Kümmel

Echter Kümmel (Carum Carvi)
syn. Wiesenkümmel, Gemeiner Kümmel, Feldkümmel

Gattung: Kümmel (Carum)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae syn. Umbelliferae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00191
Arzneipflanze des Jahres 2016

siehe auch : Arzneipflanzen , Gewürzpflanzen , Nutzpflanzen

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Umgangssprachlich werden mit dem Begriff Kümmel eigentlich die Früchte des Echten Kümmels beschrieben, gemeint ist in diesem Beitrag natürlich immer die ganze Pflanze.

Der Echte Kümmel gehört zu den Doldenblütlern. In dieser Pflanzenfamilie finden sich noch weitere bekannte Gewürzpflanzen, wie z.B. Anis, Koriander, Petersilie oder Liebstöckel. Er ist ursprünglich in Asien heimisch und kommt heute auch in ganz Europa und Nordafrika vor.

Echter Kümmel

In Deutschland findet man Kümmel an leicht feuchten Wegrändern, Weiden oder Wiesen mit hohem Nährstoffgehalt und tiefem lehmigen Grund. Er kommt in Höhen bis 2000 Meter und nur selten  im Tiefland vor. Der Echte Kümmel ist in Deutschland weit verbreitet und nicht gefährdet.

Der Echte Kümmel ist eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr bildet sich zunächst nur eine niedrige Blattrosette aus. Im zweiten Jahr bildet sich dann der gefurchte Stängel mit den 2-3fach fiederteiligen Blättern mit schmal-lanzettlichen Zipfeln aus. Die Fieder stehen einander gegenüber, das unterste Paar steht sich kreuzweise gegenüber. Die aufrechten Stängel sind kaum behaart und reich verzweigt. Der Echte Kümmel erreicht eine Wuchshöhe von knapp einem Meter.

Blätter vom Kümmel

Zwischen April und Juni bilden sich die weißen bis leicht rosafarbenen Blüten in zusammengesetzten Dolden (1. Ordnung) aus, welche wiederum aus 8 – 16 kleinen, ca. 4cm breiten Dolden (2. Ordnung) bestehen. In warmen Jahren kann es zwischen August und September zu einer zweiten Blüte kommen. Die einzelnen Blüten haben einen Durchmesser von ca. 3mm. 5 leicht herzförmige Blütenblätter, sowie 5 Staubblätter sind vorhanden. Die Blütenstiele entspringen einem Punkt und bilden dadurch die schirmartigen Dolden aus. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, im wesentlichen Fliegen und Käfer. Der zweiblättrige Fruchtknoten ist unterständig und besitzt 2 Fächer mit je einer Samenanlage.

Kümmel-Früchte

Es entwickeln sich nach der Blüte kleine, an den Schmalseiten verbundene Spaltfrüchte, welche in zwei Teilfrüchte zerfallen. Die Früchte sind graubraune, sichelförmige zugespitzte Teilfrüchte von ca. 3-5mm Länge. Auf der gewölbten Seite zeigen sich 5 schmale, hellbraune Rippen; zwischen den Rippen kann man die kleinen Sekretgänge erkennen. Die Früchte riechen nach Kümmel und schmecken stark würzig. Sie enthalten ein großes fett- und eiweißreiches Nährgewebe.

Die essbare Wurzel wächst rübenartig, spindelförmig verdickt, mit faserigen Seitenwurzeln.

Kümmel wird bereits seit vielen tausend Jahren als Gewürz- und Heilpflanze genutzt. Damit ist der Kümmel sicher eine der ältesten Gewürzpflanzen in Europa. Deutschland ist eines der Länder mit dem höchsten Kümmelkonsum.

Kümmelfrüchte (Carvi fructus):
Es werden die getrockneten, reifen Früchte verwendet. Sie enthalten vor allem ca. 3-8% ätherische Öle (enthält Carvon 50-60%), Terpene, Cumarine, Flavonoide und fette Öle. Sie werden bei Blähungen und Völlegefühl des Magen-Darm-Traktes, sowie zur Appetitanregung und als Cholagogum (Anregung der Gallensaftproduktion) eingesetzt. In Tee gegen Blähungen und Koliken von Säuglingen findet sich fast immer der gut verträgliche Kümmel.

Auch als kräftiges Gewürz für die bessere Verdauung fetter Speisen und zur Likörzubereitung werden die Kümmelfrüchte genutzt. Zudem werden auch Backwaren (z.B. Kümmelbrot) oder Käse mit Kümmel versetzt.

Kümmelfrüchte werden überwiegend als Tee genutzt, bzw. oftmals auch in Teemischungen; die bekannteste Teemischung ist sicher der „Fenchel-Anis-Kümmel-Tee“.

Zu der Teezubereitung werden die Kümmelfrüchte frisch angestoßen. Für eine Tasse Tee wird ungefähr ½ Teelöffel Kümmelfrüchte verwendet. Den Tee lässt man 10-15min ziehen (wichtig: dabei das Gefäß abdecken, wegen der flüchtigen ätherischen Öle!), bevor der Kümmel abgesiebt wird. Die Tagesdosis liegt bei 2-6g Kümmelfrüchte.

In der Volksmedizin werden die Kümmelfrüchte auch als milchförderndes Mittel (Lactagogum) eingesetzt, oftmals auch in Kombination mit anderen Pflanzen in so genannten „Milchbildungstees“.

Kümmelöl (Carvi aetheroleum):
Kümmelöl ist eine farblose, klare Flüssigkeit, die aus den reifen Kümmelfrüchten gewonnen wird. Es wirkt wie die Kümmelfrüchte krampflösend (spamolytisch) bei Magen-Darm Beschwerden, zudem regt es die Magensaftsekretion an.

Es findet Einsatz in vielen Fertigarzneimitteln in Zusammenhang mit Magen-Darm Beschwerden.

Kümmelöl zersetzt sich schnell unter Licht und Luftsauerstoffeinwirkung und muss daher immer geschützt aufbewahrt werden. Die beginnende Zersetzung kann an einer Gelbfärbung des Öls erkannt werden.

In höheren Dosen kann Kümmelöl, bzw. das Carvon, leicht giftig wirken. Erste Anzeichen der Giftwirkung sind Kopfschmerzen und Schwindelgefühle. Es wirkt zentral erst erregend, später dann lähmend. Eine längere Einnahme hoher Kümmeldosen kann zu Nieren- und Leberschäden führen. Die sinnvolle Tagesdosis liegt bei ca. 3-6 Tropfen Kümmelöl.

Der Kümmel für arzneiliche Zwecke stammt nicht aus der Wildsammlung, sondern fast ausschließlich aus dem Anbau. Kurz vor der Reife wird der Kümmel geerntet und getrocknet. Die Ernte erfolgt weitgehend maschinell. Aufgrund des Feldanbaus kommen kaum Verfälschungen im Handel vor. Hochwertiger Kümmelanbau erfolgt heute vor allem in Holland und Dänemark, sowie in der Mittelmeerregion.


Die zweiteiligen Spaltfrüchte sind gut zu erkennen.



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