Zitronenmelisse

Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
syn. Melisse, Herztrost, Zitronenkraut

Gattung: Melisse (Melissa)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00251

Siehe auch: Arzneipflanzen Gewürzpflanzen Gartenpflanzen

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Arzneipflanze des Jahres 1988


Die Gattung Melisse umfasst 3 Arten, von denen 2 in Asien und die Zitronenmelisse in Europa heimisch sind.

Die Zitronenmelisse war ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet heimisch, heute ist sie jedoch durch Anbau (etwa seit dem 16. Jh.) und Verwilderung in den warmen Gebieten Europas weit verbreitet. Die Melisse wird weiterhin in den USA, Mexiko und Nordafrika angebaut. Sie wächst bevorzugt auf Ödland, an Wegrändern und auf Trockenrasen. In Höhenlagen findet man sie etwa bis 1.000 Meter Höhe. Der Boden in sonniger Lage sollte warm-sandig bis lehmig-tonig und nicht zu trocken sein, da sie in Schattenbereichen weniger ätherisches Öl produziert.

Beet Zitronenmelisse

Es handelt sich um eine krautige, mehrjährige Staudenpflanze mit einer Wuchshöhe von etwa 40 – 90 cm. Die dünnen, aufrechten, vierkantigen Stängel sind abstehend behaart und oft verästelt. Die kurz gestielten, gegenständigen, intensiv grünen Laubblätter sind eiförmig bis länglich gewachsen, etwa 8 cm lang und max. 4 cm breit, an der Basis abgerundet und am Rand grob gesägt. Die Blattoberseite ist dunkelgrün, die Unterseite hellgrün gefärbt. Die Blattnervatur ist an der Unterseite gut zu erkennen und leicht behaart. Die Stängelblätter unterscheiden sich nicht von den Tragblättern der Blütenquirle.

Die etwa 1 cm großen, weißen, gelbliche oder bläuliche, kurz gestielte Blüten stehen zu 4 bis 12 quirlig als Teilblütenstände in den Blattachseln. Die Blüten erscheinen erst im zweiten Jahr. Der zweilippige, etwa 8 mm lange, glockenförmige Kelch besitzt 13 auffällige Nerven. Die knapp 1 – 1,5 cm lange Krone, mit aufwärts gebogener Röhre, ist weißlich, gelblich bis wasserblau gefärbt. Die Unterlippe ist etwas länger, als die dreiteilige Oberlippe, deren Seitenlappen kleiner als der Mittellappen sind. Die vier Staubblätter wachsen zusammengeneigt. Die Blüten stehen nur auf einer Hälfte des Blütenquirls.

Blütenstand Zitronenmelisse

Die Zitronenmelisse blüht zwischen Juni und August. Sie gilt als sehr gute Futterpflanze für Bienen (Bienenweide) und andere Insekten. Sie wird von Bienen auch bevorzugt angeflogen. Melissa steht im griechischen Sprachraum für die Honigbiene.

Die Blätter sollten kurz vor der Blüte gepflückt werden. Die Trocknung sollte an einem schattigen, luftigen Ort erfolgen, um die wertvollen Inhaltstoffe zu erhalten. Frische Blätter, welche nicht getrocknet werden sollen, können laufend gepflückt werden. Die Früchte sind viergeteilt und zerfallen in glatte, knapp 2 mm lange, eiförmige Teilfrüchte. Die gesamte Pflanze verströmt einen intensiven Geruch nach Zitrone und zugleich etwas süßlichem Aroma.

Die Zitronenmelisse besitzt einen verzweigten Wurzelstock und verbreitet sich auch über Rhizome oder kurze Ausläufer. Schnell bildet sie daher kleine Bestände.

Zitronenmelisse als Gewürzpflanze
Die frischen, kräftig zitronenartig schmeckenden Blätter werden zur Aromatisierung von Salaten, Fischgerichten und Marmeladen verwendet. Sie sind auch bei allen mit Zitronensaft zubereiteten Speisen gut aufgehoben. Frische Melissenblätter halten sich gut verpackt im Kühlschrank einige Tage frisch. Sie können frisch zu den Speisen, vor allem Geflügel, Fisch und Salaten (oder mit gewünschtem zitronenartigen Geschmack) hinzugegeben, jedoch nicht mitgekocht werden.

Melissenblätter (oder frische Triebe) sollten am besten vor der Blüte geerntet werden.

Der Geschmack von Melisse regt die Bildung von Speichel, Magensaft und Gallenflüssigkeit an und hilft so die Verdauung zu verbessern.

