Baldachinspinne

Gemeine Baldachinspinne (Linyphia triangularis)

Stamm: Gliedertiere (Arthropoda)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Familie:
Baldachinspinnen (Linyphiidae)
syn. Deckennetzspinnen

Autor: Matthias Zimmermann
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Dokument: MZ 00127

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Ab Ende August sind in Deutschland die Baldachinspinnen in großer Menge zu beobachten. Es sind wahrscheinlich die häufigsten Spinnen in Deutschland und mit mehr als 400 Arten auch in Europa. Fast jede zweite heimische Spinnenart gehört zur Familie der Baldachinspinnen (Linyphiidae), wobei die gemeine Baldachinspinne (Linyphia triangularis) die mit Abstand häufigste und eine der größten Baldachinspinnen in Deutschland ist. Die meisten anderen Baldachinspinnen sind sehr kleine und unscheinbare Spinnen.

Baödachinspinne im Netz
Weibchen der Baldachinspinne

Die gemeine Baldachinspinne ist häufig auf Wiesen und an Waldrändern zu beobachten. Feuchtere, nicht so helle Umgebungen nutzt sie gern. Immer tritt sie in größeren Beständen auf. Früh morgens kann man im Herbst ihre weiten Netze gut erkennen.

Baldachinspinnen bauen komplexe Raumnetze, die  - Netz an Netz- oft ganze Wiesen bedecken können. Diese Netze bestehen aus mehren Ebenen und bieten einen sehr guten Schutz gegen Angreifer. Sie sind immer parallel zum Boden gesponnen und zeigen kein typisches Muster, wie wir es von Radnetzspinnen her kennen. In diesem baldachinähnlichen Netzkonstrukt (daher der Name der Spinnenfamilie) hängt die Baldachinspinne immer mit dem Rücken nach unten. In dem Netz kann sie sich sicher und schnell bewegen. Das Netz verlässt sie freiwillig nie, denn außerhalb des Netzes kann sie sich nur schwer fortbewegen, da ihr Körper zu schwer für ihre Beine ist.

Männchen der Baldachinspinne
Männchen der Baldachinspinne

Das Netz der Baldachinspinne wird sehr aufwendig von ihr hergestellt. Dazu sucht sie einen höheren Ausgangpunkt und lässt sich mit einem Faden schräg fallen. Nachdem sie zurück geklettert ist wieder holt sich dies so lange, bis ein Raumnetz mit einem spitzen Dach entsteht. Unter diesem zieht sie dann eine waagerechte Netzdecke ein, unter der sie sich später bewegt. An den Seiten wird das Netz noch mit Fäden befestigt. Durch dieses Konstrukt sind die Netze der Baldachinspinne sehr stabil und die Spinne ist gut geschützt gegen Angriffe von oben. An der Gespinstdecke findet sich kein Schlupfwinkel. Baldachinspinnen bauen also echte dreidimensionale Netze, während die Radnetzspinnen immer auf eine Raumebene beschränkt bleiben.

Männchen und Weibchen der Baldachinspinne sind mit 6-7mm ungefähr gleich groß. Allerdings sind die Weibchen deutlich kräftiger gebaut (sieht Fotos). Beine und Vorderkörper beider Geschlechter sind braun-gelblich.  Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist die kleine, dunkle nach vorn offene Gabel auf dem Vorderkörper, welche nach hinten in einem breiten Band endet. Ihre 8 Augen sind in 2 Querreihen angeordnet.

Die Männchen besitzen weit abstehende, große Cheliceren (Foto).

Der Hinterleib des Weibchens hat eine helle Grundfärbung. Die hinteren Seiten sind dunkel gefärbt. Auf der Mitte des Hinterleibs ist eine typische gezackte Zeichnung zu erkennen (Foto). Diese Zeichnung ist bei den Männchen meist kaum zu sehen.

Die Baldachinspinne hat eine optimale Färbung angenommen. Ihre Unterseite ist dunkelbraun bis Schwarz und die Körperoberseite ist hell gefärbt. So kann sie die Sonnenwärme besser aufnehmen, da sie ja immer auf dem Kopf im Netz hängt. Vor allem ist sie aber gut getarnt. Von oben ist sie gegen den dunklen Boden kaum zu erkennen und von unten hebt sie sich nur wenig gegen den hellen Himmel ab. Eine ähnliche Tarnung kennt man z.B. vom Königspinguin welcher auch eine dunkle Hinterseite und eine helle Vorseite besitzt und so im Wasser gut getarnt ist.

Oftmals ist die Baldachinspinne vergesellschaftet mit der Herbstspinne anzutreffen. Man kann die beiden anhand der Netze jedoch gut unterscheiden. Die Herbstspinne baut fast senkrechte Radnetze mit freier Narbe.

Die Baldachinspinne nutzt ihr Netz auch zur Jagd. Sich darin verfangene Insekten werden schnell überwältigt und durch die Netzschichten nach unten gezogen, dabei werden sie mit den Leimfäden gefesselt. Das defekte Netz wird meist erst nach der Mahlzeit repariert.

Reife Exemplare findet man zwischen August und Oktober. Die Männchen sind zur Paarungszeit im September oft in der Nähe oder sogar im Netz der Weibchen zu finden. Sie weben meist keine eigenen Netze. Bei der mehrere Stunden andauernden Paarung sitzt das Männchen bauchoben auf dem Weibchen. Auch nach der Paarung lebt das Männchen noch einige Zeit im Netz des Weibchens.



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