Lein

Gemeiner Lein (Linum usitatissimum)
syn. Öllein, Flachs, Saatlein

Gattung: Lein (Linum)
Familie: Leingewächse (Linaceae)
Ordnung: Leinartige (Linales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00260

Siehe auch: Nutzpflanzen Arzneipflanzen

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Heilpflanze des Jahres 2005


Der Gemeine Lein bzw. früher Flachs genannt, ist eine zart wirkende Kulturpflanze, die wahrscheinlich vom Wilden Lein bzw. Spanischen Lein (Linum bienne), welcher im Mittelmeerraum heimisch ist, abstammt und nur selten verwildert. Er gehört zu den ältesten Nutzpflanzen überhaupt.

Aufgrund des hohen Ölgehaltes in den Früchten zählt der Lein, wie auch der Raps, Hanf und Mohn zu den Ölpflanzen

In Mitteleuropa kommen vornehmlich Faserleine vor bzw. werden hier angebaut. Man unterscheidet 3 wichtige Zuchtsorten. Den häufig genutzten Sommerlein, den Winterlein und den Springlein.

Gemeiner Lein

Je nach Zuchtsorte öffnen sich die Kapseln bei der Reife von selbst (Springlein, convar. creptians) oder bleiben wie beim Öllein geschlossen (Schließlein). Diese geschlossenen Kapseln können dann gedroschen werden, weshalb der Schließlein auch als Dreschlein gezeichnet wird. Springleine werden heute kaum noch angebaut.

Die Heimat des Gemeinen Leins liegt im mittleren Osten. Als Nutzpflanze wird der schon sehr lange genutzt. Bekannt ist z.B. Verwendung im historischen Ägypten als Faserpflanze für Stoffe (in Leintücher wurden Mumien eingewickelt). Auch die Samen wurden gemahlen und Backwaren beigegeben. In Mitteleuropa ist Lein seit fast 2.000 Jahren, vor allem als Nahrungsquelle, verbreitet. Erste Nachweise für die Nutzung von Lein finden sich bereits in Überresten aus der Jungsteinzeit. Als Faserpflanze wurde der Lein von Baumwolle und Kunstfasern in den letzten Jahrzehnten weitgehend verdrängt.

Der Gemeine Lein ist eine einjährige Pflanze mit einer Wuchshöhe von etwa 30 – 120 cm. Der aufrechte, kahle Stängel ist nur im Blütenstandsbereich verzweigt und dicht beblättert. Alle Stängel tragen Blütenstände. Die bis 4 cm langen, etwa 4 mm breiten, grau-grünen, lanzettlichen Blätter wachsen wechselständig und sitzen leicht zugespitzt am Stängel. Die dreinervigen Blätter sind unbehaart.

Lein-Blüte

Die hellblauen (selten auch weiß oder rosa), 2 – 3 cm, umfassenden, langgestielten Blüten stehen zu 2 – 10 Blüten in locker rispigen Blütenständen. Die 5 eiförmigen, am Grund verschmälerten Blütenblätter sind dunkel geadert. Die Staubbeutel sind blau gefärbt. Die 5 Kelchblätter sind eiförmig und scharf gekielt.

Die Leinpflanze ist ein Selbstbefruchter. Er keimt im Frühjahr bei etwa 4 Grad. Der Gemeine Lein blüht zwischen Juni und August. Die Ernte kann stattfinden, wenn die Stängel vergilben und die Samenkapseln eine Braunfärbung angenommen haben.

Bis zu 10 Samen in abgetrennten Fächern, finden sich in den kugeligen, 5 – 10 mm großen, hellbraunen Kapselfrüchten, welche im August heranreifen. Sie sind an einem Ende breit abgerundet und am anderen Ende konisch zugespitzt. Bei dem Einlegen in Wasser bildet sich eine kräftige Schleimhülle an den Samen aus.

Die kurzen, gelblichen Wurzeln des Leins wachsen spindelförmig.

