahligen Blüten stehen einzeln oder zu 2 - 3 trichterartig am Ende der Zweige. Die 5 – 8, roten Kelch- und Kronblätter sitzen auf einem fleischigen Achsenbecher. Die leicht abfallenden Kronblätter sind 2 – 3 cm lang. Die Staubblätter sind zahlreich. Die Fruchtblätter stehen in 2 Wirteln, was sehr selten im Pflanzenreich vorkommt.

Der Granatapfelbaum blüht zwischen Mai und September.

Die kugeligen, apfelartigen, 10 – 15 cm großen Granatäpfel (Beerenfrucht!) sind grünlich bis später rot-braun. Sie besitzen eine dicke, feste, fast ledrige Schale und sind von einem deutlichen Kelchblatt gekrönt. Die harten, 10 – 15mm großen Samen sind von einem gallertartigen, rötlich bis weißen Fruchtfleisch (Samenmantel) umgeben, welches gut essbar ist.

Das Wurzelwerk ist sehr umfassend und dadurch an die trockenen Gebiete in den warmen Klimazonen angepasst.

Der Gattungsname Punica leitet sich vom lateinischen Wort puniceus = purpurrot ab. Granatum bedeutet „mit vielen Samenkörnern“.

Der Granatapfel gab dem roten Edelstein Granat seinen Namen. Und die Provinz Granada hat auch den Granatapfel in ihrem Wappen.

Granatapfel

Granatapfel als Nutzpflanze
Die Wildformen des Granatapfels haben bittere Früchte, die Zuchtformen dagegen eher süße Früchte entsprechend ihrer Züchtung.

Die Früchte werden vollreif zwischen September und Dezember gepflückt und reifen nach der Ernte nicht mehr nach. Gekühlt sind sie für viele Monate haltbar. Der Nährstoffgehalt liegt mit 40 – 60 kcal je 100g relativ niedrig. Der Granatapfel ist reich an Phosphor und Kalium. Zudem enthält er wertvolle pflanzliche Inhaltstoffe wie Flavonoide, Polyphenole und Anthocyane.

Der Fruchtsaft aus Granatäpfeln ist im mittleren Osten ein beliebtes Getränk. Der Saft wurde ursprünglich direkt aus der Frucht gepresst oder per Strohhalm gesogen. Heute wird Grantapfelsaft als fertiger Fruchtsaft oder Extrakt im Handel angeboten.

Grenadine nennt sich der konzentrierte Fruchtsirup aus dem Granatapfel, welcher in Mixgetränken (z.B. Tequila Sunrise) und zum Kochen verwendet wird. Mit Grenadine wird mariniertes Fleisch deutlich weicher.

Die getrockneten Samen werden in einigen Ländern (z.B. Indien) auch zum Würzen genutzt. Die frischen Samen, mit ihrem süß-sauren Geschmack, werden weltweit gegessen.

Die Rinde und die Früchte werden wegen des hohen Gerbstoffgehaltes zum Gerben und Färben genutzt. Aus dem gerbstoffhaltigen Fruchtsaft kann man durch Aufkochen eine schwarze Tinte gewinnen. Man sollte daher bei dem Verzehr der Frucht sehr vorsichtig sein, da evtl. Flecken kaum aus der Kleidung zu entfernen sind.

Granatapfel als Arzneipflanze
Arzneilich genutzt wird vor allem die Granatrinde (Cortex Granati); es handelt sich um die getrocknete Rinde der oberirdischen Pflanzenteile. In der Granatrinde finden sich neben den Alkaloiden (u.a. Pseudopelletierin und Isopelletierin) auch größere Mengen an Flavonoiden und Gerbstoffen (Tannine).

Früher wurde die Rinde als Mittel gegen Bandwurmerkrankungen genutzt. Da es stark die Magenschleimhäute reizt, Sehstörungen und Erbrechen auslösen kann, ist es heute eigentlich obsolet. In höheren Dosierungen kann es auch zu Vergiftungserscheinungen durch die Alkaloide kommen.

In der Homöopathie wird Grantrinde gegen Schwindel und Magen-Darmstörungen eingesetzt.

Die Grantwurzelrinde ist noch wirksamer, als die oberirdische Rinde und wurde früher ebenfalls als Bandwurmmittel eingesetzt.

Die Granatapfelschalen (Pericarpium Granati) und die Blüten (Flores Granati) enthalten ebenfalls einen hohen Gerbstoffanteil und wurden daher als Adstringens bei Durchfallerkrankungen eingesetzt.

In den Samen des Granatapfels finden sich auch pflanzliche Östrogene (z.B. Östron). Dadurch wirkt er auch gegen Wechseljahresbeschwerden und schützt (etwas) gegen Brustkrebs.

In den letzten Jahren sind die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Granatapfels stärker in den Mittelpunkt gerückt. Er besitzt stark antioxidative Eigenschaften, welche insbesondere bei Arteriosklerose, erhöhtem Cholesterin-Werten, entzündlichen Gelenkerkrankungen und diversen entzündungsbedingten Erkrankungen eine Reduktion der Krankheitssymptome verursachen kann. Er wirkt deutlich stärker antioxidativ als z.B. Grüntee. Auch Herz-Kreislauferkrankungen nehmen durch die Einnahme von Granatapfelsaft deutlich ab.

Regelmäßiger Genuss von Granatapfelsaft scheint zudem das Tumorwachstum bei Tumorpatienten wesentlich zu verlangsamen. In diversen Studien ist die bei verschiedenen Tumorarten (z.B. Prostatakarziom) nachgewiesen worden.

Granatapfel aufgeschnittene Frucht
Granatapfelsamen

Granatapfel als Giftpflanze
Die Granatrinde ist in hohen Dosen giftig. Ihre Aufnahme führt zu Erbrechen, Nasenbluten, Schwindel, Kreislaufstörungen bis zum Kollaps. Zudem stellen sich Schweißausbrüche und Muskelkrämpfe ein. Extrem hohe Dosen können zu einer Lähmung des Atemzentrums führen.

Bei Vergiftungen sollte ein Erbrechen ausgelöst werden, eine Giftbindung mit Kohle und falls möglich eine Magenspülung erfolgen.

Das Fruchtfleisch und die Samen sind hingegen wohlschmeckend und essbar!

Granatapfel als Gartenpflanze
Der Granatapfelbaum wird auch in verschiedenen Züchtungen angeboten, welche in der Wuchshöhe (Baum – Busch) und vor allem in den Blüten (z.B. gefüllte oder andersfarbige Blüten) unterscheiden. Es gibt aber auch Züchtungen für Topfkulturen

Er benötigt einen sonnigen, warmen Standort mit durchlässigem Boden in geschützter Lage. Der Granatapfelbaum sollte regelmäßig gewässert und ein wenig gedüngt werden. Die Düngung kann im Sommer beendet werden. Der Rückschnitt kann im späten Herbst oder zeitigen Frühjahr erfolgen. Im Winter wenig gießen.

Die Vermehrung erfolgt durch Aussaat oder meist durch Kopfstecklinge, die im Frühjahr in den lockeren Boden gesteckt werden. Für die Kultur im Kübel ist er sehr gut geeignet.

Die Art ist nicht winterfest und sollte im Winter in ein Kalthaus oder Wintergarten gebracht werden.



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