Pastinak

Pastinak (Pastinaca sativa)
syn. Pastinake, Gewöhnlicher Pastinak, Hirschmöhre, Hammelmöhre

Gattung: Pastinaken (Pastinaca)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae syn. Umbelliferae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00261

siehe auch :
Arzneipflanzen Gewürzpflanzen Nutzpflanzen Gartenpflanzen

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Der Pastinak gehört wie Fenchel, Kümmel und Liebstöckel zu den als Gewürz genutzten Doldenblütlern. Er ist als Wildpflanze in ganz Mittel- und Südeuropa, sowie Teilen Asiens verbreitet und nur vereinzelt selten. Seine ursprüngliche Heimat ist das westliche Asien. Er bevorzugt tiefgründige, stickstoff- und kalkhaltige Lehm- oder Tonböden in meist sonniger Lage. Man findet ihn auf Wiesen, Trockenhängen, Ödland, an Wegrändern, sowie in Gräben und Steinbrüchen an Stellen mit fehlender Vegetation. Oft wächst er in Ruderalbereichen benachbart mit der Wegwarte und der Distel. Er ist häufiger in Höhenlagen, bis max. 1.500 Meter, anzutreffen.

Zudem wird der Pastinak weltweit in Zuchtsorten angebaut (vor der Verbreitung der Kartoffel und Möhre in Europa, war er eine der Hauptnahrungspflanzen). Hauptanbaugebiete sind heute Nord- und Südamerika, Asien, Neuseeland und Australien. Der Pastinak kommt häufig vor und ist nicht gefährdet.

Der Name Pastinak leitet sich vom dem lateinischen Wort Pastus = Nahrung ab und nimmt Bezug auf den ursprünglichen Anbau als Wurzelgemüse.

Pastinak mit Marienkäfer

Es handelt sich um eine zweijährige, kräftige Pflanze mit behaartem, deutlich kantigem und gefurchtem, hohlem Stängel. Im ersten Jahr wachsen eine kräftige Wurzel und eine gut 50 cm hohe Blattrosette heran. Im zweiten Jahr bildet sich dann die ganze Pflanze mit Blüten und Früchten aus. Die aufrechten Stängel sind im oberen Bereich quirlig oder gegenständig verzweigt. Er erreicht eine Wuchshöhe von etwa 30 bis 110 cm.

Die einfach, selten zweifach gefiederten, oberseits glänzenden Blätter bestehen aus 3 – 7 Paaren ungleich gekerbter Fiederblätter, sind etwa 6 cm lang, eiförmig, sitzend und behaart. Die Blattstiele sind kurz bis fast nicht vorhanden. Die oberen, wechselständigen schmalen Stängelblätter sind oft nur als Schiede ausgebildet. Bei dem Zerreiben der Blätter bildet sich ein intensiver Möhrengeruch.

Stängel Pastinak

Die hellgelben, duftenden endständigen, etwa 2 mm im Durchmesser großen Blüten bilden eine 15 cm unfassende Blütendolde. Der Blütenstand besteht aus Dolden 1. und 2. Ordnung. Jede Dolde besteht aus etwa 5 – 20 Doldenstrahlen. Die Enddolden sind oft größer, als die Seitendolden. Die Blütendolden sind ohne Hüllblätter. Die 5 rundlichen Blütenblätter sind etwa 1 – 2 mm lang und nach unten gerollt. Der Fruchtknoten ist unterständig.

Der Pastinak blüht in den Sommermonaten von Juli bis Anfang September.

Die zusammengedrückten, eiförmigen Früchte sind an den Seiten stark gerippt, etwa 6 mm lang und 5 mm breit. Zwischen den Rippen finden sich braune Ölstriemen. Die Früchte besitzen einen schmalen Flügelrand.

Die weißen Wurzeln der Zuchtformen wachsen rübenförmig und sind frostbeständig. Die Wildpflanzen haben dünne, spindelartige Wurzelstöcke.

Pastinak Blätter

Pastinak als Gemüsepflanze
Pastinak wird auch heute noch wegen seiner fleischigen Rüben als Wurzelgemüse angebaut. Die Gartenform besitzt eine möhrenartig verdickte Wurzel mit intensiv möhrenartigem, süßlichem Geschmack. Die jungen Blätter und Zweigspitzen können auch zum Würzen oder als Wildgemüse genutzt werden.

Die Zubereitung der Pastinakwurzel erfolgt ähnlich wie bei normalen Möhren. Man kann sie kochen, braten oder püriert als Beilage verwenden. Allerdings ist sie deutlich weicher als Möhren und benötigt daher nur etwa die halbe Kochzeit.

