Zebra Steppenzebra (Equus quagga)

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Pferde (Equidae)

Autor: Matthias Zimmermann

Dokument: MZ 00114

Alle Fotos: Uwe Walz

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Einführung und Verbreitung

Die Pferdeartigen haben ihren entwicklungsgeschichtlichen Höhepunkt lang überschritten. Heute ist es die Gattung der Pferde welche noch mit 6 Arten vertreten ist. Das Hauspferd und der Hausesel haben sich als wichtige Haustiere verbreitet, als Wildtiere spielen sie keine große Rolle mehr. Einzig die Zebras sind in der Natur noch stark vertreten

Das Steppenzebra ist die erfolgreichste Pferdeart überhaupt. Fast jeder kennt Zebras aus dem Zoo oder Zirkus, als die gestreiften Wildpferde Afrikas.

Wegen ihrer typischen Zeichnung sind die Zebras als eigene Untergattung Tigerpferde (Hippotigris) zusammengefasst. Unter diesem Namen wurden sie einst in Europa verbreitet. Heute werden 3 Zebra Arten beschrieben. Die seltenen Bergzebras, die fast ausgestorbenen Grevy-Zebras und die häufigen Steppenzebras.

Sie alle leben in den offenen Graslandschaften Afrikas. In stark bewachsenen Gebieten fühlen sie sich unwohl, da sie nicht sehen können, ob sich Feinde nähern.

Dieser Beitrag beschreibt die Steppenzebras und geht im unteren Abschnitt kurz auf die beiden anderen Arten ein. Die Steppenzebras kommen in 5 Unterarten vor, von denen 2 Unterarten ausgerottet sind. Die bekanntesten Steppenzebras sind sicher die Böhm- oder Grantzebras aus Ostafrika.

Zebra Gruppe

Pferde sind bereits sehr lange in Afrika verbreitet und dienten schon in der Vorzeit als wichtige Nahrungsquelle neben den Mammuts. Die Entwicklung der Pferde hat ihren Anfang in den Wäldern Nordamerikas genommen. Über die Landbrücke Alaskas gelangten sie nach Afrika und Europa, wo sie sich sehr gut entwickelten. In Amerika hingegen starben die Pferde aus. Erst mit den ersten Europäern kamen im 16. Jahrhundert die Pferde nach Amerika zurück.

Zebras ließen sich nie in dem Maße bändigen und züchten wie z.B. Hauspferde oder Esel. Sie waren immer zu störrisch und wild. So trifft man sie in menschlicher Umgebung eigentlich nur im Zoo oder Zirkus an. Als Nutztiere haben sie nie einen nennenswerten Einsatz erfahren.

Steppenzebra

Körperbau

Die Schulterhöhe der Steppenzebras liegt bei 120 – 140 cm. Ausgewachsene Steppenzebras wiegen bis zu 250kg. Die Schwanzquaste ist rel. lang. Die Ohren sind kurz. Die Beine der Steppenzebras sind recht kurz.

Als Nicht-Wiederkäuer besitzen sie einen einfachen Magen und einen langen Blinddarm. Die Zähne werden durch die Kieselsäure in den Gräsern belastet und wachsen entsprechend nach. Für die Verdauung benötigen sie im Magen bestimmte Einzeller. Die jungen Fohlen nehmen daher in den ersten Lebenstagen Kot der Mutter auf, um in ihrem eigenen Magen quasi Kulturen dieser Einzeller anzulegen.

Bei Unpaarhufern ist die dritte Zehe besonders extrem ausgebildet und trägt das ganze Gewicht. Dies steigert sich noch bei den Pferdeartigen welche das ganze Gewicht auf nur noch auf dem Mittelzeh (Einfingerigkeit) tragen. Dieser ist mit einem Huf umkleidet und mit dem Mittelfußknochen zu einem „Bein“ verschmolzen.

