Springkraut

Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)
syn.
Indisches Springkraut

Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Ordnung: Storchschnabelartige (Geraniales)
Familie: Springkrautgewächse (Balsaminaceae)
Gattung: Springkräuter (Impatiens)

Autor: Matthias Zimmermann
Mail: mail@natur-lexikon.com
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00141

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In den letzten Jahren ist an den heimischen Bächen und Feuchtwiesen zunehmend eine neue, sehr attraktive Pflanze mit leuchtend roten Blüten zu beobachten. Es handelt sich um das drüsige Springkraut. Es ist eine verwandte Pflanze des heimischen großen Springkrauts (Rühr-mich-nicht-an).

Das drüsige Springkraut ist bei uns nicht ursprünglich heimisch. Es handelt sich um eine neu eingebürgerte Pflanze, einen so genannten  Neophyten, welche eingewandert und neu heimisch geworden ist. Das drüsige Springkraut stammt ursprünglich aus dem Himalaya-Gebiet und Ost-Indien. Es gelangte ca. 1839 als Gartenpflanze nach England und hat sich von dort in Europa rasch verbreitet. Ca. ab 1900 wuchs es auch in Deutschland und hat sich an den Flüssen entlang in Deutschland verbreitet. Heute ist es in ganz Deutschland und Mitteleuropa, auch abseits der Flüsse anzutreffen. Im Mittelmeerraum fehlt die Art. Zu dieser schnellen Ausbreitung haben auch Imker beigetragen, welche diese Pflanze als Bienenfutterpflanze (Bienenweide) ausgesät haben.

Drüsoges Springkraut Blüte

Die Art breitet sich noch weiter aus und wird auch von dem langsam einsetzenden Klimawandel profitieren können. Diese massive Ausbreitung unter teilweiser Verdrängung der bestehenden Flora macht diesen Neophyten zu einer Problempflanze. Es gibt heute bereits regional sehr große Anstrengungen die Art in ihrer Ausbreitung einzuschränken. Anderseits besiedelt sie oft Vegetationslücken, wie sie auch nach Hochwassern auftreten. Zudem wechselt das drüsige Springkraut oft die Wuchssorte in Abhängigkeit der Bodenveränderungen. Bedrohlich kann es für kleine Flüsse werden, wenn bei flächiger Ausbreitung im Herbst das Springkraut abstirbt und keine lebenden Wurzeln die Böden am Gewässerrand festigen.

Springkraut Wiese

Die Dominanzbestände, mit Abschattung der restlichen Flora, entwickeln sich erst im Sommer, so dass die Frühblüher sich noch relativ gut entwickeln können. Es tritt auch immer dort besonders in Erscheinung, wo Störungen bzw. Leerstellen in der Landschaft vorhanden sind.

Als Eindringling ist das drüsige Springkraut überaus erfolgreich. Es wächst sehr schnell und verdrängt andere heimische Arten aggressiv aus ihrem Lebensraum. So sind oftmals ganze Bäche und Überschwemmungsbereiche am Rand von den roten Blüten des Springkrautes gesäumt. Auch ganze Feuchtweisen werden besiedelt.

Springkraut Blüte

Feuchte, nährstoffreiche basische Biotope zieht das drüsige Springkraut als Lebensraum vor; wenn es dann noch halbschattig mit Seitenlicht (z.B. an Bächen) ist, erreicht es leicht eine Wuchshöhe von mehr als 2 Metern. Es wächst in Höhen bis 1.000 Metern. In Trockengebieten fehlt die Art.

Auf nassen Böden ohne jeden Lichteinfall fehlt das drüsige Springkraut und es dringt auch nicht so leicht in dichte Wälder ein. Ist etwas Licht vorhanden und genug Stickstoff im Boden, wächst es bis auf 3 Meter Höhe. Dieses schnelle Wachstum beruht auf sehr hoher Wassereinlagerung bis über 95%. Voraussetzung für den hohen osmotischen Druck ist die ausreichende Aufnahme von Stickstoff aus dem Boden.

