Kamille

Echte Kamille (Matricaria recutita)
syn. Feld-Kamille ; Chamomilla recutita

Klasse: Zweikeimblättrige (Dicotyledones)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Gattung: Kamille (Matricaria)

Autor: Matthias Zimmermann
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Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00129

Arzneipflanzen

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Einführung
Die Kamille ist die in Deutschland bekannteste und meist angewendete Arzneipflanze. Durch den Kamillentee kennt fast jeder ihren Geruch und Geschmack. Bereits seit vielen Jahrtausenden gehört die Kamille zu dem Arzneischatz unserer Volksmedizin. Ihr Name Matricaria kommt aus dem lateinischen und weist auf die Gebärmutter hin; Früher wurde es auch als Mutterkraut bezeichnet und schwerpunktmäßig bei Frauenleiden eingesetzt.

Die echte Kamille ist eine typische Kulturpflanze, welche heute in großem Maßstab angebaut wird. Aber auch umfängliche Wildpflanzenbestände sind zu beobachten.

Ihre eigentliche Heimat sind die östlichen Mittelmeerländer; sie kommt heute auch in Asien, Australien und Nordamerika vor.

Kamille Blütenköpfe

In Deutschland kann man sie noch oft an Wegrändern, auf Ödland und an Getreidefeldern beobachten. Kamille besiedelt nährstoffreiche Böden genauso, wie typische Lehmböden. Kalkreiche und sandige Böden besiedelt die Kamille nur selten.

Man findet sie bis in Höhen von 1.500 Meter. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit ist sie nicht gefährdet.

Kamillenanbau
Die größten Kamilleanbaugebiete finden sich in den Mittelmeeregionen (Vor allem in der  Türkei, Spanien, Ägypten etc.)  und in Südamerika. In Deutschland werden fast 1.000 Hektar Kamille angebaut. Die Vermehrung erfolgt über Aussaat.

Je nach Herkunft und Anbau unterscheidet man 3 verschiedene chemische Typen (Typ A – C). Sie unterscheiden sich vor allem durch den Bisabololoxid Gehalt.

Haupternteprodukte sind die Kamillenköpfchen, welche meist maschinell geerntet werden. Die Blüte darf dabei nicht zu weit fortgeschritten sein, da dann bereits der Gehalt an wichtigen Inhaltstoffen erheblich abnimmt.

Pflanze
Die echte Kamille ist eine einjährige, krautige Pflanze. Ihre Blütezeit beginnt Mitte Mai bis Juni und dauert bis in den September hinein. Als Rosette ist sie noch winterhart. Wenn sie allerdings ausgetrieben hat, ist sie im Frühjahr frostempfindlich.

Als Wegpflanze ist sie natürlich sehr trittfest. Die leicht zu verwechselnde Hundskamille ist erheblich weniger trittfest und damit seltener zu finden. Dies ist sehr positiv für den Menschen, da die Hundskamille hochallergene Substanzen enthält. Die Hundskamille kann durch ihren sehr strengen und scharfen Geruch gut erkannt werden.

Kamille - junger Blütenkopf

Die echte Kamille kann von anderen Kamillenarten durch ihren hohlen Blütenboden und den typischen Kamillengeruch unterschieden werden. Alle Pflanzenteile, jedoch insbesondere die Blüten riechen zerrieben stark aromatisch.

Die Stengel der Kamille erreichen 50 – 80 cm Höhe. Die Blätter sind 2 bis 3 -fach gefiedert und besitzen schmale, spitze Abschnitte (Fotos).

Die Blütenköpfe mit ca. 2-3 cm Durchmesser finden sich einzelnen am Ende langer, verzweigter Stengel. Die Stengelblätter sind wechselständig, fiederteilig.

Die Blütenköpfe haben gelbe Röhrenblüten und weiße Zungenblüten. Die weißen Zungenblüten werden mit zunehmender Blühdauer zurückgeschlagen. Die Hüllblätter sind grün. Der Blütenboden ist zu Beginn der Blüte flach und wird dann zunehmend hohl; er ist frei von Spreublättern. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.

Den Früchten fehlen Rippen und Öldrüsen, es handelt sich um einsamige Achänen. Die Samen können lange im Boden überdauern. Sie sind Lichtkeimer.

