Königspinguin

Königspinguin (Aptenodytes patagonicus)

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
Familie: Pinguine (Spheniscidae)
Gattung: Großpinguine (Aptenodytes)

Autor: Matthias Zimmermann
Website: http://www.natur-lexikon.com

Dokument: MZ 00125

Alle Fotos von Fritz Pölking

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Einführung und Verbreitung

Die Pinguine gehören zu den Vögeln, auch wenn sie nie fliegen. Im Laufe der Entwicklung haben sie diese Fähigkeit vollständig verloren und sich stattdessen an das Leben im und am Wasser angepasst.

Durch ihr ansprechendes friedliches Verhalten und das schöne Aussehen, sind die Pinguine eine der beliebtesten Tiergruppen.

Es sind heute 17 Pinguinarten bekannt. Die bekanntesten sind sicher der Königspinguin und der Kaiserpinguin, welche gemeinsam die Gattung der Großpinguine (Aptenodytes) bilden und die kalten Regionen der Südhalbkugel besiedeln. Wobei der Kaiserpinguin ist den kalten Zonen der Antarktis lebt und der Königspinguin die Subantarktis mit ihren mäßig kalten Zonen besiedelt. Sie bewohnen also zwei unterschiedliche Lebensräume, welche kaum überlappen. Aufgrund der geringeren Wärmeempfindlichkeit sieht man in unseren zoologischen Gärten meist den Königspinguin.

Koenigspinguin

Ähnlich wie bei den Robben, ist auch bei den Pinguinen der Übergang in ein Leben im Wasser nicht abgeschlossen. Sie verbringen ebenfalls einen großen Teil ihres Lebens außerhalb des Wassers. Dort besiedeln sie die Küsten subarktischer Inseln und paaren sich bzw. ziehen den Nachwuchs auf. Auch zur Mauser müssen die Pinguine das Wasser verlassen.

Die nördliche Verbreitungsgrenze dürfte auf Höhe der Falklandinseln liegen, wo es heute wieder eine kleine Kolonie gibt.

Körperbau

Der Körperbau der Pinguine ist geprägt von dem Leben im Wasser. Während er auf dem Land eher unbeholfen wirkt, ist sein stromlinienförmiger Körper im Wasser zu Hause.  Die Flügel der Königspinguine sind zu Flossen umgewandelt. Das weiche Gefieder mit dem schützenden Luftpolster ist einer dicken Fettschicht zur Isolierung und einem festen, engen, wasserundurchlässigen Gefieder mit nur dünner Luftschicht darunter gewichen. Die Federn sind klein und gekrümmt, wobei sie sich dachziegelartig überlagern und so optimal wärmen bzw. unter Wasser eine ideale Gleitfläche bilden. Um keine Wärme abzugeben, ist auch das Gesicht vollständig befiedert.

Sie sind typisch schwarz-weiß gefärbt. Die Ohren und der Halsansatz leuchten intensiv gelb. Königspinguine sind von hinten schwarz und von vorn weiß. So können sie im Wasser von unten nicht gegen den hellen Himmel erkannt werden. Weibchen und Männchen sehen sich ähnlich; die Männchen sind allerdings etwas größer als die Weibchen. Ihr Schnabel ist lang gestreckt.

Königspinguin - Gruppe

Der Schwanz der Königspinguine ist im Laufe der Entwicklung eine kräftige Ruderflosse geworden, die kräftigen Füße dienen als Steuer, wobei die Zehen durch kräftige Schwimmhäute verbunden sind.

Unter Wasser sind sie sehr geschickte Schwimmer, auf dem Wasser schwimmen sie fast nie. Anders als die Robben schwimmen sie meist wenige Meter unter Wasseroberfläche. Nur zum Luftholen schießen sie kurz, an der Oberfläche entlang aus dem Wasser. Kurzfristig können sie sich tümmlerartig unter Wasser sehr schnell fortbewegen und mehr als 35 Stundenkilometer schnell werden.

Um tiefer tauchen zu können schlucken Pinguine Steine, da sie allein nicht genug Ballast aufweisen, um schnell genug abzusinken. Diese Steine dienen dann später auch dem zermahlen der Nahrung. So erreichen sie auch Tauchtiefen von mehr als 100 m.

Um unter Wasser nicht zu stark auszukühlen aktiveren die Pinguine stark ihren Stoffwechsel. Anders als die Robben verfügen die Pinguine nicht über ausreichend Körpermasse um die Kälte zu überstehen. Dies führt zu einem erhöhten Nahrungsbedarf. Dieser wird durch eine üppige Jagd gedeckt. Oft erbeuten Königspinguine bei einem Jagdausflug bis zu 20 kg Fisch. Zudem besitzen die Königspinguine einen hohen Myoglobinanteil im Blut, wodurch sie länger unter Wasser bleiben können.

Königspinguin - Paar

Ihre Füße befinden sich am Ende des Körpers, wodurch sie aufrecht stehen können. Sie können sich so schnell und sicher auch über unebenes Gelände bewegen. Öfter rutschen sie auch auf dem Bauch voran.

Die Körperlänge des Königspinguins beträgt ca. 95 cm, bei einem Körpergewicht von 15 kg. Damit wiegt er deutlich weniger als der Kaiserpinguin bei fast gleicher Körperlänge und ist zugleich der zweitgrößte Pinguin. Dies erklärt sich damit, dass der Kaiserpinguin in deutlich kälteren Regionen lebt und entsprechend mehr Köperfett benötigt.

