Pestwurz

Gewöhnliche Pestwurz (Petasites hybridus)
syn. Rote Pestwurz

Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledoneae)
Unterabteilung: Bedecktsamer (Angiospermae)
Abteilung: Samenpflanzen (Spermatophyta)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00171

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Einführung und Verbreitung
Die gewöhnliche Pestwurz ist in Mittel- und Südeuropa heimisch. In Nordeuropa kommt sie nur vereinzelt vor. Insgesamt 11 Pestwurzarten kommen in Europa vor.

Bevorzugte Biotope sind Wälder, Uferböschungen und feuchte Wiesen mit kalkhaltigen Böden. In Gebirgen ist sie bis in 1.500 Meter Höhe anzutreffen. Auf Sandböden ist die Pestwurz kaum anzutreffen. Sie ist eine typisch bachbegleitende Pflanze.

In Bezug auf die Boden- oder Wasserqualität ist die Pestwurz kaum empfindlich. Sie kann ich gut gegen andere Pflanzen behaupten. Auch neue Pionierbiotope werden von ihr besiedelt. Die Pestwurz ist daher nicht im bestand gefährdet.

Beschreibung der Pflanze
Die Pestwurz ist mehrjährig. Ihre Blütenstände sind ca. 25-35cm hoch. Die Blütenstände sind eiförmig angeordnet. Die kurz gestielten männlichen Blüten sind fast doppelt so groß, wie die lang gestielten, lockeren weiblichen Blüten. In jedem Blütenkorb befinden sich 15 – 80 Blüten. Die Körbchen besitzen knapp 1 cm Durchmesser. Die Blüten sind röhrenförmig gebaut. Die Hüllblätter sind linearnervig und rötlich gefärbt.

Die Blüten sind zwar scheinbar zwittrig aufgebaut, es sind aber immer nur Griffel oder Staubgefäße funktionsfähig, also funktional zweihäusig. Die Frucht ist zylindrisch und besitzt einen kleinen Fallschirm.

Der Stängel ist rel. dick, hohl und kurz, dabei rötlich gefärbt, daran finden sich kleine Schuppenblätter. Zur Fruchtzeit sind die Stängel stark verlängert.


Sommerblätter

Die Blätter erscheinen erst nach der Blütezeit. Sie sind grundständig und haben riesige, nierenförmige Ausmaße, wie kaum eine andere Wildpflanze. Z.T. erreichen die Blätter eine Länge von einem Meter und 60cm Breite. Die Blätter sind dabei lang gestielt und grün auf der Oberseite. Die Unterseite wirkt grau-verfilzt. Insgesamt bilden die Blätter  eine Art Dach über dem Boden.

Die Vermehrung erfolgt meist kriechend über den umfassenden, nach oben verdickten Wurzelstock. Daher tritt die Pestwurz  meist in größeren Einheiten auf. Als Nebeneffekt findet eine Festigung der meist feuchten Böden statt. Die Vermehrung über Samen erfolgt parallel, aber nur selten.

Ab dem Vorfrühling ist die Pestwurz  zu entdecken. Allerdings zunächst nur die Blüten; später erscheinen dann die riesigen Blätter und die Blüten sind nicht mehr zu sehen. Die Blütezeit liegt in den Monaten März bis April.

Pestwurz als Arzneipflanze
Ein Anbau von Pestwurz findet kaum statt, die Droge stammt fast ausschließlich aus Wildsammlung.

Droge:
Als Arzneidroge werden die getrockneten Blätter der Pestwurz genutzt. Auffällig ist die verfilzte Unterseite.

Inhaltstoffe:
Sesquiterpenalkohole, Etherische Öle, Flavonoide, Schleimstoffe, Gerbstoffe und Pyrrolizidin-Akaloide.

Anwendung:
Pestwurzblätter werden als Tee zubereitet. 2-3 gr. Blätter werden mit kochendem Wasser übergossen und ca. 2 min ziehen gelassen. 2 - 3 Tassen am Tag können getrunken werden.

Pyrrolizidin-Akaloide sind als toxisch eingestuft, daher sollte eine dauerhafte oder höher dosierte Einnahme vermieden werden. Am besten meidet man eigene Teezubereitungen und nutzt Fertigarzneimittel, da diese immer frei von Pyrrolizidin-Akaloiden sein müssen.

Pestwurz wird als Spasmolytikum (krampflösendes Arzneimittel) für Magen, Darm und Leber, sowie Nackenbeschwerden und Bronchialasthma bzw. Krampfhusten eingesetzt. Dem Hauptinhaltstoff Petasin werden schmerzlindernde und beruhigende Eigenschaften zugeschrieben. Auch zur Migränebekämpfung bzw. Vorbeugung wird die Pestwurz eingesetzt.

Früher wurde Pestwurz als schweiß- und harntreibendes Mittel eingesetzt. Die Blätter dienten der äußerlichen Wundbehandlung bzw. gegen Hauterkrankungen.

Im Mittelalter wurde die Pestwurz als Pestheilmittel eingesetzt.



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