Fenchel

Echter Fenchel (Foeniculum vulgare)
syn. Garten-Fenchel

Familie: Doldenblütler (Apiaceae syn. Umbelliferae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00199

siehe auch : Arzneipflanzen , Gewürzpflanzen , Nutzpflanzen

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Arzneipflanze des Jahres 2009

Alle Bilder zeigen die var. vulgare (Bitterfenchel)


Fenchel gehört wie auch der Kümmel zu den bekannten Gewürzpflanzen aus der Familie der Doldenblütler.

Der Echte Fenchel ist im Mittelmeergebiet heimisch. Seit längerer Zeit wird er auch in Europa, Teilen von Afrika, Asien und Südamerika angebaut. Wildvorkommen in Deutschland sind selten und nicht beständig. Die Fenchel-Importe stammen meist aus Osteuropa und Ägypten. Fenchel ist eine lang bekannte Arznei-, Gewürz- und Gemüsepflanze. Die Griechen nutzten den Fenchel als Gewürz, die Römer hingegen als Gemüse. Gemüsefenchel ist heute noch ein beliebtes Gemüse in Italien.

Er benötigt warme, sonnige Lagen und warme Sommermonate. Lehmiger, nährstoffreicher Boden wird vom Fenchel bevorzugt besiedelt.

Fenchel ganze Pflanze

Es sind 3 Varietäten vom Fenchel bekannt:

1. var. dulce:  Süß-Fenchel, Römischer Fenchel oder Gewürz-Fenchel. Er besitzt besonders süße Früchte und wird als Gewürz genutzt.

2. var. vulgare: Bitter-Fenchel oder Wilder Fenchel. Hieraus wird der offizielle Arznei-Fenchel gewonnen.

3. var. azoricum: Gemüse-Fenchel  oder auch Zwiebel-Fenchel, besitzt nur als Gemüse eine Bedeutung. Die genutzten jungen, unterirdischen Blattsprosse wachsen zwiebelförmig als Scheinknolle. Er ist einjährig und erreicht nur eine Wuchshöhe von ca. 60cm. Wird umfassend in Italien angebaut.

Fenchel Blütenstand

Der Fenchel ist eine krautige, zweijährige Pflanze mit aufrechten Trieben, die sich im oberen Teil stark verzweigen. Der Stängel ist innen markig ausgefüllt.

Die wechselständigen Blätter sind 2 bis 4-fach gefiedert, mit ca. 7cm langen linearen, fädigen Abschnitten. Die einzelnen Fieder sind fadenförmig, spitz auslaufend und nicht in einer Ebene stehend. Die grundständigen Blätter umfassen den Sproß zwiebelartig. Die Wachsbeschichtung der oberen Triebe und die geringe Blattoberfläche ist eine Anpassung an warmes und sehr trockenes Klima.

Er erreicht eine Wuchshöhe von 130cm (var vulgare - Echter Fenchel) bis 220 cm (var. dulce – Süß-Fenchel). Die Grundachse ist fleischig verdickt.

Die Pflanze ist unbehaart, blau-grünlich bereift und verströmt einen typischen Geruch.

Die bis 15cm großen Blütendoppeldolden setzen sich aus ca. 15 – 25 Döldchen mit jeweils ungleich langen Stielen und gelb leuchtenden, am Ende eingerollten Kronblättern zusammen. Die Blütenhülle fehlt ganz.

Die kleinen, zwittrigen, gelben Blüten sind nektarreich (Bienenweide) und werden von Insekten, vor allem Schwebfliegen, bestäubt.

Die Blütezeit liegt zwischen Juli und Oktober. Die Samen reifen im September.

Die wenig abgeflachten Früchte sind 6 – 10mm lang und zerfallen leicht in 2 Teilfrüchte mit jeweils 5 deutlichen Rippen. Mit der Lupe sind im Querschnitt auf der Rückseite 4 und auf der Vorderseite 2 Sekretkanäle sichtbar. Die kahlen Teilfrüchte sind bräunlich-grün gefärbt. Der Geruch ist würzig und der Geschmack zunächst süßlich, später bitter bis brennend.

In der Kultur wird Fenchel aus Samen gezogen und einjährig als Gemüse bzw. zweijährig als Gewürz und Arzneipflanze angebaut. Die Ernte erfolgt Ende Oktober vor den ersten Frösten. Die Früchte werden in großem Maßstab zur Gewinnung von Anethol genutzt.


