Wilde Karde

Wilde Karde (Dipsacus fullonum L.)
syn. Wald-Karde

Familie: Kardengewächse (Dipsacaceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00173

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Die Wilde Karde benötigt stickstoffhaltigen, kalkreichen, humosen Boden; idealerweise Lehm- oder Tonböden in sonniger Lage. Die Wilde Karde gilt daher auch als Zeigerpflanze für Lehm. Oft siedelt sie auf trockenen Schuttböden, Ruinen oder Ödland. In Mitteleuropa findet man sie weit verbreitet und häufig, im Tiefland jedoch seltener und ab Höhen von 1.000 Meter gar nicht mehr. Die Wilde Karde ist nicht im Bestand gefährdet. Sie ist eine mediterrane Pflanze, welche von den Kanaren über Europa und Afrika bis in die Türkei vorkommt.

Die Wilde Karde ist eine aufrechte, zweijährige, distelartige Pflanze mit kantigem Stängel; nur im oberen Bereich verzweigt. Der Stängel besitzt 1 – 5 mm lange Stacheln. Die Wilde Karde erreicht eine Wuchshöhe von 80 – 220 cm. Im ersten Jahr bildet die Wilde Karde eine Rosette aus, aus welcher im zweiten Jahr eine große Pflanze wächst.

Die hell-lila bis weißlichen (selten) Blüten sind verbunden zu einem großen eiförmigen, zylindrischen Blütenstand (s. Foto), der einen Durchmesser von bis zu 5 cm und eine Höhe von bis zu 8 cm besitzen kann. Die Blütenstände sind lang gestielt; auch die Stiele besitzen kräftige Stacheln. Durch die spitzen, lang ausgezogenen Spreublätter, auf denen die kleinen Blüten sitzen, entsteht das typische kardenartige Aussehen. Der Kelch ist vierkantig und mit den Blütenkelchen der Nachbarblüten verwachsen. Unter dem Blütenstand finden sich die Hüllblätter. Sie sind sehr lang ausgezogen und schmal lanzettlich. Sie sind nach oben gebogen und reichen oft bis über den Blütenstand hinweg.

Die Blüte beginnt in der Mitte des Blütenkopfes ringartig und wandert dann nach oben und unten zugleich über den Blütenstand (s. Foto). Die Früchte sind ca. 5 mm lang und braun-schwarz gefärbt. Die kleinen Nüsse werden bei einer Berührung der Pflanze weit herausgeschleudert, da der Stängel jeder Berührung federnd nachgibt.

Die Wilde Karde blüht von Ende Juni bis Ende August. Sie ist bei Insekten als Nahrungsquelle sehr beliebt. Nach der Blüte stirbt die Pflanze ab und ist bis in das nächste Frühjahr hinein auf den Wiesen als stabile, braune Trockenpflanze zu sehen. Die Verbreitung erfolgt durch die Samen.

Die ungeteilten Stängelblätter stehen gegenständig und sind am Grund tütenartig verwachsen. Sie sind gezähnt oder ganzrandig. Bei Regen sammelt sich in den kleinen Tüten das Regenwasser.

Die bis 30 cm langen grundständigen Blätter des ersten Wuchsjahres sind kurz gestielt, am Rand gezähnt und lanzettlich gebaut. Sie bilden dabei eine typische Rosette.


Trockene Vorjahresblütenstände

Volkstümlich wurde die Wilde Karde als Heilpflanze eingesetzt. Anwendungsgebiete sind rissige Haut, Furunkel, Afterfissuren und andere Hautleiden. Inhaltstoffe der Wilde Karde sind Glykoside (vor allem Scabiosid), Gerbstoffe, Saponine und organische Säuren. Eingesetzt werden die Blüten und Stängel, zubereitet in Salbenform oder als Extrakt.

Zubereitungen aus den Pflanzenwurzeln wirken beruhigend auf Magen und Darm, sowie verdauungsfördernd.

In Naturgärten und Parkanlagen wird die Wilde Karde häufiger gepflanzt. Im Sommer sind viele Schmetterlinge und Insekten an ihren Blüten zu beobachten. Im Winter sind es Vögel (z.B. Distelfinken), welche die Samen der Wilden Karde verzehren. Die getrockneten Blütenstände werden auch gern von Blumenhändlern für Gestecke genutzt.

Die Wilde Karde kann mit der Weber-Karde verwechselt werden. Man sie am besten anhand der langen Hüllblätter unterscheiden, welche bei der Weber-Karde gerade abstehen bzw. teilweise nach unten gebogen sind. Die Weber-Karde wurde früher in der Weberei genutzt. Mit ihren Stacheln wurden u.a. Stoffe aufgeraut.



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