Leinsamen
Leinsamen

Lein als Nutzpflanze
Der Lein ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland fast in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht. Weltweit ist es jedoch noch eine sehr wichtige Nutzpflanze. Lein wurde schon immer in zwei Richtungen genutzt, zum einen wegen seiner Samen (Leinöl und Leinsamen) und wegen seiner Fasern (Flachs). Entsprechend sind die Züchtungen beide Wege gegangen, wobei zu fast 80% Öllein angebaut wird. Es gibt allerdings auch Mischformen (Kreuzungsleine), welche für beide Zwecke dienen dann jedoch keine so intensive Ertragsoptimierung aufweisen.

Faserleine (convar. usitatissimum) sind eher hochgewachsen, wenig verzweigt und im feuchten Mittel- und Osteuropa heimisch. Ihre Samen sind deutlich kleiner, als die der Ölleine. Faserleine werden eng gepflanzt, damit sich möglichst wenig qualitätsmindernde Verzweigungen bilden können. Die Kapseln bleiben geschlossen. Faserleine sind zunehmend von Baumwolle und Kunstfasern verdrängt worden, können aber heute u.a. bei Allergikern wieder ein Rolle spielen. Allerdings lassen sich Leinfasern deutlich schlechter färben, als Baumwollfasern. Dafür besitzt Leinen einen natürlich Glanz und Stärke. Leinfasern wirken auf der Haut leicht kühlend, daher werden sie gern im Sommer getragen. Sie sind Schmutz abweisend und knittern schneller als die stärker elastischen Baumwollfasern. Sie werden vor allem für Bettwäsche, Berufsbekleidung, Bucheinbände und Leinwände für die Malerei genutzt.

Zur Ernte der Faserleine werden die ganzen Pflanzen aus dem Boden gezogen und in mehreren Stufen (z.B. Flachsisolierung, Flachsröste, Weichschlagen, Brechen…) die langen Fasern aus den Stängeln isoliert. Die Pflanzenreste werden u.a. zu Zellulose verarbeitet.

Ölleine (convar. mediterraneum) werden hauptsächlich im Mittelmeerraum, Nordafrika, Indien, Türkei und Südamerika angebaut. Sie sind niedriger gewachsen, stärker verzweigt mit vielen Blüten. Die Fasern des Ölleins sind kurz, grob und werden nicht verwendet. Für die Ölerzeugung aus dem Samen werden die Pflanzen bei Vollreife geerntet.

Das goldgelbe Leinöl wird durch Pressen oder Extraktion aus den Leinsamen gewonnen. Speiseöle werden kaltgepresst und Öle für technische Zwecke werden heiß aus Leinsamen gepresst. Es weist einen besonders hohen Anteil an Linolensäure (essentielle, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wirken stark entzündungshemmend) auf und ist daher besonders gesund (es wird jedoch nur selten als Speiseöl genutzt). Aufgrund der vielen ungesättigten Fettsäuren reagiert es besonders empfindlich auf Luft und Licht und muss daher entsprechend geschützt gelagert werden.

Es wird, aufgrund seiner schnellen Trocknungsfähigkeit, überwiegend technisch verwendet u.a. als Grundstoff für Farben und Lacke, sowie in der papier- und Lederindustrie. Leinöl kann auch zu Schmierseife verarbeitet werden.

Die Preßreste (Placenta Seminis Lini) enthalten noch alle Eiweiße und Kohlehydrate und werden als Presskuchen zu hochwertigem, eiweißhaltigem Viehfutter weiterverwendet bzw. aufgrund ihrer guten Wärmespeicher Eigenschaften als Kataplasmen (Breiumschläge) genutzt.

