Echte Pfingstrose

Echte Pfingstrose (Paeonia officinalis)
syn. Großblumige Pfingstrose, Bauern-Pfingstrose

Familie: Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae)
Ordnung: Pfingstrosenartige (Paeoniales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Mitarbeit: Jan Kleinhans
Website: Baumpfingstrosen.de

Dokument: MZ 00256

Siehe auch: Arzneipflanzen Gartenpflanzen Giftpflanzen

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Die Echte Pfingstrose ist eine seit vielen Jahrhunderten beliebte Wild- und Zierpflanze, welche sich in verschiedenen Zuchtsorten in vielen Garten- und Parkanlagen findet. Aber auch als Wildpflanze kommt sie im Alpenraum Deutschlands vor.

Sie ist im ganzen Mittelmeerraum bis in die Höhenlagen Mitteleuropas hin heimisch. Typischerweise findet man sie auf lichten Wäldern und montanen Wiesen in Lagen bis 1.800 Meter. Auf kalkreichen, flachgründigen und trocknen Böden in sonniger Lage wächst sie dabei bevorzugt. Örtlich bilden sich kleine, auffällige Bestände.

Bauernpfingstrose

Benediktinermönche sollen diese Pflanzen von den Naturstandorten des Mittelmeerraumes über die Alpen in die mitteleuropäischen Klöster gebracht haben und von dort sollen sie dann in die typischen Bauerngärten des Mittelalters gelangt sein.

Der Name Paeonia leitet sich von dem griechischen Heilgott Paieon ab, welcher u.a. Hades, den Gott der Unterwelt, mit Pfingstrosenwurzeln geheilt haben soll.

Früher wurden die Pfingstrosen der Familie der Hahnenfußgewächse zugeordnet, heute bilden die Pfingstrosengewächse eine eigene Familie.

Es handelt sich um eine ausdauernde, krautige Staudenpflanze mit einem unverzweigten, kahlen Stängel. Die Echte Pfingstrose erreicht eine Wuchshöhe von etwa 30 – 80 cm Höhe. Die grundständigen, doppelt dreizählig gefiederten Blätter sind deutlich gestielt und voll ausgebildet. Sie sind mehrfach in etliche gelappte, unterseits behaarte Abschnitte geteilt und können bis zu 25 cm im Durchmesser groß sein. Die wechselständigen, gestielten Stängelblätter sind kleiner und weniger geteilt, z.T. sogar einfach. Die Blattstiele sind oberseits rinnig geformt. Alle Blätter sind oberseits dunkelgrün und glatt.

Knospe Pfingstrose

Die kräftigen, endständigen, dunkelroten Blüten wachsen becherförmig und sind bis zu 13 cm breit. 5 – 10 verkehrt eiförmige Blütenblätter mit buchtigen Einkerbungen vorhanden. Sie entwickeln sich aus großen, grünen Knospen. Die zahlreichen Staubblätter besitzen intensiv gelbe, am Grund in einen Nektarring verwachsene Staubblätter und rötliche Filamente. Die 5 – 10 gewölbten Kronblätter sind eiförmig mit welligem Rand. Die grünen Kelchblätter gehen in die oberen Stängelblätter über und fallen nicht ab.

Die Echte Pfingstrose blüht zwischen Ende April und Juni. Der oberständige Fruchtknoten besitzt eine sitzende Narbe. Die Pflanze weist sehr viele Pollen je Blüte (Bienenweide) auf. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, vor allem Bienen und Schmetterlinge.

Nach der Blüte bilden sich die etwa 5 cm großen, weiß behaarte Balgfrüchte, welche viele glatte, runde, schwarz-blaue Samen enthalten. Die Früchte öffnen sich im Spätsommer an der Bauchnaht.

Die Echte Pfingstrose besitzt einen kräftigen, verholzten Wurzelstock (Rhizompflanze mit verdickten Speicherwurzeln).

Blüte Echte Pfingstrose

Die Echte Pfingstrose als Gartenpflanze
Die Echte Pfingstrose ist eine sehr langlebige, unkomplizierte Staudenpflanze.

Viele im Handel befindliche Zuchtsorten der Echten Pfingstrose besitzen gefüllte Blüten in verschiedenen Farben (z.B. Alba = weiß oder Rosea = rosa Blüten). Die Naturform hat ungefüllte Blüten. Sie werden häufig in Gärten gepflanzt und verwildern nur selten.

Pfingstrosen können im Herbst gepflanzt oder umgepflanzt werden. Ältere Pflanzen können geteilt und neu gepflanzt werden. Die Knospen sollten dabei nur von wenigen Zentimeter Erde bedeckt sein. Allerdings benötigen Pfingstrosen einige Jahre für die volle Entfaltung, so dass sie nur bei nachlassender Blühkraft umgepflanzt oder geteilt werden sollten. Der Pflanzabstand sollte etwa 50 – 70 cm betragen. Sie benötigen durchlässige, fruchtbare, kalkhaltige Böden an einem sonnigen Standort mit ausreichendem Nährstoffgehalt.

Sie sollten regelmäßig im Frühjahr und nach der Blüte etwas gedüngt, etwas gewässert und die verblühten Blüten abgeschnitten werden. Die gezüchteten gefüllten Blütenformen können so schwer werden, so sie gestützt werden müssen.

Die Echte Pfingstrose ist winterhart und benötigt keinen Schutz. Der oberirdische Teil der Pflanze stirbt im Winter ab.

Rechtzeitig geschnitten hält sie sich als Schnittblume sehr lang.

Die Echte Pfingstrose als Giftpflanze
Die gesamte Pflanze ist schwach giftig. Der Verzehr größerer Mengen führt zu Erbrechen und Durchfall.

Die Echte Pfingstrose als Arzneipflanze
Arzneilich genutzt werden die Blütenblätter, Samen und Wurzeln (im Frühjahr gegrabene Nebenwurzel).

In den Blütenblättern finden sich u.a. Anthocyanglykoside (z.B. Paeonin), Gerbstoffe und Flavonoide. Die Wurzeln enthalten Glykoside (z.B. Paeoniflorin), Alkaloide (nach älteren Angaben Peregrinin), etherische Öle (z.B. Paeonol) und Gerbstoffe.

Die Wurzeln der Echten Pfingstrose werden in der Homöopathie gegen Hämorriden und in der Volksmedizin gegen Krampfanfälle, Darmstörungen und Gicht eingesetzt. Daher wurde sie früher auch als Gichtrose bezeichnet. Die Samen wurde bei epileptischen Anfällen eingesetzt. Die Blütenblätter werden als Schmuckdroge oftmals in Teemischungen verwendet. Extrakte der Echten Pfingstrose sind auch in einigen Fertigarzneimitteln enthalten.


Foto: Jan Kleinhans



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