Für die Insektenwelt ist das drüsige Springkraut eine sehr nützliche Pflanze. Sie produziert einen sehr hochwertigen, stark zuckerhaltigen Nektar in sehr großer Menge. Zudem sind die Blüten sehr groß, so dass Bienen, Hummeln und Wespen ideal einfliegen können. Die dichten Bestände der Pflanze werden daher intensiv von Insekten besucht. Dies trägt natürlich erheblich zu ihrer schnellen Verbreitung bei. Sie tritt oft in großen Beständen auf und dominiert dann die Biotope. Wächst das drüsige Springkraut neben dem großen Springkraut, dominiert es indirekt die  heimische Art, da die Insekten quasi mit den Füßen (Flügeln) abstimmen und fast ausschließlich das drüsige Springkraut anfliegen.

Das Springkraut vermehrt sich durch Samen. Eine Pflanze kann dabei bis zu 4.000 Samen produzieren. Die Samen werden bei Berührung aus ihrer reifen Kapsel geschleudert und können dabei  bis zu 7 Meter weit fliegen. Sie gehören zu den Saftdruckstreuern. Während der Reifung steigt der innere Zelldruck massiv an, so dass eine kleine äußere Berührung reicht, um die Kapsel zu „sprengen“. Dieser Nahverbreitungsvorgang hat für die Pflanzenfamilie den Namen Springkrautgewächse geprägt. Die Samen können im Wasser einige Tage unbeschadet überstehen und werden so oft von Bächen und Flüssen weitertransportiert. Die Fernverbreitung geschieht oftmals durch ausgeprägte Hochwasser. Die Samen besitzen eine sehr hohe Keimrate. Allerdings sind die Keimlinge empfindlich gegen späte, strenge Fröste im Frühjahr.

Das drüsige Springkraut ist eine einjährige Pflanze. Sie erreicht eine Höhe von mehr als 2 Metern und ist im oberen Teil verzweigt. Der Stängel umfasst bis zu 5 cm. Die Blätter sind gegenständig und z.T. mehr als 25 cm lang und 5 cm breit, eilanzettlich geformt und scharf gezähnt.

Die rot, rosa oder weißlich gefärbten Blüten wachsen in aufrechten Trauben und sind mit Sporn bis 4 cm lang. 3 Kelchblätter; das untere ist gespornt (Foto). 5 z.T. verwachsene Kronblätter. Die Bestäubung erfolgt ausschließlich durch Insekten, meist Honigbienen oder Hummeln. Die Insekten dringen völlig in die Blüte ein und  übertragen zu fast 100% Blütenstaub auf die weiblichen Blüten, so dass ein sehr hoher Bestäubungserfolg erzielt wird. Die Blüten selber blühen nur wenige Tage; am Standort zieht sich die Blüte jedoch fast über 12 Wochen. Im Frühherbst ist diese Art an vielen Stellen inzwischen der Hauptnektarlieferant geworden.

Die Kapsel ist 3-5mm lang und springt bei Berührung auf.

Die Stützwurzel verankert die Pflanze fest im Boden, so dass auch Pflanzenteile in der Strömung kleiner Bäche liegen können, ohne die Pflanze zu schädigen. Wird die Pflanze niedergetreten, bildet der am Boden liegende teil neue Wurzeln aus.

Zwischen Keimung und Blüte liegen etwa 3 Monate. Die Blütezeit im Hochsommer dauert ca. 3 Monate und endet im Herbst mit den ersten Frösten. Im Herbst stirbt die Pflanze und verrottet restlos; also ohne dem Boden noch Halt zu geben. Daher ist es besonders in Österreich und der Schweiz ungern gesehen.

Das drüsige Springkraut findet auch in der Bachblütentherapie Anwendung.



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