Zebra mit Fohlen

Von den echten Pferden unterscheidet sich das Zebra, wie auch der Esel, durch den fehlenden echten, langen Schweif, sowie die längeren Ohren. Zudem weisen die echten Pferde so genannte Kastanien auf, dies sind hornartige Verdickungen an den Vorder- und Hinterfußwurzeln.

Die auffälligen Streifen des Zebras dienen der Tarnung und sind zugleich ihr typisches Merkmal. Wenn die heiße Luft flimmert und die Zebras sich unter Bäumen oder im trockenen Schilf aufhalten sind sie kaum noch zu erkennen bzw. lösen sich vor dem Hintergrund auf.  Dies gilt auch für saugende Insekten, d.h. die Streifen dienen auch als Insektenschutz. Natürlich können sich die einzelnen Mitglieder einer Familie an den Streifen barcodeartig erkennen. Die Streifung der Steppenzebras kann je nach Vorkommen stark variieren. Die Streifen sind kein systematisches Merkmal. Es ist davon auszugehen, dass auch andere Vertreter der Gattung Equus vormals Streifen besaßen. Nach Süden hin ändert sich die Fellfarbe und es finden immer mehr Gelb-Braun-Töne Einzug.

Ernährung von Verhalten
Steppenzebras sind sehr gesellig und weiden in großen Gruppen. Diese Gruppen stehen zudem relativ dicht beieinander und bilden dauerhafte Fortpflanzungsgemeinschaften. Der Hengst ist der jeweilige Beschützer der Gruppe und hält auch meist Wache, während die Stuten grasen und sich so der Nachwuchs besser entwickeln kann. Anders als die Grevys oder Bergzebras sind die Steppenzebras nur wenig aggressiv. In den Verbänden von bis 20 Tieren bleiben die erwachsenen Tiere fast ihr ganzes Leben zusammen. Nur die jungen Hengste verlassen vor der Geschlechtsreife die Gruppe. Die Junghengste bilden dann „Junggesellengruppen“, welche einige Jahre zusammenbleiben. In den Familiengruppen herrscht eine Rangordnung, wobei die Hengste die oberste Position innehaben. Zwischen den Zebras findet eine ausgiebige, gegenseitige Fellpflege statt.

Alle Unpaarhufer sind Nicht-Wiederkäuer und typische Pflanzenfresser. Sie verbringen etwa 50% ihrer Zeit mit der Nahrungsaufnahme. Sie ernähren sich in erster Linie vom nährstoffarmen Langgras. Hiermit erfüllen sie eine wichtige ökologische Funktion, da sie für andere Arten die gehaltvolleren Pflanzen freilegen.

Zugleich wird hier deutlich, dass der Einsatz von hochwertigem Futter für Hauspferde der Schlüssel zu deren intensivem Arbeitseinsatz darstellt. Müssten die Hauspferde nährstoffarmes Futter fressen (anstatt nährstoffreiches Getreide) könnten sie nur wenig Zeit im Arbeitseinsatz verbringen.

Anders als die Grevy-Zebras können die Steppenzebras nicht länger ohne Wasser auskommen und wandern bei Wassermangel ab. Mit ihren Hufen graben die Zebras oft in der Nähe von Wasserstellen und erhalten so sauberes Wasser. Tiefe Wasserstellen können von Zebras durchschwommen werden.

Die Gebiete der Steppenzebras können bis zu 250 Quadratkilometer umfassen. Dabei sind Vergesellschaftungen mit anderen Pflanzenfressern, wie Giraffen, Gnus oder Antilopen üblich. Bei dem Auftreten einer Gefahr warnen sie sich gegenseitig.

Mit Madenhackern leben Zebras in einer Art Symbiose, wobei sie sich ruhig hinstellen und die Vögel Ungeziefer vom ihrem Leib hacken bzw. picken lassen.

Zur Ruhe legen sich die Zebras in eine Bauchseitenlage, aus der sie bei Gefahr schnell aufspringen können.

