Maiglöckchen

Maiglöckchen (Convallaria majalis)
syn. Maiblume, Maililie, Mairöschen und Maischellen

Klasse: Einkeimblättrige (Liliopsida)
Familie
Maiglöckchengewächse (Convallariaceae)

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00128

Siehe auch: Giftpflanzen

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Einführung und Verbreitung
Im Frühjahr ist das Maiglöckchen ein bekannter Schmuck unserer Wälder. Von ihrem intensiven Duft angezogen, finden sich viele Insekten an den Blüten.

Das Maiglöckchen ist in Europa und dem Norden von Asien und Amerika weit verbreitet. In den Gebirgen sieht man das Maiglöckchen bis an die Laubwaldgrenze. An zu schattigen Standorten entwickeln sich nur Blätter ohne Blüten.

Die Gattung der Maiglöckchen umfasst 3 Arten, von denen in Europa nur eine Art heimisch ist. Der Gattungsname Convallaria bezieht sich dabei auf das lat. Wort convallis und bedeutet Talsenke, einem bevorzugten Biotop des Maiglöckchens. Der Blütemonat Mai für zu dem Artname majus.

Maiglöckchen Pflanze

Bevorzugte Biotope sind lockere, helle Laubwälder mit nicht zu festem, humusreichen Boden. Maiglöckchen treten vermehrungsbedingt immer in dichten, kleinflächigen Beständen auf.

Die Blütezeit ist April bis Juni. Die roten Früchte sind ab dem Hochsommer zu sehen.

Auch als Garten- und Zierpflanze wird das Maiglöckchen gern genutzt. Dort kann es sich wegen seiner Ausläufer unkrautartig vermehren.

Beschreibung der Pflanze
Maiglöckchen sind kleine bis 20 cm hohe Pflanzen. Sie besitzen 2-3 breit-lanzettliche, glattrandige Laubblätter die aus den grundständigen Blattscheiden entstehen; selten entwickelt sich nur ein Blatt bei schwachen Pflanzen. Die Blattnerven sind bogenförmig angeordnet. Die Blätter sind bis zu 20 cm lang und z.T. knapp 6-8 cm breit.

Der aufrechte Blütenstengel ist kantig und unbeblättert.

Die Blüten sind zu einer Seite gewendet. 4-10 weiße, gestielte Blüten bilden dabei eine längliche, endständige Traube und zeigen in eine Richtung. Die stark riechenden, nickenden Blüten sind weitglockig und besitzen einen Durchmesser von 1 – 1,5 cm. Die Blütenhülle ist verwachsen und bildet an den Spitzen 6 kleine Zipfel. Die 6 Staubblätter ragen nicht aus der Blüte heraus. Die Blütezeit liegt zwischen Mai und Juni.

Maiglöckchen Früchte

Die ebenfalls giftigen,  dreifächrigen Früchte sind kleine leuchtend rote Beeren, welche im Hochsommer zu sehen sind und 3 – 6 Samen je Fach enthalten. Nur am Beginn ihrer Entwicklung sind sie noch grün gefärbt.

Die Rhizome sind dünn und bis 50cm tief wurzelnd und kriechend.

Maiglöckchen verbreiten sich neben den Rhizomen auch über ihre Samen.

Giftigkeit
Alle Pflanzenteile des Maiglöckchens sind stark giftig, sie enthalten starke herzwirksame Glykoside vom Cardenolidtyp. Die höchsten Konzentrationen finden sich in den Blüten und Samen. Zum Glück werden die Maiglöckchengifte nur in sehr geringem Umfang vom Körper aufgenommen.

Die giftigen Substanzen können in Wasser übergehen. Vergiftungen durch trinken von Blumenwasser durch Kinder sollen bereits vorgekommen sein, obwohl sie eher unwahrscheinlich sind.

Weitere Inhalte des Maiglöckchens sind Saponine, Flavonoide und diverse Pflanzensäuren.

Maiglöckchen Nahaufnahme Früchte

Typische Vergiftungserscheinungen nach Verzehr von großen Mengen an Pflanzenteilen können sein:
Haut- und Augenreizungen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckanstieg, rasender Puls, dann verminderter Blutdruck, Kollaps, Herzstillstand, Durchfall, Erbrechen, Schwindel. Der Tod wird durch Herzrhythmusstörungen verursacht. Aufgrund der sehr schlechten Resorption der Giftstoffe in den Körper  wird es in der Regel nur zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Aufgrund ihres geringeren Körpergewichtes sind Kinder stärker gefährdet.

Auch beim Trocknen der Pflanze verliert sich nicht die Giftwirkung des Maiglöckchens.

Gegenmaßnahmen:
Medizinischer Kohle sollte, neben dem gezielten Erbrechen, als erste Gabe eine Maßnahme bei einer Vergiftung sein. Zudem muss eine regelmäßige Kontrolle der lebenswichtigen Funktionen durchgeführt werden. Eine Maiglöckchen Vergiftung ist sehr ernst und lebensbedrohend.

Dieselben Wirkmechanismen wie bei der Vergiftung werden auch zum Einsatz als Arzneimittel bei Herzbeschwerden eingesetzt. Wie bei allen Herzglykosiden ist auch hier eine enge therapeutische Breite gegeben.

Das DAB kennt noch Maiglöckchenkraut aus den getrockneten oberirdischen Teilen des Maiglöckchens. Es wird zur Herstellung von Tinkturen und Trockenextrakten bei Herzkrankheiten genutzt.

Aus den getrockneten Blüten wurde früher Niespulver zubereitet bzw. es wurde Niespulver zugesetzt, da es Niesreiz auslösend wirkt.

Gefahr besteht auch beim Sammeln der Bärlauchblätter, welche den Maiglöckchenblättern sehr ähnlich sehen und auch vergleichbare Biotope besiedeln. Allerdings besitzen die Bärlauchblätter einen typischen Geruch.



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