Waldmeister

Echter Waldmeister (Galium oderatum früher Asperula oderata)
syn. Maikraut, Duft-Labkraut

Gattung: Labkraut (Galium)
Familie: Rötegewächse (Rubiaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00247

siehe auch: Gartenpflanzen Arzneipflanzen Giftpflanzen

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Der Waldmeister ist eine typische Pflanze unserer heimischen Laubwälder. In Buchenwäldern lassen sich oft Massenbestände finden. Er bevorzugt schattige, leicht feuchte, nährstoffreiche Waldböden, die gern kalkhaltig sein können. Auf kalkarmen Böden geht die Art dann stark zurück. Er ist in ganz Mittel- und Nordeuropa heimisch; in Südeuropa ist er selten bzw. fehlt ganz. In Höhenlagen bis zur Laubbaumgrenze ist der Waldmeister verbreitet, im Tiefland eher selten. Er kommt häufiger vor und ist nicht geschützt.

Waldmeister wuchert...

Es handelt sich um eine mehrjährige, krautige, nach Cumarin duftende Pflanze. Der aufrechte, glatte, vierkantige Stängel erreicht eine Wuchshöhe von etwa 20 – 30 cm. Die lanzettlich-länglichen, spitz auslaufenden Blätter stehen zu 6 – 9 quirlartig angeordnet. Es handelt sich dabei um Scheinquirle, wo sich die Laubblätter gegenüberstehen und die Nebenblätter ähnlich wie die Laubblätter aussehen. Die etwa 4 cm langen, am Rand rauen Blätter sind beidseitig frisch grün gefärbt und besitzen eine deutliche Hauptader. Beim Welken duftet die Pflanze besonders stark nach dem typischen Waldmeister bzw. Cumarin.

Waldmeister Blütenstand

Die weißen, etwa 5 mm im Durchmesser, großen Blüten stehen in endständigen, schirmartigen Trugdolden an Stängeln und Zweigen. Die Einzelblüten besitzen einen 1 – 3 mm langen Stiel. Die Blütenkrone, aus vier verwachsenen Kronblättern, wächst trichterartig zu einer, etwa bis zur Mitte eingeschnittenen, deutlichen Röhre aus. Der Kronsaum besitzt sternförmige Zipfel. Der zweifächrige Fruchtknoten wächst unterständig, mit zweiteiligem Griffel. Vier Staubblätter sind vorhanden.

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Insbesondere Bienen und Schmetterlinge werden von ihm angelockt. Der Waldmeister blüht von April bis Mai.

Die etwa 3 mm langen, kugeligen Spaltfrüchte zerfallen in zwei Teilfrüchte mit hellen Haarborsten.

Der Waldmeister bildet kriechende Rhizome und entwickelt sich so sehr schnell zu einer fast bodendeckenden Pflanze.

Waldmeister als Arzneipflanze
Für die arzneiliche Nutzung wird das Kraut (Herba Asperulae), welches kurz vor der Blüte gesammelt wird, genutzt.

Der Waldmeister enthält Cumaringlykoside (wird bei dem Welken u.a. in Cumarin umgewandelt und freigesetzt), Asperulosid, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Zudem ist Waldmeister auch reich an Vitamin C. Insbesondere die gefäßerweiternden Wirkungen des Cumarins stehen bei dem Waldmeister im Vordergrund. In Arzneimitteln wird Waldmeister gegen Durchblutungsstörungen und Venenerkrankungen, aufgrund des Asperulosid, genutzt.

In der Volksheilkunde wurde der Waldmeister, wegen seiner krampflösenden, appetitanregenden und beruhigenden Wirkungen eingesetzt. Zudem wurde er als schweißtreibendes Mittel eingesetzt.

In einigen Produkten wie Tees oder andere pflanzliche Zubereitungen wurde Waldmeister früher hinzugesetzt. Aufgrund der Cumarine sollte davon abgesehen werden. In der Likörindustrie wird Waldmeister als Aromastoff heute noch eingesetzt.

In der Maibowle werden (neben dem Geschmack) vor allem die leicht berauschenden und anregenden Wirkungen des Waldmeisters ausgenutzt.

Waldmeister Habitus

Waldmeister als Giftpflanze
Aufgrund der im Waldmeister enthaltenen Cumarine, dürfen im Handel befindliche Waldmeisterzubereitungen nur noch künstlich aromatisiert werden. Cumarin kann in größeren Dosen u.a. Leberschäden verursachen, im häufigen Gebrauch wirkt Cumarin wahrscheinlich zusätzlich krebsauslösend.

Bei zu großem Cumarinkonsum setzen meist intensive Kopfschmerzen und Benommenheit ein. Für die übliche Maibowle sollten daher nicht mehr als 3 Gramm frisches Kraut je Liter Bowle verwendet werden.

Neben dem Waldmeister finden sich größere Mengen Cumarin bzw. Dicumarol auch im Steinklee (Melilotus officinalis).

Waldmeister verblüht

Waldmeister als Gartenpflanze
Der mehrjährige, frostharte Waldmeister stellt keine großen Ansprüche an die gärtnerischen Fähigkeiten. Ein schattiger oder halbschattiger Platz z.B. in Gehölzgärten auf kalkhaltigem, durchlässigem Boden ist für diese Waldstaude fast ausreichend. Etwas Bewässerung, aber keine Düngung, benötigt der Waldmeister außerdem. Bei zu starker Sonnenbestrahlung können die Blätter verbrennen.

Die Pflanzen wachsen etwa 30 cm in die Breite. Der Pflanzabstand sollte daher gut 25 cm betragen. Durch seine Rhizome wächst er stark bodendeckend.

Zur Vermehrung können bestehende Pflanzen im Herbst oder Frühjahr geteilt werden. Die Aussaat sollte im Herbst erfolgen, da der Waldmeister ein Frostkeimer ist.

Wer mag, kann das Kraut kurz vor der Blüte ernten und vorsichtig trocknen oder frisch verwenden. Die Ernte kann ab dem zweiten Jahr beginnen.



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