Flachs

Lein als Arzneipflanze
Arzneilich werden vor allem die reifen, getrockneten Leinsamen (Semen lini) genutzt. Sie bestehen aus etwa 40% Fett, 20% Eiweiß, 20% Kohlehydrate, 6% Schleimstoffe und 10% Wasser. Zusätzlich finden sich noch cyanogene Glykoside (z.B. Linamarin und Lotaustralin), welche u.a. zu Blausäure abgebaut werden können, die jedoch in der vorliegenden Form und Konzentration für den Menschen nicht gefährlich sind; ganz im Gegensatz zu den Bittermandeln.

Leinsamen sind länglich bis eiförmig, 5 – 7 mm lang und etwa 2 mm breit. Ihre Oberfläche ist bräunlich bis rötlich, selten gelblich gefärbt und lackartig glänzend. Sie schmecken leicht schleimig bis ölig und sind geruchlos.

Vor der Nutzung können die Leinsamen geschrotet oder gequetscht werden, da ihre dicken Samenschalen nur schwer von der menschlichen Verdauung aufgebrochen werden können. Dies hat allerdings einige Nachteile, zum einen ist die Haltbarkeit der Leinsamen dann sehr kurz, die Nährstoffe werden fast vollständig aufgenommen und zudem setzt der Quellungsprozess bereits im Magen ein.

Die Qualität der Leinsamen kann anhand des Quellfaktors bestimmt werden. Die Quellung kommt durch die in der Samenoberfläche eingelagerten Schleimstoffe zustande. Die starken Quelleigenschaften der Leinsamen werden bei dem Einsatz als Abführmittel genutzt. Die Schleimstoffe dienen auch als „Gleitmittel“ während der Darmpassage. Zudem erfüllt der Schleim noch eine Schutz- und Pfufferfunktion für eine gereizte Magen-Darm-Schleimhaut.

In der Schwangerschaft ist Leinsamen als mildes Abführmittel besonders geeignet.

Zur Beschleunigung der Darmpassage werden Leinsamen (1 EL, 2 - 3 x täglich) ungeschrotet oder geschrotet mit viel Wasser (mindestens 1:10) eingenommen, sie wirken allein durch die Volumenvergrößerung des Quellens. Von den geschroteten Leinsamen werden erhebliche Mengen Nährstoffe (100g Leinsamen entsprechen etwa 470 Kcal) aufgenommen, was ja nicht in jedem Fall gewünscht ist. Bei empfindlichem Magen-Darm-Trakt (z.B. Schleimhautentzündung) kann man den Leinsamen auch vorquellen lassen.

Der hohe Schleimgehalt der Leinsamen ermöglicht in der Volksmedizin den Einsatz (als Abkochung) als Schleimhaut schützendes Mittel bei Reizständen des Verdauungstraktes. Äußerlich wird Leinsamenmehl bei Furunkeln, Entzündungen und Geschwüren eingesetzt.

Aufgrund des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren und essentiellen Fettsäuren, sind Leinsamen auch für diätetische Zwecke besonders geeignet. So kann auch der Cholesterinspiegel durch die Einnahme von Leinsamen gesenkt werden. Zudem scheint der Leinsamen auch Krebs vorbeugende Eigenschaften zu besitzen.

Im Vergleich zur Kleie haben Leinsamen ein deutlich höheres Quellvermögen und damit bessere abführende Eigenschaften. Eine Sonderzüchtung ist der goldgelbe Leinsamen mit besonders guten Quelleigenschaften.

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind keine unerwünschten Wirkungen vom Leinsamen bekannt. Bei entzündlichen Darmerkrankungen sollten Leinsamen nur vorgequollen eingenommen werden. Bei vorliegendem Darmverschluss sind Leinsamen kontraindiziert. Eine möglicherweise verringerte Aufnahme anderer Arzneimittel ist zu beachten. Eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme kann Blähungen führen.

Leinöl wird als pharmazeutischer und kosmetischer Ausgangsstoff für Öle, Dermatika, kosmetische Grundstoffe und Seifen genutzt.

Die Leinfasern werden heute noch als Ausgangsprodukt für steriles Nahtgut verwendet.

Leinsamen Nahaufname
Leinsamen



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