Roter Fingerhut

Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
syn.
Waldglöckchen

Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Ordnung:
Lippenblütlerartige (Laminales)
Familie:
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00147
Giftpflanzen
Arzneipflanzen

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Fast in ganz Mitteleuropa ist der Rote Fingerhut anzutreffen, wobei die Besiedlung oftmals durch Auswilderung oder Verschleppung zustande gekommen ist. Auch in Nordamerika sind Vorkommen zu finden. Vor allem in den Halbschattenbereichen der Wälder ist der Rote Fingerhut heimisch. Kalkarme, leicht sauer,  lichte Stellen werden bevorzugt besiedelt.  Er ist bis in Höhen von 1.000 Meter anzutreffen, in den Alpen aber nur sehr selten.

Auf  Waldlichtungen sind hin und wieder Massenbestände zu sehen. In Europa stellt  er die am meisten verbreitete Fingerhutart. Weitere (auch giftige) bei uns heimische Fingerhutarten sind z.B. der großblütige  Fingerhut oder der wollige Fingerhut.

Die starke Verbreitung ist vor allem auf die Nutzung als Gartenpflanze und bewusste Aussaat, sowie den vermehrten Kahlschlag und Pflanzung von Nadelhölzern zurückzuführen.

Roter Fingerhut auf Kahlschlag

Der Rote Fingerhut ist eine zweijährige, krautige Pflanze. Im ersten Jahr wächst eine mächtige, grundständige Rosette mit länglichen Blättern, im zweiten Jahr ein bis 2 Meter hoher, meist unverzweigter, Blütenstängel als Kerze mit vielen traubigen Blüten. Danach stirbt die Pflanze ab. Nur sehr selten entwickelt sich aus der verbleibenden Rosette ein neuer Blütenstängel.

Der Stängel ist aufrecht und oftmals höher als ein Meter.

Roter Fingerhut nah

Die kurzgestielten Blüten sind länglich, glockenförmig gebaut und leuchtend rosa bis weisslich gefärbt. Die Blüten stehen meist einseitswendig, traubig am kräftigen Stängel. Jede Traube besteht aus 50 – 100 Einzelblüten. Die Blütenkrone ist glockig mit wenig ausgezogener Unterlippe. Die Blüten sind von innen gefleckt (Foto). Die Blütenform erinnert an einen Fingerhut (Namensgebung) von ca. 5 cm Länge. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten; vorwiegend durch Hummeln. Eine Selbstbestäubung ist auch möglich.

Die länglichen Blätter sind am Rand gekerbt und unterseits grau behaart. Die unteren Blätter besitzen einen kleinen Stiel, während die oberen Blätter meist direkt am Stängel sitzen. Die Blätter sind oberseits runzelig, flaumig dunkelgrün und von unten grau, filzig dicht behaart.

Roter Fingerhut Blüte

Die behaarte Kapselfrucht ist zweifächrig und zweiklappig aufspringend. Sie enthält viele Samen.
Die Samen sind 0,7 – 1 cm lang.

Die Blütezeit liegt zwischen Juni und August.

Alle Teile des Roten Fingerhutes sind stark giftig. Da er keine Früchte trägt, sehr unangenehm schmeckt und sehr schnell Erbrechen einsetzt, sind schwere Vergiftungen insgesamt doch nicht sehr häufig. Für eine starke Vergiftung reicht jedoch schon der Verzehr von 2 – 3 Blättern (je nach Körpergewicht) aus.

Die Symptome der Vergiftung äußern sich in Herzrhythmusstörungen, Kreislaufproblemen, Halluzinationen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfälle Flimmern vor den Augen und können in einem tödlichen Herzstillstand enden.

Bei Vergiftungen sollte u.a. umgehend ein Erbrechen ausgelöst und Aktivkohle geben werden.

Der Rote Fingerhut wird auch als Gartenpflanze genutzt. Er benötigt nicht zu schwere, durchlässige Gartenböden. Er sät sich allein wieder aus und kann als schöne zweijährige Staudenpflanze bewundert werden. Aufgrund seiner Giftigkeit, sollte er nicht in Gärten von Familien mit Kindern gepflanzt werden.

Inhaltstoffe:
Der Rote Fingerhut enthält in allen Pflanzenteilen stark wirksame Inhaltstoffe.

Verwendet werden die Blätter des Stängels und der Bodenrosette. Sie enthalten ca. 0,3 % Cardenolid-Glykoside, bezogen auf Digitoxin. Es finden sich eine ganze Reihe unterschiedlicher Cardenolid-Glykoside in der Droge, es handelt sich dabei fast immer um herzwirksame Glykoside. Einige entstehen z.T. auch erst bei der Extraktion der Droge aus den ursprünglich vorhandenen Glykosiden. Auch Steroid-Saponine sind in größerer Menge (vor allem in den Samen) enthalten, zudem kommen noch Flavonoide und Anthrachinonderivate vor. Die Zusammensetzung des Glykosidgemisches ist sehr variabel, abhängig von der Rasse und dem ökologischen Umfeld. Je nach Umfeld überwiegt dann Purpureaglykosid A oder Purpureaglykosid B.

Droge: Folia Digitalis purpurae
Auf der Blattunterseite können gut die Nerven erkannt werden. Die Drüsenhaare der Unterseite sind einzellig mit zweiteiligem Köpfchen.

Anwendung:
Zubereitungen (z.B. Teezubereitungen) aus der Droge selber, finden heute aufgrund der schwankenden Inhaltstoff-Zusammensetzung fast keine Anwendung mehr. Im Vordergrund stehen heute standardisierte Fertigarzneimittel, welche  vor allem zur Bekämpfung der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) Einsatz finden. Als Wirkstoff ist es das gut resobierbare Digitoxin, welches häufig verwendet wird. Es steigert die Leistungsfähigkeit des Herzens. Das Herz schlägt dann wieder langsamer bei erhöhter Pumpleistung. Die Therapeutische Breite ist sehr  eng.

In der Volksheilkunde wurde der Rote Fingerhut auch äußerlich bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren eingesetzt.



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