Artischocke

Artischocke (Cynara scolymus)
syn. Essdistel - Englisch: Artichoke

Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Ordnung: Korbblütengewächse (Asterales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00252

Siehe auch: Arzneipflanzen Gartenpflanzen Nutzpflanzen

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Arzneipflanze des Jahres 2003


Die Artischocke gehört zu den Distelgewächsen innerhalb der Familie der Korbblütler. Artischocken werden in vielen Zuchtformen, die sich in Farbe, Größe und Form unterscheiden, in den warmen Gebieten des Mittelmeerraumes und in Amerika als Gemüsepflanzen und in Mitteleuropa als Blattpflanzen für Arzneizwecke feldartig angebaut. Als Ausgangsform der heutigen Artischocke gilt die in Äthiopien und dem Mittelmeerraum heimische Wildpflanze Kardonie bzw. Kardunkel-Artischocke (Cynara cardunculus).

Die Artischocke bevorzugt warme, nährstoffreiche, halbtrockene Böden mit nicht zu geringem Kalkgehalt und sonniger Lage.

Artischocke Habitus

Es handelt sich um eine sehr kräftige, ausdauernde Staudenpflanze, mit einer Wuchshöhe von etwa 70 – 140cm, welche schnell kleine Horste ausbildet. Sie bleibt für ca. 3 -5 Jahre ertragsfähig. Im ersten Jahr bildet sich jedoch nur eine Rosette aus.

Die kräftigen, einfachen Stängel sind stark verzweigt und dicht wollig behaart. Die einfachen bis fiederspaltigen, überhängenden, graugrünen Blätter wachsen meist sitzend, wechselständig und sind unterseits stark filzig behaart. Die Einzelblätter sind z.T. stark gefiedert.

Die Blütenköpfe der Artischocke sind mit 10 -15cm Durchmesser sehr groß. Sie sitzen einzeln endständig an den kräftigen Sprossachsen. Die scheibenartig angeordneten Röhrenblüten leuchten intensiv blau. Die eiförmigen, sehr kräftigen Hüllblätter sind bedornt. Der Fruchtknoten ist unterständig. Die Artischocke blüht zwischen August und Oktober.

Sie verfügt über einen sehr kräftigen, bis 150cm tiefen Wurzelstock.

Artischocke als Arzneipflanze
Die Artischocke ist vor allem aufgrund ihrer guten Wirkung bei Beschwerden infolge einer eingeschränkten Fettverdauung aufgrund mangelhafter Gallentätigkeit als Arzneipflanze bekannt. Die Galle ermöglicht nicht nur die Fettverdauung, sondern auch die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und die Ausscheidung von u.a. Cholesterin.

Die Artischocke enthält als wichtige Substanz Cynarin, ein Kaffeesäurederivat, sowie Flavonoide (wie Cynarosid) und Sesquiterpenlactone wie z.B. Cynaropicrin. Cynarin fördert die Bildung von Galle und den Gallenfluß, gleichzeitig wird die entgiftende Wirkung der Leber unterstützt und die Leber aufgrund ihrer antixoidativen Eigenschaften geschützt. Ergänzend dazu wird auch der Cholesterinspiegel, durch eine Reduktion der körpereigenen Cholesterinproduktion und einen schnelleren Abbau in der Galle, durch die Artischocke gesenkt. Zudem besitzt sie antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Sie ist also hervorragend für die Bekämpfung der Atherosklerose und damit u.a. zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt geeignet. Sie wirkt auch schwach harntreibend.

Artischocke - verblüht

Genutzt wird vor allem der Artischockenextrakt (Extractum cynarae scolymi) oder ein Sprühtrockenextrakt, welche aus den Blättern (z.T. auch aus den Wurzeln) der Pflanze gewonnen werden. Oftmals wird auch das Cynarin als isolierter Wirkstoffstoff eingesetzt. Die Artischockenblätter (Cynarae folium) besitzen einen intensiv bitteren Geschmack.

Artischockenextrakt kommt auch in vielen Fertigarzneimitteln gegen Leber- und Gallenbeschwerden (Choleretikum), zur Unterstützung der Verdauung und bei Appetitlosigkeit zum Einsatz. Alkoholfreie Tinkturen werden kurartig bei überstandenen Leber- oder Galleerkrankungen genutzt. Für Teezubereitungen wird in der Regel Artischockenwurzel verwendet.

Die Artischocke ist eine gut verträgliche Arzneipflanze, ohne bekannte Nebenwirkungen, die auch über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden kann. Bei Patienten mit Allergien gegen Korbblüter sollte sie nicht eingesetzt werden. Auch bei vorliegenden Gallensteinen, sollte Artischocke nur unter ärztlicher Begleitung eingenommen werden, da die Steine durch den vermehrten Gallenfluss in Bewegung versetzt werden und so evtl. die Gallenwege blockieren könnten.

Artschocke als Gartenpflanze
Die Aussaat erfolgt im späten Herbst bis Winter in einem geschützten Umfeld. Die Keimdauer liegt bei etwa 2- 3 Wochen. Ab Mai können die Keimlinge dann an einen geschützten Standort ausgepflanzt werden. Vor starkem Frost sollten sie noch mit einer Folie geschützt werden. Später sind sie etwas frosthart bei leichtem Frost. In kalten Gegenden sollten Sie abgedeckt oder in den Keller geholt werden.

Sind bereits Pflanzen vorhanden, kann die Vermehrung nicht nur über die Samen, sondern auch durch das Auspflanzen der an der Mutterpflanze sprießenden Jungtriebe (Ableger) im Frühjahr erfolgen. Die Pflanzen brauchen einen Abstand von 80 – 100cm zueinander haben. Alle 3 – 4 Jahre sollten durch die Jungtriebe neue Pflanzen gezogen werden, da die älteren Pflanzen nicht mehr blühen und verfallen. 1 – 2 mal pro Jahr sollte sie gedüngt werden.

Artischocke als Gemüsepflanze
Als Gemüse wird der essbare Blütenboden zusammen mit den unteren, fleischigen Hüllblättern der kurz vor dem Aufblühenden stehenden (mit noch geschlossenen Blüten) Artischocken gegessen. Die Artischockenköpfe können gekocht oder gedünstet mit einer guten Soße serviert werden. Roh sollte sie nicht verzehrt werden. Natürlich kann man sie auch füllen oder als Garnierung verwenden. Das unreife Blüteninnere muss vor dem Verzehr entfernt werden. Die kleinen jungen Knospen sind besonders begehrt, da sie einen besonders intensiven Geschmack besitzen. Dies war bereits im Römischen Reich eine begehrte Speise. Die Blätter kommen als Zutaten für verdauungsfördernde Alkoholika zum Einsatz.

Die Blüten der Artischocke werden auch gern als Trockenschmuck verwendet.



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