Zur Körperreinigung und Pflege der Zebras dient zum einen der Schwanz, um Insekten zu vertreiben. Gern reiben sie sich auch an Bäumen oder Sträuchern. Sehr häufig nutzen Zebras die beidseitige, soziale Fellpflege, wobei sie sich gegenseitig an den Stellen knabbern die sonst nicht zu erreichen wären.

Als gesellige Tiere können sich die Zebras gut mit Gesten und Geräuschen ausdrücken. Bei der Begrüßung nehmen sie Nasenfühlung auf. Überhaupt spielen die intensiven sozialen Hautkontakte eine große Rolle. Zebras sind recht verspielt und toben viel herum, auch um überschüssige Kraft abzubauen.

Kleinere Streitigkeiten werden durch Drohen und Hufetreten gelöst. Erst bei ernsten Kämpfen z.B. um eine Stute kommt es zu echten Auseinandersetzungen. Regelmäßig versuchen die jungen Hengste den Leithengst zu verdrängen, müssen sich dann aber doch geschlagen geben und bilden eigene Junghengstgruppen. Die Abtrennung der Junghengste ist wichtig um Inzucht zu vermeiden. Irgendwann verlieren die alten Hengste die Kämpfe um die Gruppe und schließen sich dann geschlagen einer Hengstgruppe an.

Die Zebras besitzen ein gutes Lernvermögen. Z.B. können sie sich Orte und Wege sehr gut merken und auch aus vielen hundert Kilometern sicher zurückfinden.

Die Gruppen oder Familien leben in großen Gebieten, welche sie aber nicht verteidigen, sondern mit anderen Gruppen friedlich teilen.

Zebra mt Jungtier

Fortpflanzung und Entwicklung
Zebras sind wie alle Pferde das ganze Jahr über fortpflanzungsfähig. Jedoch nur an wenigen Tagen sind die Stuten hochrossig und somit fruchtbar und paarungsbereit. Ist die Stute noch nicht paarungsbereit tritt sie wild aus, wenn sich ihr ein hengst zu sehr nährt. Dieser Zyklus wiederholt alle 7 – 8 Wochen. Ca. 1 – 2 Wochen nach der Geburt sind die Stuten wieder rossig und werden erneut gedeckt. Die Tragezeit liegt bei ca. einem Jahr. So können einzelne Zebras bis zu 20 Fohlen gebären. Es wird jeweils ein Fohlen von ca. 30 kg geboren. Bei der Geburt liegt die Stute auf der Seite. Bereits nach ca. einer Stunde kann das Fohlen zittrig aufstehen. Nach der Geburt wird das junge Fohlen ausgiebig abgeleckt und damit die erste Mutter-Kind –Bindung gelegt. In den ersten Lebenstagen hält die Mutter das Fohlen von der Gruppe fern, um es ganz auf sich zu prägen.

Die jungen Fohlen können ihre Mutter an den unterschiedlichen Streifen (natürlicher Barcode) und dem Geruch gut erkennen. Im Familienverbund kümmern sich auch andere Stuten um die jungen Zebras. Oft sieht man auch Zebrajunge unterschiedlicher Familien miteinander spielen.

Junge Stuten sind nach 3 Jahren; Hengste erst nach 4-5 Jahren geschlechtsreif. Alle Junghengste und einige Jungstuten verlassen vor Erreichen der Geschlechtsreife die Gruppe.

Kreuzungen zwischen Zebras und Eseln oder Pferden sind möglich, sie werden Zebroide genannt. Das Aussehen der Zebroide schwankt je nach Paarungspartner erheblich. Zebroide sind unfruchtbar.

