Seekuh

Seekuh (Dugong dugong)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Sirenentiere (Sirena)
Familie:
Gabelschwanzseekühe (Dugongidae)
(syn. Dugongs)

Autor: Matthias Zimmermann
MWebsite: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00138

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Alle Fotos: Olivier Notz

Einführung und Verbreitung
Eine der merkwürdigsten Säugetierordnungen sind die Sirenen. In vielen Märchen und Fabeln werden sie beschrieben. Da sie reine Pflanzenfresser sind, werden sie auch als Seekühe bezeichnet. Sie bilden die Grundlage für die Mythen um die Meerjungfrauen und Nixen. Insbesondere ihr gegabelter Schwanz hat das Bild von dem Fischunterleib geprägt.

Seekühe werden in 2 Familien aufgegliedert: Rundschwanzseekühe (3 Manatis-Arten) und die Gabelschwanzseekühe (syn. Gabelschwanzsirenen). Die ausgestorbene Riesenseekuh (Stellersche Seekuh) wird mit in die Familie der Gabelschwanzsirenen eingeordnet. Sie lebte in der Beeringsee und wurde schon 25 Jahre nach ihrer Entdeckung (1741) durch Bejagung ausgerottet.

Dieser Beitrag beschreibt die einzige heute lebende Art innerhalb der Gabelschwanzseekühe, den Dugong. Ähnlich wie die Wale und Robben sind die Seekühe dem Wasser optimal angepasste Säugetiere.

Die Seekühe leben typischerweise in den seichten, warmen Ufern der tropischen Meere. In geschützten Buchten kann man sie an dem Seekuhmist erkennen, welcher übel riechend auf dem Wasser schwimmt. Dugongs bewohnen die warmen Küstengewässer im pazifischen Raum, dem Roten Meer, der Nordküste Australiens und dem indischen Ozean. Sie leben ausschließlich im Meer und dringen bzw. kaum nicht in Flüsse vor, d.h. sie leben immer im Salzwasser.

Seekuh am Grund

Körperbau und Ernährung
Äußerlich ähneln die Seekühe ein wenig den Walen, mit den zurückgebildeten Körperanhängen. Beide besitzen walzenartige Körper und es fehlen ihnen die Hinterleibgliedmaßen. Allerdings sind sie nicht näher verwandt, was sich auch darin zeigt, dass die Wale sich von Tieren ernähren und die Seekühe reine Pflanzenfresser sind. Entwicklungsgeschichtlich zeigen die Seekühe Gemeinsamkeiten mit einigen Landsäugetieren (z.B. den Elefanten). Die Seekuh ist das einzige Säugetier, welches nur 6 Halswirbel besitzt und somit sich von allen anderen Säugetiere unterscheidet. Seekühe haben sich in ihrer Entwicklung sehr gut dem Wasser angepasst. Die Vordergliedmaßen der Seekühe sind zu kleinen kräftigen Flossen umgebildet.

Die kräftige Schwanzflosse wird in der Mitte durch einen Knochen gestützt, welcher eine Verlängerung der Wirbelsäule darstellt. Ansonsten besteht die Schwanzflosse aus sehr robuster Haut. Die Flosse ist sehr kräftig und wird nicht nur zur Fortbewegung, sondern auch als kräftige Waffe eingesetzt. Die geteilte Flosse hat der Familie der Gabelschwanzseekühe ihren Namen gegeben.

Dugongs ereichen eine Körperlänge von ca. 2 - 4 Metern bei fast 250 – 900 kg.

Die Haut der Seekühe ist weitgehend glatt und zeigt keine Behaarung. Nur die Jungtiere weisen auch ein dünnes Haarkleid auf.

Die äußeren Ohren fehlen und es ist nur ein kleines Ohrloch zu erkennen. Trotzdem ist ihr Gehör hervorragend ausgeprägt. Sie verständigen sie auch über Quietsch- und Pfeifflaute.Ihre großen Nasenlöcher sind nur zum Atmen geöffnet.

Die wenig leistungsfähigen Augen sind klein und weisen keine Augenlider und Wimpern auf. Die Augen scheiden kleine Tropfen aus, welche bei erbeuteten Dugongs getrocknet als Glücksbringer in Amuletten Verwendung finden. Ihre Schnauze ist mit Borsten besetzt. Die für das mahlen weicher Wasserpflanzen angepassten Zähne wachsen nicht nach, da sie bei dem täglichen Abweiden nur wenig abnutzt werden, da die Dugongs das Seegras vor dem verzehr gründlich entsanden. Zudem werden zum kauen auch Hornplatten im Kiefer genutzt. Die Bullen besitzen zu Stoßzähnen umgewandelte Schneidezähne. Ihren Kopf können die Dugongs nach unten abknicken, was das abweiden der Wasserpflanzen erheblich erleichtert.

Ihr Körper besitzt eine sehr ausgeprägte Speckschicht. Sie dient als Energiespeicher und Wärmepuffer in kälteren Gewässern. Die Haut ändert mit dem Alter ihre Farbe. Sind die Jungtiere noch weisslich, werden sie bald bräunlich und erwachsen haben sie dann eine graue Farbe.

