Spitzwegerich

Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
syn. Heilwegerich, Wundwegerich

Gattung: Wegerich (Plantago)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00189

Siehe auch: Arzneipflanzen

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Eine der unauffälligsten Pflanzen in unserer Natur ist der Spitzwegerich. Sind sonst Blüten gut sichtbar und leuchten in frischen Farben, der Spitzwegerich hingegen scheint im Verborgenen zu leben. Dies hat damit zu tun, dass für die Bestäubung keine Insekten angelockt werden müssen, sondern der Wind den feinen Pollen zu benachbarten Blüten trägt. Um auch sicher andere Blüten zu erreichen werden sehr großen Mengen des feinen Pollens produziert, worunter Allergiker z.T. sehr leiden. Andere bekannte Pflanzen aus der gut 220 Arten umfassen Familie der Wegerichgewächse sind der Breitwegerich und der mittlere Wegerich.

Spitzwegerich ganze Pflanze
Alle Blätter in einer grundständigen Rosette

Der Spitzwegerich ist eine typische Pflanze unserer Wegränder, Äcker, Ruderalfluren und Wiesen. Er wächst vorzugsweise auf nährstoffarmen Untergründen. Der Kalkgehalt des Bodens beeinflusst seine Verbreitung kaum. Als Pionierpflanze sieht man ihn häufig auf frisch aufgebrochenem Boden. Er ist in den gemäßigten Zonen von Europa, Nordafrika und Asien heimisch. Er kommt sehr häufig vor und ist nicht gefährdet.

Es handelt sich um eine ausdauernde, bis 50cm hohe, krautige Staudenpflanze. Die parallelnervigen (3 – 7 Nervenbahnen), ungestielten Blätter stehen vollständig in einer grundständigen Rosette. Sie sind schmal-lanzettlich, ganzrandig oder leicht gezähnt, zum Stiel hin verschmälert und nur wenig behaart. Der lange, blattlose, fünfkantige Stängel wächst gerade aufrecht und mündet in die endständige, walzenartige Blüteähre, wobei die Ähre mit 1 – 4 cm deutlich kürzer, als der Stängel ist.

Blütenstände Spitzwegerich

Aufgrund seiner parallelen Nervenbahnen könnte man ihn leicht für eine einkeimblättrige Pflanze halten, obwohl er zu den zweikeimblättrigen Pflanzen gehört.

Die Zwitterblüten haben eine braune Krone mit fast 1cm langen, heraushängenden Staubfäden. Vier Staublätter sind vorhanden, der Fruchtknoten ist oberständig. Die Tragblätter der vierzähligen Einzelblüten sind spitz und etwas länger als der Kelch. Die Staubbeutel sind anfangs gelblich, später braun. Die Frucht ist eine mehrsamige Kapsel. Die Fruchtkapsel ist 3-4 mm lang und enthält 2 Samen, sie öffnet sich nach oben mit einem abfallenden Deckel. Die Samen werden oftmals im Winter von Vögeln verspeist. Die Bestäubung der Blüten erfolgt meist durch den Wind. Die Blüten blühen von unten nach oben auf.

Der Spitzwegerich blüht zwischen April und Oktober.

Die Wurzeln sind kräftig entwickelt und reichen fast einen halben Meter in den Boden.


Typisch parallele Nervenbahnen bei dem Spitzwegerich

Die Verbreitung erfolgt durch die gut 2mm langen, schwärzlichen Samen und über eine vegetative Vermehrung der Wurzelsprosse. Die Samen sind in feuchtem Zustand sehr klebrig (ohne dabei stark aufzuquellen) und bleiben an Füßen und Pfoten hängen. So werden die Samen des Spitzwegerichs durch Tiere und Menschen schnell weit verbreitet.

Wegen ihres hohen Vitamin C Gehaltes und ihrer verdauungsunterstützenden Wirkung werden die frischen Blätter (vor der Blüte geerntet) auch als Gemüse genutzt.

Arzneilich genutzt wird das Spitzwegerichkraut (Plantaginis lanceolatae herba). Es handelt sich um die zur Blütezeit gesammelten, getrockneten, ganzen oder zerteilten Blätter, z.T. Blütenstände und Teile des Stängels. Das Kraut schmeckt bitter bis salzig und ist kaum behaart. Die Arzneidroge stammt fast ausnahmslos aus dem Anbau in Osteuropa oder den Niederlanden.

Es enthält u.a. größere Mengen Iridoid-Glykoside (z.B. Aucubin, Catapol), Tannine, Flavonoide und Schleimstoffe.

Seine Hauptanwendungsgebiete sind bei innerlicher Anwendung Erkrankungen der Atemwege und äußerlich Hautverletzungen.

Für die innerliche Anwendung verwendet man meist Spitzwegerichtee oder Teemischungen mit Spitzwegerich, Sirup oder Saft vom Spitzwegerich. Diese lösen festsitzenden Schleim und lindern entzündliche Prozesse. Ergänzend zu seiner Wirkung auf die Atmung fördert er auch die Verdauung und regt den Stoffwechsel an. Neben Efeu und Thymian ist er eines der besten pflanzlichen Hustenmittel überhaupt.

Auch bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut kann er genutzt werden. Äußerlich wird er als Spülung, Bad oder Pinselung angewendet.

Für die Teezubereitung werden ca. 3g Kraut mit 150ml heißem Wasser übergossen und nach 10min abgesiebt. 2- 3 Tassen je Tag sollten nicht überschritten werden. Die mittlere Tagesdosis bei innerlicher Anwendung liegt bei 3-6g Spitzwegerichkraut.

Der ausgedrückte Saft der Blätter wurde schon früher bei Insektenstichen und kleinen Verletzungen genutzt. Dies bietet sich auch heute noch an, wenn man sich unterwegs verletzt, da der Spitzwegerich auch blutgerinnungsfördernd, leicht antibakteriell (durch das Aucubin bzw. seine Abbauprodukte), zusammenziehend (adstringierend) und desinfizierend wirkt. Bei der Teezubereitung gehen diese antibiotischen Eigenschaften verloren, weshalb oftmals Kaltauszüge genutzt werden.

Unerwünschte Wirkungen und Gegenanzeigen durch Spitzwegerich sind nicht bekannt.



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