Zitronenmelisse als Arzneipflanze
Für arzneiliche Zwecke werden die lichtgeschützt getrockneten Melissenblätter (Melissae folium) bzw. deren Auszüge (Melissenöl) verwendet. Diese Auszüge werden auch in Fertigarzneimitteln (z.B. Klosterfrau Melissengeist) verwendet. Die Handelsware stammt aus Kulturanbau.

Hauptinhaltstoffe der Zitronenmelisse sind ätherische Öle (z.B. Citral und Citronellal), Flavonoide und Gerbstoffe. Wenn man die Blätter zerreibt kann man den zirtonenartigen Geruch der ätherischen Öle besonders gut wahrnehmen.

Die Zitronenmelisse hat beruhigende, krampflösende, verdauungsfördernde und antibakterielle Eigenschaften. Daher wird sie meist bei nervösen Magen-Darm und Kreislauf Beschwerden, sowie bei leichter Schlaflosigkeit eingesetzt. Gegen Schlafstörungen wird die Melisse oft mit Hopfen und Baldrian kombiniert.

In der Volksmedizin wird Melisse auch als schweißtreibendes (z.B. bei Erkältungskrankheiten) und kräftigendes Mittel eingesetzt.

Neben den Teezubereitungen, werden auch Bäder und Einreibungen mit Extrakten aus Zitronenmelisse bei Rheuma oder Nervenleiden gemacht. Zudem kommt sie gegen Entzündungen in der Mundhöhle zum Einsatz. Die enthaltene Substanzen Rosmarinsäure, Kaffeesäuresäure und Chlorogensäure besitzen Viren hemmende Eigenschaften und daher kann Melisse auch gegen Lippenherpes erfolgreich eingesetzt werden.

Die Zitronenmelisse wird neben den arzneilichen Zwecken auch zu der Herstellung von Kräuterlikören, Parfüms, Kosmetika, Badeölen und als Duftpflanze in Kräuterkissen verwendet. Für Einreibungen kann Melissenspiritus verwendet werden. Die Wirkungen von Melissengeist werden neben dem Kräutergemisch auch stark vom Alkohol selber geprägt.

In der Aromattherapie wird Melisse zur Beruhigung genutzt.

Für die Zubereitung von Melissentee werden 2g Blätter mit heißem Wasser übergossen und etwa 5 – 10 min ziehen gelassen. Es können einige Tassen Tee am Tag getrunken werden.

Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind bei normalem Gebrauch nicht bekannt. Allerdings hat die Melisse einen dämpfenden Einfluss auf die Schilddrüsenfunktionen, so dass bei Schilddrüsenunterfunktion ein Melissengebrauch nur vorsichtig erfolgen sollte.

Da die Ausbeute an ätherischem Öl sehr gering ist, wird aus Kostengründen häufig das (ähnlich zusammengesetzte) Zitronellöl, welches aus dem Zitronengras (Cymbopogon) gewonnen wird, verwendet. Dies gilt vor allem für Parfüms und Geruchszubereitungen.

Zitronenmelisse als Gartenpflanze
Sie wird in Bauern- oder Naturgärten als Heil- und Aromapflanze genutzt. Die aufrecht und buschig wachsende Melisse ist ein typisches Tee- und Küchenkraut.

Sie bevorzugt durchlässige, nicht zu trockene Böden mit ausreichendem Nährstoffgehalt in sonniger, windgeschützter Lage. Die Melisse benötigt einen geschützten Platz und im Winter einen Schutz, obwohl sie weitgehend winterhart ist. In guter Lage beginnt die Melisse schnell zu wuchern und breitet sich weit aus. Sie bildet kräftige Stöcke und kann den ganzen Sommer über geerntet werden. Im Herbst sollte sie etwas zurückgeschnitten werden. Melisse bildet Flachwurzeln aus, daher sollten die Beete nur sehr vorsichtig gehackt werden.

Im Juni und September können die jungen Triebe der Melisse zurückgeschnitten werden, damit sie buschiger austreibt. Zitronenmelisse benötigt regelmäßige Wässerung, aber nur wenig (bei Rückschnitt) oder kein Dünger (Schwachzehrer). Die Melisse kann über Stecklinge und Teilung, im Herbst oder Frühjahr, bestehender Pflanzen verbreitet werden. Auch in Töpfen oder Kübel kann sie gut gedeihen.

Da die Melisse ein Lichtkeimer ist, sollte die Saat nur wenig mit Erde bedeckt werden. Eine Vorzucht in Töpfen bietet sich an. Die Keimzeit beträgt etwa 30 Tage. Ab Mai können dann die jungen Stecklinge mit einem Abstand von etwa 30 cm ausgepflanzt werden. Im Handel finden sich verschiedene Zuchtformen, welche vor allem sich in Blatt- und Blütenfarbe, sowie Gehalt an ätherischen Ölen unterscheiden.



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