Die Knochen der Seekuh sind frei von Mark und Hohlräumen und daher sehr schwer, aber auch instabil bei Druckbelastungen. Seekühe verlassen daher das Wasser nur extrem selten und kurz, da sie dort durch ihr Gewicht und die schwachen Gliedmaßen fast ganz hilflos sind.

Als einziges Wassersäugetier, welches ganz auf pflanzliche Nahrung (Seegras) spezialisiert ist, besitzen Seekühe einen sehr großen Darm von ca. 40 Metern Länge, um das energiearme Futter besser zu verwerten.

Ihr Magen ist nicht aufgeteilt, da sie keine Wiederkäuer sind.

Pro Tag verzehrt eine einzige Seekuh ca. 40 kg Seegras, dazu verbringen Seekühe fast den ganzen Tag mit der Nahrungsaufnahme. Dabei wird von ihnen der Meeresboden regelrecht abgeweidet, vergleichbar mit Schafen auf Wiesen. Vor der Nahrungsaufnahme müssen die Dugongs das Seegras von Sand befreien, um die Zähne nicht zu sehr abzureiben. Dazu wird das ausgerissene Gras erst geschüttelt und dann mit der Flosse in ihr Maul geschoben. Alternativ bauen Dugongs auch kleine Futterhaufen, in denen sich der Sand absetzen kann.

Dugongs verzehren mit Vorliebe auch die Wurzeln der Seepflanzen, welche sie mühevoll ausgraben.

Dugongs fressen vor allem in den Abendstunden und in der Nacht. Durch die energiearme Nahrung ist der Stoffwechsel sehr langsam.

Dugongs leben dauerhaft unter Wasser. Zum nur wenige Sekunden dauernden Luftholen kommen sie im Abstand einiger Minuten an die Wasseroberfläche; meist nur mit den Nüstern. Wenn sie im ganz flachen Wasser weiden, ragen sie leicht mit dem Vorderkörper aus dem Wasser. Ganz unter Wasser halten sie es nur maximal 8-12 Minuten aus.

Seekuh schwimmt

Verhalten
Seekühe leben in Herdengemeinschaften. Früher waren sehr große Herden, heute sind es eher größere Familien. Bei Angriffen verteidigen sie sich gegenseitig, sind sonst aber sehr friedliche Tiere. Sie sind sehr standorttreue Säugetiere. Auf Störungen reagieren sie aber empfindlich.

Dugongs leben in Küstennähe bei Gewässertiefen zwischen einem und zehn Metern; die meiste Zeit befinden sie sich dicht unter der Wasseroberfläche. Ihre Standortwechsel legen sie auf festgelegten „Unterwasserstrassen“ zurück. Diese sind meist frei von spitzen Felsen und Korallen, an denen sie sich verletzen könnten. Dugongs schwimmen in Gruppen immer nebeneinander und nur sehr selten hintereinander.

Seekuh nah

Fortpflanzung und Entwicklung
Obwohl in der Fortpflanzungszeit öfter zwei Bullen um ein Weibchen werben, finden keine Kämpfe zwischen ihnen statt.

Die Paarung findet im Wasser – Bauch an Bauch – statt. Nach ca. 11-13 Monaten Tragezeit wird ein Jungtier geboren. Die Neugeborenen können sofort selber schwimmen. Sie sind schon mehr als einen Meter lang und wiegen über 25 kg. Die Jungtiere werden sehr fürsorglich aufgezogen. Der Bulle bleibt bei dem Weibchen, auch wenn er sich weniger um die Aufzucht des Jungtieres kümmert. Die Jungen werden ca. ein Jahr gesäugt. Nach 3 Monaten beginnen die Jungtiere ergänzend zur Milch bereits Gras zu fressen. Ca. 10 Jahre vergehen, bis die jungen Dugongs geschlechtsreif sind. Es dauert ca. 4-6 Jahre bis die Weibchen wieder trächtig werden.

Dugongs können ein Alter von mehr als 50 Jahre erreichen.

Feinde
Seekühe besitzen ein schmackhaftes Fleisch und werden daher bejagt. Ihre Bestände gehen immer weiter zurück. Vom Aussterben sind sie noch nicht ganz bedroht, da in wenig besiedelten Gebieten größere Bestände leben und bei zurückgehenden Individuenzahlen die Jagd nicht mehr lohnt. Allerdings sterben viele Dugongs in den Fangnetzen für die Jagd auf Meeresschildkröten. Sie gehören also zu den gefährdeten Arten.

Zudem können die Knochen der Dugongs aufgrund der fehlenden Hohlräume Energie durch Zusammenstöße schlecht abfangen und brechen viel schneller, als dass dies bei z.B. Landsäugetieren der Fall ist. Bei einem Zusammenprall mit Sportbooten in niedrigen Gewässern, brechen ihre Knochen sofort. Daher sind ausgedehnte Wasserschutzzonen unbedingt notwendig.

Natürliche Feinde haben die Dugongs kaum. Nur Haie oder Schwertwale können ihnen gefährlich werden.



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