Feinde:
Neben dem Menschen als Jäger und Biotopzerstörer, sind es vor allem die Großkatzen Afrikas, welche die Zebras bedrohen. Hier tut sich vor allem der Löwe als Zebrajäger hervor, ohne jedoch den Zebrabestand ernsthaft zu beeinflussen. Allerdings sind Zebras sehr wehrhaft, so dass auch Löwen vorsichtig sind. Schon so mancher Löwe wurde von einem Zebra tödlich verletzt, indem sein Kiefer von Zebrahufen zertrümmert wurde. Das Steppenzebra insgesamt ist derzeit nicht im Bestand bedroht, nur einzelne Unterarten sind gefährdet.

Zebra trinken

Grevy-Zebra (Equus grevyi)
Das Grevy-Zebra ist mit einer Schulterhöhe von 1,5 Meter das größte Zebra, bei einem Körpergewicht von fast 400kg. Sein Kopf ist rundlich und dick.

Es ähnelt vom Körperbau mehr einem Wildesel, während Bergzebra und Steppenzebra Wildpferden ähnlich sind. Sein Verbreitungsgebiet liegt östlich in Afrika; vornehmlich Äthiopien und Somalia. Es bevorzugt Hochmoorgebiete mit hohem Schilfanteil. Ihre Reviere sind deutlich größer, als die der kleineren Steppenzebras.

Auffällig ist der Unterschied im Verhalten zu den Steppenzebras. Gervys sind eher Einzelgänger bzw. leben nur in sehr kleinen Gruppen, welche nur zu der Paarung zusammenkommen. Dies macht sie anfällig für ihre Feinde. Grevy´s leben in großen Revieren, diese werden in Bezug auf die Fortpflanzung verteidigt. Ansonsten können Artgenossen, die sich unterwerfen, auch in dem Revier grasen. Die Steppenzebras bilden dagegen kleine Harems in denen die Aufgaben geteilt werden. Die Grevy´s hingegen teilen keine Aufgaben, d.h. die Hengste übernehmen auch keine Schutzfunktion für die Gruppe. Jedes Grevy-Zebra ist also auf sich allein gestellt. Zudem sind die Grevys wählerisch bei der Futterwahl, während die Steppenzebras fast alle Gräser fressen.

Die Fellfärbung weißt bei ihnen einen viel höheren Schwarzanteil auf, insbesondere am Hinterleib, so dass ihre Tarnung nicht optimal ist. Dabei ist das Fell besonders eng gestreift. Aufgrund des schönen Felles wurde das Grevy-Zebra viel intensiver bejagt, als das Steppenzebra.

Grevy-Zebras sind selten; es leben nur noch wenige tausend Exemplare in Schutzgebieten. Ihre weiten Wanderungen beruhen auf sich ändernden Umwelteinflüssen (z.B. Wassermangel) und nicht auf einem inneren Antrieb.


Bergzebras im Mix mit Steppenzebras Foto: Berno Blüchel

Berg-Zebra (Equus zebra)
Das Bergzebra lebt in den Gebirgen des Kapgebietes Südwestafrikas und ist heute fast ausgerottet. Bergzebras kommen heute ausschließlich in Schutzgebieten vor.

Bergzebras besitzen eine Schulterhöhe von ca. 115 – 130 cm. Bergzebras sind hervorragende Kletterer und ihrer Umgebung ideal angepasst. Ihre Hufe sind fest und finden auf dem harten Geröll guten Halt. Auf weichem Untergrund haben sie Probleme, da ihre Hufe dort nicht richtig abgeschliffen werden.

Bergzebras können sogar einige Tage ohne Wasser auskommen und sind so unabhängiger von nahen Wasserstellen, was in den Berg auch notwendig ist.

Bergzebras können gut an der Wamme, einer großen Hautfalte am Hals, erkannt werden.

Ihr Sozialverhalten entspricht in etwa dem der Steppenzebras. Erst mit dem Wegfall ihrer Lebensräume wurden die Bergzebras immer seltener.

Bergzebra

Bergzebra Foto: Berno Blüchel



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