Der Pastinak wurde erst im 18. Jh. durch die Kartoffel als wichtige Nahrungspflanze in Europa verdrängt. Wahrscheinlich ist sie zuvor durch die Römer nach Deutschland gekommen. In den letzten Jahren wird sie wieder häufiger angebaut.

Geerntet wird die im ersten Jahr ausgebildete Rübe. Sie ist gelblich bis bräunlich mit einem weißen Innenteil. Sie wird bis 40 cm lang und etwa 500 g – 1000 g schwer.

Die Wurzeln vom wilden Pastinak sind verholzt und daher nur eingeschränkt genießbar. Weiterhin ist das Sammeln von Wildpflanzen gefährlich, da eine Verwechslungsgefahr mit dem Gefleckten Schierling besteht.

Pastinakgemüse ist sehr nährstoffreich, mit einem hohen Anteil an Mineralstoffen (vor allem Kalium), Kohlehydraten und Vitamin C. Eiweiße und Fette sind nur wenig vorhanden. Sein Nährwert ist höher als der von Kohlrabi oder Möhren. Der würzige Geschmack entsteht durch ätherische Öle. Wurzelextrakte werden auch als Schnapszusatz verwendet.

Kühl gelagert, sind die frischen Pastinaken etwa 6 Monate haltbar. Sie haben etwa 60kcal je 100g. Aus den zerkleinerten Rüben kann auch ein Kaffee-Ersatz hergestellt werden. Wegen seines hohen Zuckergehaltes kann man aus ihm auch Brotaufstrich oder süsses Mehl z.B. für Kuchen gewinnen. In Amerika sind kandierte Pastinaken sehr beliebt. Zeitweise wurde Pastinak auch zu Wein vergoren.

Die Aussaat erfolgt im Frühjahr, die Ernte im Herbst. Nach dem ersten Frost geerntet, ist der Geschmack der Wurzel noch intensiver. Das Kraut kann als Kleintierfutter verwendet werden.

Es sind unterschiedliche Züchtungen in Handel, welche sich u.a. durch die Wurzelgröße, Zartheit und Geschmack unterscheiden.

Pastinak als Arzneipflanze
Arzneiliche Verwendung findet vor allem die frische, zweijährige Wurzel (Radix Pastinacae). Sie wurde in der Volksheilkunde als harntreibendes und verdauungsförderndes Mittel, sowie bei Fieber und Lungenleiden eingesetzt.

Die getrockneten Früchte (Pastinacae fructus), welche viel ätherische Öle enthalten, werden bei Blasenerkrankungen und Magenleiden eingesetzt. Im Haushalt dienen Sie als Gewürz.

Das getrocknete Pastinakkraut (Pastinacae herba) wird volkstümlich bei Nierenerkrankungen und Verdauungsbeschwerden genutzt. Auch im dem Kraut finden sich viele ätherische Öle.

Pastinak Früchte

Pastinak als Giftpflanze
Pastinak enthält Substanzen mit phototoxischen Eigenschaften, vor allem Cumarine. Wichtige Inhaltstoffe sind u.a.die Cumarine: Bergapten, Xanthotoxin, Imperatorin. Bei empfindlichen Personen kann daher der Pflanzensaft in Verbindung mit Sonnenlicht zu Hautirritationen und Pustelbildung auf der Haut führen. Nach Kontakt mit dem Pflanzensaft wird das Licht auf der Haut nicht mehr in Wärme umgewandelt, sondern es werden chemische Reaktionen angestoßen, welche u.a. zu zelltoxischen Veränderungen führen.

Pastinak als Gewürzpflanze
Zum Würzen werden die getrockneten Früchte genutzt. Sie können gerieben und zum Essen gegeben werden. Auch die jungen Blätter können zum Würzen z.B. von Salaten genutzt werden.

Pastinak als Gartenpflanze
Der Pastinak ist eine, vor allem in Süddeutschland bekannte, umkomplizierte Pflanze für Gemüsegärten.

Die Aussaat sollte sehr zeitig im Frühjahr erfolgen, da die Samen relativ viel Zeit zur Keimung benötigen. Der Pflanzabstand sollte etwa 30 – 40 cm betragen. Die Saattiefe sollte bei etwa 1 – 2 cm liegen. Der Boden kann leicht sauer bis leicht alkalisch sein, fruchtbar, lehmig und idealerweise in der Sonne liegen.

Pastinak hat einen hohen Düngerbedarf und sollte in den Sommermonaten zudem ausreichend gewässert werden. Eine Fruchtfolge mit anderen Doldenblütlern sollte vermieden werden.

Pastinak ist frosthart, gedeiht aber besser in Gebieten mit milden Wintern.

Pastinak Habitus



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