Junger Fenchel

Die weißliche Wurzel des Echten Fenchel wächst spindelförmig. Im zweiten Jahr wächst aus ihr ein aufrechter Stängel.

Fenchel als Gemüse
Als Gemüse wird die var. azoricum (Gemüse-Fenchel)  genutzt. Sie ist kleiner und bildet eine dicke, fleischige Knolle aus, welche frisch zu kaufen ist und ca. 250 – 400g wiegt. Die Knolle ist farblos, da sie unter der Oberfläche wächst und kein Chlorophyll bildet. Sie kann frisch als Salat oder leicht gegart genossen werden. Aber auch als Gemüsepfanne oder Beilage ist der Gemüse-Fenchel geeignet. Die Erntezeit für die Knolle ist der Oktober.

Fenchel als Gewürz
Süß-Fenchel (var. dulce) wird typischerweise als Gewürz bei Gemüse- und Krautgerichten verwendet. Aber auch zu Fischgerichten passt Fenchel gut. In Marmeladen und Fruchtgelees wird auch hin und wieder Fenchel eingesetzt. Ihm fehlt der sonst bittere Geschmack, da er kaum (<1%) Fenchon enthält. Fenchelbrot ist als gute Alternative für Personen bekannt, welche frisches Brot nicht vertragen. In einigen Käsesorten wird Fenchel verarbeitet. Fenchelblätter werden (ähnlich wie Dill) gern zu Fischgerichten gegeben. Die Fenchelblätter sind reich an Mineralstoffen und Vitaminen. Der Einsatz von Gewürzfenchel dient zudem der besseren Verdauung schwerer Speisen.

Fenchel als Arzneipflanze
Echter Fenchel wird in erster Linie als Fenchelfrüchte (Fructus Foeniculi) arzneilich genutzt, selten kommt auch das aus den Früchten gewonnene Fenchelöl zu Einsatz. Fenchelöl wird typischerweise in Süßwaren, Zahnpasta, Seifen oder Likören weiterverarbeitet.

Die wichtigsten Inhaltstoffe des Echten Fenchels (var. vulgare) sind die ätherischen Öle, welche zu ca. 8% in den Fenchelfrüchten enthalten sind. Sie bestehen zu gut 80% aus trans-Anethol und ca. 15% aus Fenchon, sowie Pinen und Limonen. Die Fenchelfrüchte enthalten zudem fette Öle, Flavonoide und Proteine.

Der aromatisch riechende Fenchel regt die Speichel- und Magensaftsekretion an, zudem wirkt er schwach abführend und krampflösend (spasmolytisch) bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen. Seine Hauptanwendungsgebiete liegen also im Bereich der Magen-Darm Beschwerden. Zudem wirkt Fenchel in Hustentees schleimlösend (sekretolytisch) in den oberen Atemwegen. Im Gegensatz zum Anis wirkt Fenchel zudem antiseptisch.

Oft wird Fenchel als Tee bzw.  mit Kümmel und Anis als Teemischung aufgenommen. Bei der Teezubereitung aus Fenchelfrüchten ist zu beachten, dass die Früchte angestoßen sein müssen. Werden die Früchte bereits bei dem Einkauf angestoßen, ist die Haltbarkeit eingeschränkt.

Für die Teezubereitung werden ca. 2 Teelöffel frisch angestoßene Fenchelfrüchte mit 150ml siedendem Wasser 10min ziehen gelassen und mit einem Sieb gefiltert. Täglich können 2 -3 Tassen getrunken werden; die Anwendung sollte 1 – 2 Wochen nicht überschreiten. Fencheltee im Filterbeutel sind nur eingeschränkt ratsam, da die wirksamen ätherischen Öle oft bereits verflogen sind. Besser sind gefriergetrocknete Fencheltees bzw. Teemischungen.

Aufgrund seines angenehmen Geschmacks wird Fenchel auch als Aromatikum zur Appetitanregung genutzt.

Fenchel wird auch zur Förderung der Milchbildung (Laktagogum) bei stillenden Müttern genutzt. Dies nutzt auch den Säuglingen, da erheblich weniger Blähungen entstehen. Für Säuglinge bietet sich zudem auch der Einsatz von Fenchelhonig an.

Für die Nutzung von Fenchel als Arzneipflanze sind keine Kontraindikationen bekannt. Fälle von Gewürzallergien auf Fenchel sind selten und führen zu Beschwerden auf der Haut und in den Atemwegen. Reines Anethol ist in hohen Dosen toxisch.



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