Ernährung und Verhalten
Sie trinken Salz- wie Süßwasser; oftmals jedoch als Schnee.

Königspinguine sind sehr gesellig und brüten in großen Kolonien. Auch zur Nahrungsaufnahme stürzen sie oft in großen Gruppen in das Meer. Zudem bieten die größeren Kolonien einen guten Schutz vor Nesträubern. Oftmals sieht man die ganze Kolonie mit dem Rücken zum Wind stehen. Innerhalb der Kolonie erkennen sie sich auf weite Entfernung durch ihre Rufe und im Nahbereich an ihren gelben Färbungen an Kopf und Hals.

Im Wasser fangen sie kleine Fische, Krebse, Planktonkrebse und Tintenfische, welche ihre Hauptnahrungsquelle darstellen.

Königspinguine im Wasser

Fortpflanzung und Entwicklung
Königspinguine brüten ab einem Alter von 6 Jahren. Sie sind meist monogam und paaren sich mit dem Partner des Vorjahres. Die Eiablage der Königspinguine erfolgt im Sommer an den eisfreien Stränden. Es wird zunächst ein Ei  früh im November gelegt. Danach vergeht ein Jahr ohne Eiablage, in dem sich die Königspinguine erholen können. Die grünlichen Eier werden in einer Bauchfalte gewärmt. Die Königspinguine stehen dabei nicht so dicht in der Kolonie zusammen, wie die Kaiserpinguine. Der vollständige Brutzyklus nimmt ca. 15 Monate in Anspruch, so dass das nächste Ei erst im Februar des Folgejahres gelegt wird. D.h. in der Kolonie sind immer Jungtiere zweier Generationen präsent. Königspinguine können also im günstigsten Fall nur 2 Junge in 3 Jahren aufziehen, während die Königspinguine jedes Jahr Nachwuchs bekommen können.

Wie die Kaiserpinguine legen auch die Königspinguine nur ein Ei. Königspinguine bauen kein Nest, sondern tragen das Ei auf dem Fußrücken und gehen damit auch umher. Die Brutdauer liegt bei ca. 50 – 55 Tage, wobei sich das Männchen und Weibchen alle 2 Wochen abwechseln. Der jeweils andere Partner sucht die Gewässer auf, um sich wieder mehr Fett anzufressen. Bei der Übergabe kommt es zu einem ausgeprägten Begrüßungszeremoniell. Während der Brutzeit fallen den Königspinguin die Beinhaare aus, damit das Ei zusätzlich zu der Bauchfalte besser gewärmt werden kann. Nun muss jeder Tag genutzt werden, damit die kleinen Küken genug Fett ansetzen, um den entbehrungsreichen Winter zu überstehen.
Die jungen Königspinguine verbleiben den folgenden Winter in der Kolonie und werden in großen Abständen (alle 2-3 Wochen) gefüttert. Dabei würgen die Eltern ein fettreiches Sekret hervor, welches das junge Küken sofort aufnimmt. Im Winter ist der Weg zu dem eisfreien lang und beschwerlich, so dass die Eltern Mühe haben genug Futter für ihr Küken zu beschaffen. Dabei werden für ein Küken tausende Kilometer überwunden. Nun rücken auch die Königspinguine enger zusammen, um möglichst wenig Wärme zu verlieren.

Mit Anbruch des Frühjahrs können die Küken - wenn sie den Winter überlebt haben - nun wieder intensiver und häufiger gefüttert werden.
Ihr zweites Federkleid ist dunkelbraun gefärbt (Foto). Es dauert 15 Monate bis die jungen Küken ihr erwachsenes Federkleid besitzen und selbständig werden. Solange sind sie auf die Fütterung durch die Eltern angewiesen, da sie noch nicht selber in das kalte Wasser können. D.h. die jungen Pinguine werden genau dann unabhängig, wenn das größte Nahrungsangebot vorhanden ist. Sobald sich der junge Pinguin von seinen Eltern getrennt hat, setzt bei diesen die Mauser ein, bevor der nächste Nachwuchs kommt.

Feinde
In manchen Gebieten wurden die Königspinguine bereits im vorletzten Jahrhundert ausgerottet, da ihr Tran und ihre Federn sehr begehrt waren.

Königspinguine haben wenige natürliche Feinde. Einzig die Eier und Jungvögel sind von Seevögeln bedroht. Im Meer ist der Seeleopard und die Schwertwale für die ausgewachsenen Tiere gefährlich. Der größte Feind ist jedoch der Mensch. Nicht nur durch den Diebstahl der Eier, sondern vor allem durch die Vergiftung der Umwelt. Schwermetalle und Gifte schwächen das Immunsystem der Pinguine, führen zu Unfruchtbarkeit, Verhaltensstörungen etc. Dies wird durch den hohen Anteil von Fettgewebe am Gesamtkörpergewicht noch begünstigt, da sich dort schwerpunktmäßig Gifte einlagern.

Die Waljagd des Menschen hat den Pinguinen geholfen, weil dadurch natürliche Nahrungskonkurrenten ausgeschaltet wurden.

Königspinguine erreichen in der Natur ein Alter von mehr als 20 Jahren. Dies ist auch notwendig, da nur jeweils ein Küken großgezogen wird und die Art erhalten bleiben muss.



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