Baldrian

Echter Baldrian (Valeriana officinalis)
syn. Arznei-Baldrian, Katzenkraut, Bullerjahn

Gattung: Baldrian (Valeriana)
Familie: Baldriangewächse (Valerianaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00203

Arzneipflanzen

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Baldrian ist, neben der Kamille, sicher die bekannteste heimische Arzneipflanze. So gut wie jeder kennt Baldrian und weis, dass er beruhigend und Schlaf fördernd wirkt.

Es handelt sich um eine mehrjährige, krautige Pflanze, die in fast ganz Europa und den gemäßigten Zonen Asiens verbreitet ist. In Deutschland ist der Baldrian urwüchsig und kommt ebenfalls häufig vor. In Höhenlagen wächst er in etwa bis zur Baumgrenze. Der Echte Baldrian ist eine Sammelart, mit vielen abweichenden Unterarten und auch Zuchtsorten, mit oftmals ganz unterschiedlichen Bodenansprüchen und genetischen Abweichungen. Arzneilich genutzter Baldrian stammt üblicherweise aus dem Anbau, welche in Holland, Deutschland, Belgien, England und vor allem in Osteuropa stattfindet.

Arzneibaldrian

Die Gattung Baldrian umfasst ca. 250 Arten, davon sind etwa 20 in Europa heimisch.

Katzenkraut wird der Baldrian auch genannt, da sein Geruch außerordentlich anziehend und erregend auf Katzen wirkt.

Baldrian kommt häufig an feuchten Uferböschungen, Gräben und Gebüschen vor. Auch in nicht zu trockenen Laub- und Mischwäldern kann man ihn oft antreffen. Er liebt nährstoffreiche, grundwasserfeuchte Böden mit hohem Lehmanteil. Baldrian ist eine typische Feuchtbodenpflanze.

Der schwach behaarte Baldrian erreicht eine Wuchshöhe von 60 – 180cm. Sein hohler Stängel ist gefurcht. Die mit 6  - 12 schmal lanzettlichen, glattrandigen Fiedern, stark gefiederten, unpaarigen Blätter wachsen gegenständig am Stängel. Im Frühjahr bildet sich zunächst eine Rosette grundständig, gefiederter Laubblätter. Die Grundblätter sind rel. groß, die Laubblätter werden nach oben hin kleiner.

Die rosa bis weißen, 3 -8mm langen, zwittrigen Blüten wachsen in großen, endständigen, doldenartig (Trugdolden) halbkugeligen Blütenständen. Die Krone ist über 1/3 in 5 Zipfel geteilt. Drei Staubblätter ragen aus der Krone heraus. Die drei Fruchtblätter sind verwachsen. Diese Kronzipfel sind schüsselartig ausgebreitet. Durch die verschiedenen Astpaare sind die Blüten stockwerkartig angeordnet. Die Blütezeit des Baldrians liegt zwischen Mai und August. Die traubigen Blütenstände werden vor allem von Hautflüglern und Fliegen bestäubt.

Es bildet sich eine einsamige Nussfrucht ohne Nährgewebe für den Samen aus. Die Frucht ist etwa 4mm lang und 2mm breit. Die Vermehrung erfolgt über die Samen.

Die Wurzeln bilden kleine unterirdische Ausläufer; ohne echte Primärwurzel. Aus einem kurzen Rhizom bilden sich zu allen Seiten kleine Faserwurzeln. Aus den Ausläufern können Erneuerungstriebe mit kleinen Blattrosetten entstehen.

Baldrian als Arzneipflanze

Baldrian ist das am häufigsten angewandte pflanzliche Arzneimittel mit einer Wirkung auf die Psyche. Gerade in der heutigen hektischen Zeit voller Stress und Überforderung ist Baldrian gefragter den je. Die Wirksamkeit von Baldrian gilt als wissenschaftlich gesichert. Bereits im alten Griechenland war Baldrian als Mittel zur Beruhigung bekannt. Bis vor einigen hundert Jahren wurde er auch wegen seines unangenehmen Geruchs auch als Mittel zur Zauberabwehr genutzt.

