Weißer Germer

Weißer Germer (Veratrum album)
syn. Weiße Nieswurz, Lauskraut

Gattung: Germer (Veratrum)
Familie: Germergewächse (Melanthiaceae)
Ordnung:
Lilienartige (Liliales)
Klasse: Einkeimblättrige (Monocotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00213

Giftpflanzen

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Der Weiße Germer gehört zu den giftigsten Pflanzen unserer Heimat. Er wächst auf Bergwiesen, Moore und Hochstaudenfluren der Höhenlagen, z.B. Westallgäu. Z.T. findet man ihn auch in der Bergwelt Osteuropas. Er bevorzugt leicht feuchten, stickstoff- und kalkreichen Boden. Seine  Bestände sind im Rückgang begriffen, da die von ihm benötigten Biotope zunehmend zerstört werden.

Die Gattung Veratrum ist mit etwa knapp 50 Arten auf der nördlichen Halbkugel vertreten.

Blütern Weißer Germer

Der kräftige, einfache und hohle Stängel wächst aufrecht und erreicht eine Höhe von 50 - 180cm. Im oberen Bereich ist er behaart. Die Laubblätter stehen wechselständig. Die Blätter sind oberseits fast kahl und von unten kurz behaart. Sie sind längs gefaltet und breit eiförmig bis schmal lanzettlich geformt. Zum Pflanzengrund hin, wachsen die Blätter dichter. Im unteren Bereich sind sie mit fast 35cm Länge und gut 15 – 20 cm Breite am größten. Sie sind vielnervig und laufen in eine schmale, spitze Blattscheide aus. Die Blätter strömen einen intensiven Geruch aus.

Der Weiße Germer ist eine ausdauernde Pflanze, welche erstmals nach einigen Jahren Wachstum blüht.

Die zahlreichen, weißen, kurz gestielten Blüten stehen eng in verzweigten, bis 60cm langen, endständigen Rispen, welche aus dichten Trauben zusammengesetzt sind, und besitzen einen Durchmesser von 2 – 3cm. Die Tragblätter sind deutlich länger als die knapp 3mm langen Blütenstiele. 6 Staubblätter vorhanden. Der oberständige Fruchtknoten besteht aus 3 verwachsenen Fruchtblättern. Die 10 -20mm langen, außen behaarten Blütenhüllblätter sind außen weiß und innen grünlich gefärbt.

Der Weiße Germer blüht zwischen Juni und August. Die dreiteilige Kapselfrucht ist nur spärlich behaart. Sie enthält zahlreiche geflügelte Samen. Der fleischig, knollige Wurzelstock ist sehr kurz und am Stängelende zwiebelartig verdickt.

In der blütenlosen Zeit kann der Weiße Germer leicht mit dem Gelben Enzian verwechselt werden. Unterscheiden kann man die Pflanzen jedoch anhand der Blattstellung, welche bei dem Gelben Enzian gegenständig wachsen.

Weißer Germer als Giftpflanze
Der Weiße Germer ist eine sehr stark giftige Pflanze. Es ist sogar für Insekten giftig und wurde früher als Absud zur Lausbekämpfung eingesetzt, daher auch der Name „Lauskraut“. Auch das Weidevieh kann an Vergiftungen von dem Weißen Germer zugrunde gehen, wobei das Großvieh den Weißen Germer meidet und vor allem Schafen und Ziegen von Vergiftungen betroffen sind.

Der Weiße Germer enthält in allen Pflanzenteilen verschiedene alkaloide Giftstoffe. Insbesondere im kräftigen Wurzelstock finden sich sehr hohe Alkaloidkonzentrationen. Die wichtigsten Alkaloide sind dabei das Germerin und das Protoveratrin. Es handelt sich dabei um Nervengifte, welche bereits die Nervenenden in der Haut und Schleimhaut reizen. Achtung, es ist eine Giftaufnahme durch die Haut möglich. Nach kurzer Erregungsphase werden die Nervenenden gelähmt und es kommt schnell zu  Erbrechen, Durchfall und Schmerzen bzw. Gefühllosigkeit oder Taubheitsgefühlen. Später (bei höheren Dosen) treten dann Lähmungen, Herzversagen und Atemstillstand auf. Die Vergiftungssymptome ähneln denen des Blauen Eisenhuts.

Früher wurde der Weiße Germer auch als hochwirksames Pfeilgift benutzt. Die für den Menschen tödliche Dosis liegt bei etwa 2g (entspricht etwa 20mg reiner Alkaloide) getrockneter Wurzel.

Die Maßnahmen bei Vergiftungen zielen vor allem auf die Giftentfernung ab. Primär also Erbrechen auslösen, Aktivkohle geben evtl. Abführmittel verabreichen.

In der Antike wurde der Weiße Germer als Mordgift eingesetzt.

Weißer Germer als Arzneipflanze
Volksheilkundlich genutzt wurde der getrocknete Wurzelstock. Er wurde bei Bluthochdruck, Fieber, Depressionen und Rheuma genutzt.

Zudem wurde das Wurzelpulver in Niespulvern verwendet. Wegen seiner Giftigkeit wird der Weiße Germer heute nicht mehr arzneilich verwendet. Aufgrund seiner leichten Verwechselbarkeit mit dem Gelben Enzian kommt es immer mal wieder bei der Eigenproduktion von Enzianschnaps zu Vergiftungen.



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