Blauer Eisenhut

Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)
syn. Echter Sturmhut

Gattung: Eisenhut (Aconitum)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Ordnung : Hahnenfußartige (Ranunculales)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00183

Giftpflanze
Gartenpflanzen

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Unter den Giftpflanzen Europas ist der Eisenhut, neben dem Fingerhut, sicher die bekannteste und vor allem giftigste Pflanze. Sie ist so giftig, dass sie als Grundlage für Jagdgifte (bzw. Pfeilgift – Aconitum ferox) und Mordgifte gedient hat. Eine andere bekannte Eisenhut-Art in Europa ist der Wolfs-Eisenhut.

Der Blaue Eisenhut wächst gut auf humusreichen, halbschattigen und kalkreichen Böden. Da er nährstoffreiche Böden bevorzugt, gilt er auch als Zeigerpflanze für stickstoffreiche Böden. Die Böden sollten kühl und naturfeucht sein, wie z.B. Bruchwälder, Quellflure oder Bachufer. Der Eisenhut ist vornehmlich, als Frostkeimer, in den höheren Lagen Europas, vor allem in den Mittelgebirgen und Alpen anzutreffen. Der Blaue Eisenhut ist in der Natur selten geworden und steht unter Naturschutz. Die Vorkommen sind in der Regel individuenarm. In den Gärten hat er sich jedoch als Zierpflanze eingebürgert.

Bei dem Blauen Eisenhut handelt es sich um eine ausdauernde, krautige Pflanze mit einem nackten, kräftigen Stängel. Der aufrechte, dicht beblätterte Stängel des Eisenhuts erreicht eine Wuchshöhe von 40 - 150 Zentimeter. Die großen, handförmigen Blätter sind 5 – 7fach geteilt. Die nochmals geteilten Abschnitte sind sehr tief eingeschnitten mit lanzettlich bis linearen Zipfeln. Die Blätter sind oberseits dunkelgrün und unterseits hellgrün gefärbt. Bis zum Stängelgrund sind die zahlreichen Stängelblätter vorhanden.

Blauer Eisenhut Früchte

Die dunkelblauen, ungespornten Blüten sind helmartig geformt und stehen in traubigen, oft dichten, endständigen Blütenständen. Die Blüten sind jeweils zweiseitig symmetrisch angeordnet. Die Blüte besteht äußerlich aus den gefärbten Kelchblättern. Die im inneren befindlichen langen Nektarblätter sind umgewandelte Kronblätter. Das oberste Blütenblatt ist helmartig geformt. Dieser außen behaarte Helm ist nicht höher als breit. Es sind zahlreiche Staubblätter und 3 - 5 mehrsamige Fruchtknoten vorhanden. Die Blütenstiele sind behaart.

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, fast ausschließlich Hummeln, welche auf den Blütenblättern der Blütenunterseite landen können. Um den Nektar zu erreichen, müssen sie ganz in die Blüte hineinkriechen.

Die Blütezeit liegt zwischen Juni und Oktober.

Die kahlen, bis 2 cm langen Balgfrüchte enthalten dreikantige, schwarze Samen.

Die Wurzel ist rübenartig verdickt. Während der Blütezeit entwickelt sich neben der stängeltragenden Knolle eine kleinere Tochterknolle, welche im nächsten Jahr die Pflanze bildet und aus der ehemaligen Mutterknolle Nährstoffe entnimmt. Der Blaue Eisenhut vermehrt sich also überwiegend vegetativ.

Der Blaue Eisenhut ist eine der giftigsten Pflanzen in unserer Natur; alle Pflanzenteile sind stark giftig.

Blauer Eisenhut Blätter

Zum Einsatz als Arzneipflanze kamen Eisenhutknollen (Sturmhutknollen) und Eisenhutkraut. Heute wird Eisenhut eigentlich nur noch in der Homöopathie eingesetzt. Die Eisenhutknollen (Aconiti tuber) weisen mind. 0,15% Alkaliodgehalt auf. Es handelt sich um die zur Blütezeit gesammelten Tochterknollen. Bereits 1 – 2 Gramm Wurzelknolle können tödlich wirken. Allerdings sind die Alkaloide in den Knollen instabil und das Aconitin zerfällt leicht (hydrolytisch in Aconin). Es werden die Knollen mit anhängenden Wurzeln genutzt. Die Knolle schmeckt anfangs süßlich, später scharf kratzend bis würgend.

Das Eisenhutkraut (Aconiti herba) wird aus der ganzen frischen Pflanze gewonnen. Es hat aber erheblicher weniger Bedeutung erlangt, als die Eisenhutknollen.

Äußerlich wurde es als 1-2%ige Salbe oder Pinselung bei schmerzhaften Nerven-, Muskel- und Gelenkerkrankungen eingesetzt. Der Einsatz beruhte darauf, dass die sensiblen Nerven sehr empfindlich auf das Aconitin reagieren und durch Blockade der Natriumkanäle schnell das Schmerzempfinden abgeschaltet wird. Die Willkür- und Spontanbeweglichkeit bleibt in der niedrigen Dosis voll vorhanden.

Der Blaue Eisenhut enthält hochgiftige Alkaloide, insbesondere das Aconitin.

Aconitin ist eines der am stärksten wirksamen Pflanzengifte. Es wird über Schleimhäute und auch sehr schnell durch die unverletzte Haut aufgenommen. Daher dürfen Kinder nie mit Eisenhutblüten oder anderen Pflanzenteilen spielen. Auf der Haut bewirkt Aconitin zunächst ein Brennen bzw. Jucken und später völlige Taubheit. Es überwindet rasch die Blut-Hirnschranke und verzögert die Erregbarkeit von Nervenzellen.

Zunächst wirkt Aconitin daher zentral anregend und später lähmend auf die Nervenbahnen. Kurz nach Giftaufnahme macht sich ein Brennen und Kribbeln am ganzen Körper bemerkbar, es folgen starke Kältegefühle mit Erbrechen und Durchfall. Der Tod tritt dann (ca. 40 – 60 Minuten nach Giftaufnahme) durch Atemlähmung oder Herzversagen ein. Die für den Menschen tödliche Dosis von Aconitin liegt bei 4 – 10 mg.

In wässriger Lösung ist Aconitin instabil und zerfällt schnell. Der Einsatz von Aconitin-Zubereitungen in Asien, bedingt dort eine längere Erhitzung auf ca. 120 Grad, was die Giftwirkung auf einen kleinen Bruchteil reduziert.

Bei einer Vergiftung durch Blauen Eisenhut stehen die Giftentfernung durch Erbrechen und Magenspülung an erster Stelle.



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