Arzneilich genutzt werden die unterirdischen Teile des Baldrians, also die Wurzel, der Wurzelstock und die Ausläufer (Radix Valerianae). Umgangssprachlich auch Augenwurzel oder Katzenwurzel genannt. Es handelt sich um getrocknete, zerkleinerte oder pulverisierte (selten) Wurzelstücke von 2 – 3mm Durchmesser. Das ätherische Öl befindet sich in der Ölzellenschicht (Exodermis) der Wurzel. Die Sammelzeit ist vor der Blüte (März bis Mai) und nach der Blüte (September bis Oktober). Die Trocknung muss unterhalb 40 Grad stattfinden, um die Inhaltstoffe nicht zu zerstören. Der typische, süßlich-bittere  Baldriangeruch (nach Isovaleriansäure und Bornyl-Isovalerianat) entwickelt sich erst nach der Trocknung. Frisch gegrabener Baldrian ist dagegen geruchlos. Die Arzneidroge wird in einem geschützten, verschlossenen Glasgefäß aufbewahrt. Hochwertige Ware enthält 0,5-2% Valepotriate.

Bei den Bestandteilen handelt es sich vor allem um ätherische Öle, Glykoside, Kohlehydrate und Alkaloide. U.a. folgende Stoffe finden sich: Borneol, Camphen, Campher, Cineol, Fenchen, Monoterpene sowie Lignane, Valepotriate, Valerensäure, Valtrat, Phenolcarbonsäure und Kaffeesäure. Wirksame Hauptinhaltstoffe sind u.a. die Valepotriate. Allerdings gelangen die Valepotriate nicht unzersetzt an Ihren Wirkort, so dass noch nicht klar ist, wodurch die eigentliche Wirkung des Baldrian wirklich ausgelöst wird. Neuere Forschungen haben entdeckt, dass die Wirkstoffgruppe der Lignane (Olivil-Verbindungen), welche aus dem Baldrian extrahiert werden können, mit ursächlich für die schlaffördernde Wirkung sind (hochaffin zum Adenosin A1 Rezeptor). Sie können direkt die Koffeinwirkung (greift am identischen Rezeptor an) aufheben.

Baldrian fördert das Einschlaf- und Durchschlafvermögen, ohne am Folgetag müde zu machen. Vor allem der Schlafanstoß durch Baldrian ist sehr bekannt. Zudem wirkt er entspannend auf Nerven und Muskeln. Innere Unruhe, Angst und Angespanntheit werden ausgeglichen bzw. abgebaut. Zudem wird Baldrian auch bei nervösen Magen-Darm, sowie Herz-Beschwerden angewendet. Auch das Konzentrationsvermögen kann durch Baldrian gesteigert werden. Weniger bekannt ist die Wirksamkeit bei Überreizungen des vegetativen Nervensystems, was ist u.a. in Hitzewallungen, Magen-Darm-Störungen und nervöser Erschöpfung führen kann.

Die Wirkung von Baldrian setzt nicht sofort ein, sondern baut sich innerhalb von 2 Wochen immer mehr auf.

Nach längerer, hochdosierter Einnahme kann es zu Entzugserscheinungen (Unruhe, Schwindel, Schweißausbrüche etc.) kommen. Daher sollte nach einer längeren Anwendung die Einnahme nicht abrupt abgesetzt werden.

Er wird typischerweise als Baldriantinktur (30 – 50 Tropfen) oder als Fertigarzneimittel in Drageeform angewendet. Kaltauszüge, Medizinalweine oder ölige Extrakte werden nur selten verwandt. Für die eigene Teezubereitung werden 3 Gramm Wurzel (ca. 1 TL) mit 150ml heißem Wasser übergossen und ungefähr 10min stehen gelassen. Danach den Tee abseihen.

In Kräuterkissen und Bädern wird Baldrian gern mit Lavendel zusammen verwendet. Als Badeanwendung wirkt Baldrian Muskel entspannend.

In der Anwendung wird Baldrian oftmals zu niedrig dosiert, so dass sich seine Wirkungen nicht richtig entfalten können. Insgesamt ist Baldrian ein gut verträgliches und nebenwirkungsarmes Naturarzneimittel. Nur in sehr großen Mengen wirkt er schwach giftig. Nach der Einnahme kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein.

Eine Kombination mit Hopfen, Kava-Kava, Passionsblume oder Johanniskraut scheint die Wirkung von Baldrian noch zu unterstützen.

Baldrian kann die Wirkung anderer Schlaf- und Beruhigungsmittel verstärken oder verlängern. Besondere Vorsicht ist in Kombination mit Alkohol notwendig.



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