Anwendung und Inhaltstoffe
Die echte Kamille enthält Sesquiterpenlactone (nicht im Blütenboden) vom Matricin-Typ, welche kaum Allergien auslösen und arzneilich wirksam sind. Die stinkende Hundskamille enthält Sesquiterpenlactone die alpha-, beta ungesättigt sind und zu starken Allergien führen können. Diese Allergie auslösenden Sesquiterpenlactone finden sich übrigens häufiger bei den Asteraceen.

Allergien durch die echte Kamille sind selten und meist durch Polleninhaltstoffe ausgelöst bzw. stellen sich als Reizungen durch Pollen dar. Daher sollte zum Ausschluss der Pollen bei eigenen Zubereitungen immer eine Feinfiltration vorgenommen werden.

Die Hauptinhaltstoffe der Kamille sind ätherische Öle mit  Bisabolol und Matricin und Matricarin (Sesquiterpenlactone) Chamazulen sowie diverse Flavonoide, Schleimstoffe, Cumarine, Lipide, Phytosterole, Terpenoide und Polysaccharide. Das durch Wasserdampfdestillisation gewonnene ätherische Öl ist durch das Azulen tief blau gefärbt (Kamille blau).

Matricin und Chamazulen zeigen vor allem entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften. Bisabolol ist ähnlich entzündungshemmend und antiphlogistisch jedoch kaum antioxidativ wirksam, zudem zeigt das Bisabolol starke spasmolytische Eigenschaften, weshalb die Kamille innerlich bei unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden, sowie Gastritis, Colitis und Enteritis erfolgreich angewendet werden kann. Zudem wirkt das Bisabolol leicht antibakteriell und fungizid (Pilzhemmend). Die Kamille wirkt zudem wundheilungsfördernd, schmerzlindernd, verdauungsfördernd, kramplösend, beruhigend und regt den Hautstoffwechsel an.

Kamillenblüten (Matricariae flos)
Kamillenblütentee und andere Zubereitungen enthalten nur wenig wirksame Inhaltstoffe, da Wasser nicht alle Inhaltstoffe zu lösen vermag und rund 70% der Wirkstoffe in der Droge verbleiben. Zudem gehen bei der Lagerung der Blüten viele Inhaltstoffe verloren; insbesondere natürlich in warmen bis heissen Ländern. Für eine rationale Therapie sind daher standardisierte Extrakte vorzuziehen.

Kamilletee wird vor allem bei Entzündungen im Hals- und Nasenbereich, sowie bei Magen-Darmbeschwerden angewendet.

Der Tee wird mit ca. 3g Kamillenblüten mit heissem Wasser (ca. 150 ml) übergossen und ca. 10 min ziehen gelassen. Bei Magen-Darm-Erkrankungen können über den Tag 3 – 4 Tassen getrunken werden. Bei billigen Filterbeuteln wird manchmal auch Kamillenkraut statt Kamillenblüten verwendet, daher sollte man beim Kauf immer auf Arzneibuchqualität achten.

Kamille unter dem Stadtrand

Äußerlich werden Kamillezubereitungen auch als Spülungen, Bäder, Umschläge,  Salben und Kräuterkissen angewendet. Von Augenspülungen mit Kamille sollte unbedingt abgesehen werden, da die kleinen Blütenbestandteile die Augen stark reizen können. Grundsätzlich sollte man beachten, dass Kamille einen austrocknenden Effekt auf die Haut hat.

Bei Schleimhautentzündungen (z.B. im Mundbereich) wird kamillenhaltige Salbe häufig eingesetzt.

Kamillen Flüssigextrakt (Matricariae extractum fluidum)
Die Kamillen Tinktur hat sich gut bewährt und ist deutlich wirksamer, als selbst zubereitete Lösungen, da hier der Wirkstoffgehalt definiert höher liegt.

Kamille ist in mehr als 100 Fertigarzneimitteln als Wirkstoff enthalten.

Innerliche Anwendung:
Als Tee oder Lösung bei Magenbeschwerden, Blähungen und Krämpfen.

Äußerliche Anwendung:
Badezusatz, Salben etc….von oben nehmen
Mundspülungen, Gingitvitis, Mundgeruch, Gurgellösung

Inhalation:
Entzündungen der Nasenschleimhäute oder Nebenhöhlen.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen bei der Anwendung:
Ausser seltenen allergischen Reaktionen sind keine Nebenwirkungen zu befürchten.



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